EinzelhandelDrogeriekette Schlecker ist insolvent

Der Drogeriekonzern schreibt seit Jahren Verluste und schließt derzeit Hunderte Filialen. Jetzt will sich Schlecker über ein Insolvenzverfahren wieder sanieren. von dpa

Der Drogeriekonzern Schlecker ist insolvent. Das bestätigte das Unternehmen am Freitag. Seit drei Jahren schreibt Schlecker Verluste und schließt derzeit bundesweit Hunderte von Filialen . Das Unternehmen will nach eigenen Angaben eine sogenannte Planinsolvenz beantragen, über die sich Schlecker sanieren könnte .

Nach Angaben des Konzerns soll der Geschäftsbetrieb unverändert weiterlaufen. Ziel sei der Erhalt eines großen Teils des Filialnetzes und damit auch der Arbeitsplätze. "Wir glauben an die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens", sagte ein Sprecher. Die Mitarbeiter seien ebenfalls informiert worden.

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In dem Insolvenzantrag will Schlecker den Gläubigern offenbar konkrete Vorschläge unterbreiten, wie es mit dem Konzern weitergehen kann. Die Unternehmenserben Meike und Lars Schlecker hatten trotz der Berichte über Lieferengpässe und Zahlungsschwierigkeiten bislang daran festgehalten, dieses Jahr wieder Gewinn machen zu wollen.

Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di forderte die Unternehmenseigentümer auf, alles für den Erhalt der Arbeitsplätze zu tun. "Anton Schlecker trägt als Eigentümer persönlich die Verantwortung für seine Beschäftigten", sagte ver.di-Vorstandsmitglied Stefanie Nutzenberger. In einem solchen Falle gelte besonders, dass Eigentum verpflichte.

Umsatz um 650 Millionen Euro gesunken

Grund für die Insolvenz sei, dass eine geplante Zwischenfinanzierung nicht sichergestellt werden konnte, teilte Schlecker mit. Daher könnten die weiteren Maßnahmen der aktuell laufenden Restrukturierung nicht so umgesetzt werden.

Das Verfahren der Planinsolvenz

Die sogenannte Planinsolvenz ist ein Sonderfall des Insolvenzverfahrens. Ihr Ziel ist der Insolvenzordnung (InsO) zufolge der Erhalt des Unternehmens, im Gegensatz zu den sonst üblichen Insolvenzverfahren: Dabei werden Unternehmen oft zerschlagen oder einfach nur noch abgewickelt, und die Gläubiger erhalten das restliche Vermögen.

Ein weiterer Unterschied bei der Planinsolvenz ist, dass die alte Geschäftsführung im Amt bleibt und der Insolvenzverwalter nur beratend tätig wird. Zusammen mit der Unternehmensführung arbeitet er den Insolvenzplan aus, über den dann die Gläubiger entscheiden.

Wenn es eine Perspektive für den Fortbestand des Unternehmens gibt, soll es durch diesen Plan ermöglicht werden, im Insolvenzverfahren ganz oder teilweise von der Insolvenzordnung abzuweichen. Zumindest überlebensfähige Unternehmensteile sollen diesem Plan zufolge dann erhalten bleiben, statt das Unternehmen zu zerschlagen.
 

Im Geschäftsjahr 2010 war der europaweite Umsatz des Unternehmens um etwa 650 Millionen Euro auf 6,55 Milliarden Euro gesunken. Für 2011 rechnete der schwäbische Familienkonzern erneut mit sinkenden Erlösen. Die Mitarbeiterzahl lag Ende 2011 bei mehr als 30.000 in Deutschland und weiteren etwa 17.000 Beschäftigten im Ausland.

Zuletzt hatte Schlecker noch etwa 7.000 Läden in Deutschland und etwa 3.000 weitere in Österreich , Spanien , Frankreich , Italien , Tschechien , Polen und Portugal . Im Wettbewerb hatten die Konkurrenten dm und Rossmann deutlich aufgeholt.

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Leserkommentare
  1. auch noch gute Nachrichten bringt. Der Herr des Dumpinglohns und der prekären Beschäftigung bekommt die Retourkutsche des Volkes zu spüren.

    An diesem Beispiel darf der Kunde gerne ableiten, dass ER es ist der die Macht hat und nicht irgendwelche Politiker oder Gesetzesgeber.

    Schlecker darf jetzt hoffentlich Platz machen für Unternehmen die sich nicht gegen das Volk stellen. Ich mache derweil eine Flasche Sekt auf.

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    einer Verkäuferin im Osten unserer Republik 13 Euro die Stunde zahlt, halte ich da nicht für Ausbeutung! Andere Unternehmen zahlen 3,80, 5,20 oder 6 Euro die Stunde. Das finde ich menschenunwürdig. Diese Unternehmen sollte man schneiden! Übrigens dürfte man dann auch kein Brötchen im Backshop kaufen!

    Es tut meiner Seele immer wieder gut, dass wiederholt ein kapitalistisches Etwas niedergeht. Mir sind die Arbeitslosen lieber als Leute die sich in solchen Läden ausbeuten lassen.

    Lassen Sie ihre Flasche zu. Schlecker wurde durchs Dorf getrieben, um den Bürger zu zeigen, wie rigoros man gegen Dumpinglöhne vorgeht, obwohl vorn herum tausende andere Unternehmen die Billiglohnschiene weiterfahren dürfen.

    Seien sie nicht so naiv. Täglich müssten Geschichten wie die damals von Schlecker in den Medien auftauchen, dann würde ich ebenfalls eine Flasche aufmachen. So wurde uns nur ein Knochen vorgeworfen, nach den die Medien und Wir geschrien haben und der uns nun so befriedigt.

