VerteilungsdebatteGewerkschaftschefs verteidigen Millionengehälter von Dax-Managern

Die Topmanager erhalten ungewöhnliche Unterstützung. Die Chefs von IG-Metall, DGB und ver.di kritisieren zu hohe Gehälter – aber nicht die der Dax-Konzernchefs. von afp, dpa und reuters

Die Topmanager der Dax-Unternehmen werden von führenden Gewerkschaftschefs in der Debatte um Millionengehälter unterstützt. Der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes ( DGB ), Michael Sommer , sagte dem SWR-Politikmagazin Report Mainz zum Gehalt von Deutsche-Telekom-Chef René Obermann: "Jeder Fernmelde-Techniker im Konzern weiß, was Obermann verdiene, der gönnt es ihm auch." Obermanns Gehalt liege ohnehin "am unteren Ende der deutschen Industrie".

Gleichzeitig kritisierte Sommer hohe Managergehälter bei Unternehmen generell: "Mittlerweile ist das so aus dem Ruder gelaufen, dass die Menschen das nicht mehr verstehen, übrigens auch nicht mehr akzeptieren." Sommer hat als Aufsichtsrat-Mitglied das Gehalt Obermanns mit beschlossen. Obermann erhielt 2011 laut Telekom-Geschäftsbericht eine Gesamtvergütung von 3,27 Millionen Euro.

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IG-Metall-Chef Bernd Huber sagte dem Report Mainz , der Vertrag für die Vergütung von VW-Chef Martin Winterkorn sei "im System" in Ordnung. Allerdings sei er persönlich der Meinung, dass Winterkorns Gehalt zu hoch ist. Er wolle dafür eintreten, dass dessen Vergütung gekürzt wird. Huber sitzt im Aufsichtsrat von VW , der über Winterkorns Entlohnung entscheidet. 2011 erhielt Winterkorn 17,4 Millionen Euro. Winterkorns Gehalt, das in der vergangenen Woche bekannt wurde , hatte eine Debatte um Spitzengehälter in der deutschen Wirtschaft ausgelöst .

Für Managementleistungen gibt es gute Gehälter

Ver.di-Chef Frank Bsirske verteidigte  die Vergütung für den Vorstandsvorsitzenden des Energiekonzerns E.on , Jürgen Großmann . Die Neuaufstellung des Konzerns in der Energiewende sei eine "Aufgabe, die Managementleistung erfordert", sagte Bsirske. Dafür müssten auch gute Gehälter gezahlt werden. Insgesamt kritisierte er zu hohe Vorstandsvergütungen. Es stehe in keinem Verhältnis, "dass Manager das 200-fache des Durchschnittsverdieners bekommen", sagte Bsirske. RWE-Chef Großmann erhielt für 2011 insgesamt 8,4 Millionen Euro.

Michael Vassiliadis von der Gewerkschaft IG BCE sagte zur Vorstandsvergütung bei Henkel und BASF , die Gesamtvergütung der Topmanager mit etwa fünf Millionen Euro sei angemessen. Auch Vassiliadis äußerte sich kritisch über grenzenlose Managergehälter. Er finde, dass sich "in den letzten Jahren eine Entwicklung deutlich gemacht hat, die nicht richtig ist".

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Leserkommentare
  1. ist das doch nicht anders zu erwarten.
    Es reicht doch wenn beim Kleinen Mann gespart wird.

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    Der DGB, der schon seit Jahrzehnten die Interessen der deutschen Arbeitnehmer verraten hat, macht hier gerade weiter. U.a. schon Ende September 2011 veranstalteten die Gewerkschaftsbosse eine grosse Werbekampagne, daß die Bundesregierung für die Rettungsschirme stimmen solle... - Damit vertreten sie aber nicht die Interessen des kleinen Mannes sondern der Machtelite.
    Statt gegen die Bankenmafia zu kämpfen, sorgt der DGB mit seiner Forderung nach einer Ausweitung des Rettungsschirm dafür, dass deutsche Arbeitnehmer zum Schuldsklaven der Banken werden... Man muss sich wirklich in Grund und Boden schämen das so eine jämmerliche, vergammelte Vereinigung die Interessen der deutschen Arbeitnehmer vertritt.

  2. Diese Gewerkschafter sind 'embedded'. Eingebettet bzw. gekauft. Die Mitbestimmung hat halt auch unapettitliche Aspekte.

    • deDude
    • 27. März 2012 20:49 Uhr

    aber das 200fache Gehalt eines einfachen Angestellten? Also bitte...

