Ein Zeichen warnt vor radioaktiver Strahlung an einem Castor-Behälter. © Barbara Sax/AFP/Getty Images

Am 6. August 2011 begann an den Vattenfall-Standorten Krümmel und Brunsbüttel ein neues Zeitalter. An diesem Tag trat das Atomgesetz in Kraft. Der Atomausstieg in Deutschland bis zum Jahr 2022 war besiegelt. Seitdem geht es in den beiden AKW nicht mehr darum, Strom zu erzeugen – es geht um Stilllegung. "Das ist eine große Umstellung für die Mitarbeiter, man muss komplett umdenken, andere Kompetenzen sind gefragt", sagt eine Vattenfall-Sprecherin.

Noch immer weiß Vattenfall nicht, was mit den beiden Kraftwerken geschehen soll. Der Pannen-Meiler Krümmel hätte noch einige Jahre laufen und dabei Millionen abwerfen können. Vattenfall klagt zurzeit gegen die Bundesrepublik Deutschland vor einem internationalen Schiedsgericht in Washington auf Schadensersatz. So lange stehen die Planungen für das Kraftwerk still.

Anders ist die Situation in Brunsbüttel. Das AKW ist seit mehr als drei Jahren nicht am Netz. "In Brunsbüttel planen wir aktiv den Rückbau", sagt die Sprecherin. Wie genau der allerdings aussehen wird, ist offen. Wird das AKW erst einmal nur eingemottet? Oder gleich komplett abgebaut? Bis Ende des Jahres will der Konzern eine Entscheidung treffen. Rund 1,9 Milliarden Euro an Rückstellungen hat er zur Seite gelegt.

Das Wort Grundlast bekommt eine neue Bedeutung

Den anderen drei AKW-Konzernen in Deutschland geht es nicht anders. Wie sie ihre Kernkraftwerke stilllegen werden, hat bislang kaum ein Unternehmen konkret entschieden. Das Wort Grundlast bekommt so eine ganz neue Bedeutung: Die acht abgeschalteten Meiler werden zu milliardenschweren Großbaustellen für die Versorger.

Der RWE-Meiler Biblis mit seinen Blöcken A und B befindet sich zurzeit in der "Nicht-Leistungsbetriebsphase". Bis Mitte des Jahres will RWE über sein Schicksal entscheiden. Ähnlich ist die Situation bei den E.on Kraftwerken Isar 1 und Unterweser und bei den zwei EnBW-Meilern Philippsburg und Neckarwestheim.

Nach dem Gesetz haben die Unternehmen zwei Optionen. Sie können den  sogenannten sicheren Einschluss wählen und die Anlage für Jahre, wenn nicht Jahrzehnte, sicher einpacken. Oder sie beginnen gleich mit dem kompletten Rückbau, an dem am Ende im besten Fall die grüne Wiese steht. Mindestens zehn Jahre dauert diese Variante, schätzen Fachleute.

Große Erfahrungen haben die Stromkonzerne bislang kaum mit dem Abbau ihrer Meiler. 16 Kernkraftwerke befinden sich laut Bundesamt für Strahlenschutz  zurzeit im Rückbau. Doch das sind vor allem Forschungsmeiler und kleinere Anlagen. Hier auf Erfahrungen zurückzugreifen, fällt schwer: zu unterschiedlich sind die Anlagentypen, die Leistungen und das Alter der Meiler.