    • anonym_
    • 20. Januar 2012 16:05 Uhr

    ...wären es gewesen, wenn schlecker jetzt nicht insolvent wäre, sondern es hoffnung auf die sicherung von tausenden von arbeitsplätzen geben und vor allem die firmenleitung alles daran setzen würde, wieder ein vorbildlicher arbeitgeber zu sein.
    wenn ich so lese, wie sich so einige darüber freuen wenn ein unternehmen insolvenz beantragt, finde ich das kindisch und vor allem undurchdacht. wenn euch so viel an den mitarbeitern liegt, dann sollte diese nachricht euch eher erschüttern.

    allerdings ist es hier in Frankreich nicht ganz so schlimm mit dem Schlecker-Clan, die Maerkte werden besser ausgestattet und recht gut gefuehrt, dank auch der Gewerkschaft hier, in der BRD-GmbH kann man aber (fast) alles machen was an Betrug grenzt , il Gegensatz zu hiern da gibt es noch Revolten !

  2. Sorry, aber ich denke, viele nicht auf den Kopf gefallene Menschen werden sich freuen, dass Schlecker Insolvenz angemeldet hat. Schlecker hat viele Jahre lang das Bild des Arbeitnehmer-Knechters kultiviert, so einen Ruf wird man nicht eben mal schnell mit einem neuen Reklameslogan wieder los (im übrigen ist "For you vor Ort" eine glatte Lüge, da sich Schlecker in den letzten Monaten ja aus der Fläche, d.h. kleinen Orten und zentrumsfernen unrentablen Stadtlagen zurückgezogen hat). Im übrigen genießt Schlecker auch bei den Lieferanten wegen seiner erpresserischen EKpreis-Politik einen legendär schlechten Ruf. Die Kinder waren zuletzt dazu verdammt, das auszuwetzen, was der Vater über Jahrzehnte angerichtet hat – ein aussichtsloses Unterfangen in diesem brutalen Verdrängungsmarkt, in dem DM-Chef Götz "bedingungsloses Grundeinkommen" Werner geschickt die Ethikkarte als unique selling proposition spielt. Tschüs, Schlecker – ich weine Dir keine Träne nach!!!

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  3. 3. [...]

    Entfert. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke, die Redaktion/mo.

    Eine Leserempfehlung
  4. Man konnte nach den Meldungen über Schleckers "XXL" Märkte und vor allem dessen "Lohnpolitik" kaum noch nachvollziehen, dass noch irgendjemand in diesem Saftladen einkaufen geht.

    8 Leserempfehlungen
    • J.S.
    • 20. Januar 2012 14:43 Uhr
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    Klasse!
    Denglish at it’s best …

  5. ... ich kaufe auf dem Heimweg eine Flasche Cremant bei Rossmann.

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    • Infamia
    • 20. Januar 2012 14:51 Uhr

    ". ich kaufe auf dem Heimweg eine Flasche Cremant bei Rossmann."

    Ich hoffe, dass meinten Sie ironisch. Denn Rossman hat einen ähnlich schlechten Ruf wie Schlecker, nur ist das bisher noch nicht so weit bis zum Verbraucher durchgedrungen. Gehen Sie lieber zu DM, da sind Sie auf der sichereren Seite.

    Zum Artikel kann man eigentlich nur eines sagen. Es ist ein Lehrstück, dass man seine Mitarbeiter eben nicht wie Sklaven halten und seine Lieferanten nicht erpressen sollte. Denn ist der Ruf erst ruiniert, ist es sehr schwer, diesen wieder aufzupolieren. Und es ist ein Lehrstück für die Verbraucher, dass sie SEHR viel Macht besitzen. Danke an alle aufgeklärten Verbraucher, die nicht nur über "die bösen Arbeitgeber" geschimpft, sondern auch gehandelt haben.

    Rossmann ist nicht besser als Schlecker, sondern dasselbe.

    • memoe
    • 20. Januar 2012 14:45 Uhr

    Nur für die Mitarbeiter ist es natürlich hart! Um deren Einzelschicksale tut es mir leid. Von der Ausbeutung in die Arbeitslosigkeit..

    Wobei.. so etwas kann ja vielleicht auch eine Befreiung sein!?

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  6. Wer schon vor Jahren bei DM und Müller unterwegs war, konnte sich über die Schlecker Filialen nur wundern.

    Versifft und vergammelt, für manche Mitarbeiterin mußte man einen Übersetzer beibringen, und viel billiger war es dann auch nicht.

    Was Angst macht, Schlecker ist Deutschland. Eine Bande weniger Leute wirtschaftet eine gute Sache herab, bedient sich dabei selber und kommt am Ende unbeschadet davon.
    Das Leid kommt dann über die Masse, welche den Betrieb mit viel Müh und wenig Lohn aufrecht erhalten hat.

    Wie lange wollt Ihr noch zuschaun, bis Ihr aufwacht?

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    • xpeten
    • 20. Januar 2012 15:48 Uhr

    so funktioniert der Kapitalismus.

    Am Ende bleibt nur einer übrig - aufgebaut mit gepumptem Geld, keinen Euro Steuern zahlend und die üblichen Dumpinglöhne noch bei weitem unterbietend.

    Eigntlich ist die Zeit doch reif für neue Tante-Emma-Läden, oder? Gibt bestimmt eine Menge Leute, die freiwillig etwas mehr bezahlen für korrekte, sichere und sozialversicherte Arbeitsverhältnisse. Die Macht dieser nichtsnutzigen Ketten kann nur der Verbraucher brechen.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Ver.di | Eigentum | Euro | Insolvenz | Schlecker | Umsatz
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