Einkaufswagen eines Schlecker-Drogeriemarkts mit neuem Schriftzug © Stefan Puchner/dpa

Maria Seufert (Name geändert) räumt noch eben eine Palette mit Babybrei in die Regale. Dann richtet sie sich auf und sagt: "Das ist natürlich ganz schöner Mist für uns alle." Sie meint die Insolvenz ihres Arbeitgebers Schlecker , in dessen Filiale in der Kölner Südstadt sie arbeitet. Seufert ist eine von über 30.000 Angestellten des Drogerie-Riesen, die jetzt vor einer ungewissen Zukunft stehen, weil ihr Arbeitgeber kein Geld mehr hat.

"Man hat ja fast mit so etwas gerechnet", sagt die Verkäuferin. Sie wurde erst vor Kurzem hierhin versetzt. Die Filiale, in der sie vorher jahrelang arbeitete, fiel bereits einer der letzten Schließungsrunden zum Opfer.

Der Absturz des bisherigen Marktführers Schlecker verlief rasant. Am Ende ist dem Unternehmen, dessen Gründer und Inhaber Anton Schlecker Platz 26 auf der Liste der reichsten Deutschen belegt, einfach das Geld ausgegangen. Eine "geplante Zwischenfinanzierung" konnte nicht "realisiert" werden, erklärte das Unternehmen anlässlich des Insolvenzantrags. Im Klartext heißt das wohl: Man hat in den letzten Wochen fieberhaft, aber erfolglos nach einem Geldgeber gesucht, der die Umstrukturierungskosten und Verluste von Schlecker hätte ausgleichen können. 

Timo Renz glaubt, dass das Management schon viel früher mit der Suche hätte beginnen sollen. Der Unternehmensberater hat Schlecker im vergangenen Jahr geholfen, sich neu auszurichten. "Das Thema Finanzierung ist vom Unternehmen, trotz tausendfacher Hinweise, nie so angegangen worden, wie es nötig gewesen wäre", erinnert er sich. "Das war ein echtes Tabu." Noch im Oktober 2011 unternahm Renz einen letzten Anlauf, um sich im Auftrag von Schlecker nach externen Geldgebern umzusehen: "Aber die haben das Thema einfach von der Agenda gestrichen, wir durften uns nicht darum kümmern, weil die Familie das alles selbst machen wollte", erinnert er sich.

Dass sich jetzt, da das Unternehmen den Offenbarungseid leisten musste, einen Geldgeber findet, halten Experten für wenig aussichtsreich: "Die langfristige Ertragsperspektive ist zu unsicher, höchstens Private-Equity-Unternehmen könnten sich darauf noch einlassen", sagt Branchenkenner Thomas Roeb von der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg.

dm und Rossmann überholten Schlecker

Die zaghafte Investorensuche ist aber nur der letzte Fehler in einer Reihe von Versäumnissen . Zu lange habe sich Firmenpatriarch Anton Schlecker an ein Konzept gehalten, das längst nicht mehr funktionierte, sagt Roeb. Schlecker hatte sein Unternehmen einst mit einer Nahversorger-Strategie und bundesweit über 10.000 Filialen zum Marktführer gemacht. Günstigste Preise und ein standardisiertes Angebot, gepaart mit einem eher ramschigen Ambiente, spülten Millionen in die Kasse.

Das ging aber nur solange gut, bis die Konkurrenten dm und Rossmann erkannten, dass die Zukunft der Drogerie-Discounter in größeren und kundenfreundlicheren Märkten liegt: Während Schlecker auf den hohen Ladenmieten saß und sich an das alte Konzept klammerte , zogen Rossmann und dm am einstigen Platzhirsch vorbei. "Wenn man ausrechnet, was die Drogerien pro Quadratmeter einnehmen, ist dm mehr als dreimal so gut wie Schlecker", sagt Jörg Funder, Management-Professor an der FH Worms. Dass die Kette vor zwei Jahren wegen ihres Umgangs mit den Mitarbeitern in heftige Kritik geriet, verschärfte die Situation: Laut einer Analyse der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) hat das Unternehmen damals kurzfristig 16 Prozent seiner Erlöse eingebüßt.