Es könnte vermutlich schneller gehen. Im Westen Schleswig-Holsteins will der Stromnetzbetreiber Tennet eine neue Trasse bauen. Ein einziges Genehmigungsverfahren würde ausreichen, um das OK der Behörden für das Vorhaben zu erhalten. Doch Tennet besteht auf zwei getrennten Verfahren. Das gebe dem Unternehmen "die Möglichkeit, mehrere Trassenvarianten ausführlicher und transparenter zu diskutieren", sagt ein Sprecher. "Es bietet zudem mehr Rechtssicherheit."

Wie groß die dadurch verursachten Verzögerungen sind, ist unklar. Bei einem Treffen der Landesregierung mit den Stromnetzbetreibern am kommenden Montag in Kiel will Tennet seine Pläne für den Trassenbau präsentieren.

Der Fall zeigt, wie schwer sich alle Beteiligten tun, die Genehmigungsverfahren für neue Stromleitungen zu verschlanken und zu beschleunigen. Das ist wichtig, damit die Energiewende gelingen kann. Die neuen Netze müssen gebaut werden, damit künftig Windstrom ohne Probleme von der Küste in den Süden transportiert werden kann – je schneller die Leitungen zur Verfügung stehen, desto besser.

Im vergangenen Sommer hatten die Landesregierung Schleswig-Holsteins und die Stromnetzbetreiber in einer deutschlandweit einmaligen Vereinbarung beschlossen, den Netzausbau radikal zu beschleunigen (siehe Kasten). Doch jetzt stehen nicht die oft gescholtene Politik und Verwaltung einem schnelleren Verfahren im Weg – mit Tennet pocht ein Unternehmen auf sorgfältige Prüfung und Rechtssicherheit.

Seitdem die Vereinbarung im vergangenen Sommer getroffen wurde, könnte Tennet auf ein Raumordnungsverfahren verzichten und sein Projekt nur durch ein Planfeststellungsverfahren genehmigen lassen. In einem Raumordnungsverfahren prüft die Verwaltung den groben Verlauf der Trasse, etwa durch Wohngebiete oder Naturschutzgebiete. Ein Planfeststellungsverfahren ist deutlich konkreter.

Die Trasse, um die es geht, ist eine der wichtigsten Höchstspannungsleitungen in Schleswig-Holstein : die sogenannte Westtrasse zwischen Brunsbüttel bei Hamburg und Niebüll auf Höhe von  Sylt . Sie wird dringend für den geplanten radikalen Ausbau der Windenergie gebraucht. Ohne die 380-KV-Leitung kann der Strom aus Norddeutschland nicht zu den Verbrauchern im Süden gebraucht werden.

Ein zweites Verfahren für den Umweltschutz

Während der Verlauf der Leitung im südlichen Teil weitgehend klar ist, gibt es im nördlichen Teil verschiedene Varianten für den Verlauf. Gerade in der Nähe von Tönning wird es kompliziert: Die Leitung muss unter anderem ein Vogelschutzgebiet durchqueren und den Fluss Eider kreuzen, der eine Vogelroute zwischen Nord- und Ostsee ist. Hier muss sorgfältig geplant werden, schließlich will keiner mit toten Vögeln an Strommasten Umweltschützer auf die Palme bringen. "Die Eiderquerung ist ein sensibles Gebiet", so der Tennet-Sprecher, "hier lassen sich mit einem Raumordnungsverfahren besser verschiedene Trassenverläufe prüfen".

Welche Folgen die Entscheidung Tennets auf den Zeitplan hat, kann bislang kaum jemand abschätzen. Natürlich kann es zu Verzögerungen kommen, weil es dauert, bis alle nötigen Unterlagen für ein Raumordnungsverfahren zusammengestellt sind. Die Genehmigung der Behörden dauert in der Regel nur Monate. Aufwändig ist aber das Zusammenstellen der nötigen Unterlagen, teilweise kann dies mehrere Jahre dauern, wenn etwa Vogelzüge dokumentiert werden müssen.