    Herr Bsirske, wo lassen Sie denken und vor allem rechnen?
    Das die Gewerkschaften mit schwindenden Mitgliederzahlen zu tun haben wundert mich bei solchen "Gewerkschaftsführern" kein Stück.

    Eine Leserempfehlung
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    • _bla_
    • 27. März 2012 21:01 Uhr

    Bei 200fach verdient ihr einfacher Angestellter aber auch schon sehr gut, das ist dann schon außerhalb des Tarifs...

    • dedie
    • 27. März 2012 21:42 Uhr

    Machen sie sich mal schlau was der Herr Bsirske so im laufe eines Jahres ausgezahlt bekommt(verdienen tut er er es nicht).
    Wer selbst fast das 300 fache der Personen verdient für die er eigentlich einstehen sollte, ist gezwungen andere die das selbe machen zu verteigen

    • emew
    • 27. März 2012 20:57 Uhr

    ...sollte man auch die Aufsichtsrat-Tantiemen, welche die Gewerkschaftsbosse erhalten. Dann waere transparenter, was sie den hohen Managergehaeltern so gewogen macht...

    Aber auch die Bezuege eines Guenter Jauch, eines Sebastian Schweinsteiger, eines Thomas Gottschalk, usw. sollten mal mit denen eines Bundeskanzlers verglichen werden.

    Von den Einkommen der grossen Konzern-"Eigentuemer" ganz zu schweigen. Im Vergleich zum Jahreseinkommen eines Aldi-Besitzers oder der BMW-Grossaktionaere ist auch Martin Winterkorn nur ein Waisenknabe. Was genau ist die ueberwaeltigende persoenliche Leistung dieser "Eigentuemer", die ein solches Einkommen rechtfertigen koennte?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    "Offenlegen
    ...sollte man auch die Aufsichtsrat-Tantiemen, welche die Gewerkschaftsbosse erhalten. Dann waere transparenter, was sie den hohen Managergehaeltern so gewogen macht..." - Die Vergütungen der Aufsichtsräte sind genau so den Geschäftsberichten zu entnehmen, wie die der Vorstände, also kein Geheimnis. Nur haben Gewerkschafter nichts davon, da sie ihre an die Gewerkschafts nahe Hans-Böckler-Stiftung abführen müssen.

    In die Zwickmühle kommen die Gewerkschaftler in dieser Diskussion allerdings, da sie in der paritätischen Mitbestimmung den kritisierten hohen Vorstandsbezügen oft mit zugestimmt haben.

  3. Entfernt. Verzichten Sie auf polemische Äußerungen. Die Redaktion/mak

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    Nochmals möchte ich, meine von der Redaktion zügig gelöschte Frage in den Raum werfen dürfen, ohne dabei polemisch zu sein:

    Wieso sollten 200 Kindergärtnerinnen genau so viel verdienen, wie z.B. ein Investmentbanker?

    Bezüglich des Wertevergleichs äußere ich mich nicht mehr, da dies wegen erneuter Polemikgefahr gelöscht werden könnte.

    Gruß Max Stockhaus

    • _bla_
    • 27. März 2012 21:01 Uhr
    6. @3 :

    Bei 200fach verdient ihr einfacher Angestellter aber auch schon sehr gut, das ist dann schon außerhalb des Tarifs...

  4. In den Aussagen kann ich nicht viel von Zustimmung erkennen. Grundsätzlich werden die Gehälter abgelehnt. Selbstverständlich sind die Gewerksachftsbosse für hohe Bezahlung, denn daran orientiert sich auch ihr Einkommen.

    Wie immer wird das eigentliche Problem nicht erwähnt. Nämlich die Unverhältnismäßigkeit.

  5. Mal ein Vorschlag aus der Praxis: Das Gehalt der übermenschlich leistenden Verantwortlichen ist mit den Aufwendungen zu verrechnen, die der sie umgebende Schwarm von Assistenten, Referenten und nicht zuletzt Beratern (McKinsey & Co) erzeugt. Wer einmal miterlebt hat, wer "da oben" und für die "da oben" die Kärrnerarbeit verrichtet, weiß, warum diese Forderung keineswegs unbegründet ist...

    Ein Wort noch zu Huber: ich habe mal ein Symposium verfolgt, bei dem dieser Mann das (langatmige) Wort ergriff. Sowas von selbstverliebt und basisfern (abgehoben) habe ich selten erlebt. Bei Kundgebungen spricht er selbstverständlich anders...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP, Reuters
  • Schlagworte Martin Winterkorn | Frank Bsirske | Michael Sommer | BASF | Bernd Huber | DGB
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