Schon die Dauer der Sitzung des Stuttgarter Landtagsausschusses ließ nichts Gutes erahnen. Nach mehr als dreistündiger Verhandlung musste der baden-württembergische Finanzminister Nils Schmid ( SPD ) am Nachmittag seinen Versuch für vorläufig gescheitert erklären, alle Bundesländer zu einer Kreditbürgschaft über die Summe von 70 Millionen Euro zu bewegen. Mit dem Darlehen der Kfw-Bank sollten Transfergesellschaften gegründet werden. Rund 11.000 Schlecker-Mitarbeiterinnen hätten in diese wechseln können. Das hätte den überwiegend weiblichen Beschäftigten eine bezahlte Übergangsfrist von einem halben Jahr verschafft, in dem sie sich hätten weiterqualifizieren und für neue Stellen bewerben können.

Dazu wird es nun zunächst nicht kommen. Die Zuversicht, die Schmid noch am Dienstag versprühte, bekam erste Risse, als am selben Abend das FDP-geführte Wirtschaftsministerium in Niedersachsen Zweifel an den Zahlenerhebungen des Insolvenzverwalters Arndt Geiwitz und am Rettungsplan für das Drogerieunternehmen äußerte. Das Land lehnte daraufhin eine Beteiligung an den Hilfen ab. In Niedersachsen gab es zuletzt 225 Schleckermärkte. Lediglich in Nordrhein-Westfalen (489 Märkte), Bayern (323) und Baden-Württemberg (271) arbeiteten mehr Verkäuferinnen.

Auch das Land Sachsen hatte frühzeitig angedeutet, sich dem Rettungsplan nicht anschließen zu wollen. So kam es zu einer Kettenreaktion der Wirtschaftsministerien, die auch durch eine Aufmunterung des bayerischen Regierungschefs Horst Seehofer ( CSU ) am Nachmittag nicht mehr gestoppt werden konnte. "Bayern will, dass es zu einer Lösung kommt – und wir arbeiten auch darauf hin", hatte Seehofer während der Gespräche in Stuttgart gesagt.

Den 11.000 Schlecker-Mitarbeitern droht nun unmittelbar die Arbeitslosigkeit. Noch am Mittwoch hatte der Insolvenzverwalter beim Amtsgericht Ulm das Insolvenzverfahren für die Drogeriekette Schlecker und deren Tochterunternehmen "Ihr Platz" eröffnet. In der Kleinstadt Ehingen, unweit von Ulm, hat Schlecker seinen Sitz. Wie aus Kreisen des Stuttgarter Landtags- und Wirtschaftsausschusses verlautete, werde nunmehr an einer kleinen Lösung gearbeitet. Demnach versucht Baden-Württemberg, gemeinsam mit den Bundesländern Bayern und Nordrhein-Westfalen die Bürgschaft in einem Dreierbund zu stemmen. Der Südwesten könnte für die Gesamtsumme von rund 70 Millionen Euro in Vorleistung gehen. Bayern und Nordrhein-Westfalen würden später für Rückbürgschaften von jeweils mehr als 20 Millionen Euro eintreten.

Bayern schert wohl auch aus

Mehr als ein Vorhaben ist zur Stunde auch dies nicht. Dem Vernehmen nach gibt es noch keine feste Vereinbarung unter den drei verbliebenen Ländern. Heute Abend soll in Stuttgart weiterverhandelt werden. Noch während der Sitzungspause schwand jedoch auch die Hoffnung auf die ganz kleine Lösung. Bayern erklärte, sich an einem Dreierbund nicht beteiligen zu können . "Für die bayerische Staatsregierung ist eine Drei-Länder-Lösung, wie von Baden-Württemberg vorgeschlagen, nicht darstellbar. Das würde zu einer Verdoppelung des bayerischen Anteils führen", sagte ein Sprecher von Finanzminister Markus Söder (CSU).

Für den SPD-Minister und stellvertretenden baden-württembergischen Regierungschef Nils Schmid wäre die Rettung seines Bürgschaftsplanes nicht nur wegen der betroffenen Frauen wichtig. Schmid wird seit längerer Zeit parteiintern dafür kritisiert, sich gegenüber dem grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann nicht genug zu profilieren. Das Eingreifen in der Causa Schlecker soll auch Schmids Profil als Wirtschaftsfachmann stärken.

Mit Unverständnis reagierte die Gewerkschaft ver.di auf das drohende Scheitern der Bemühungen. "Wir reagieren vorerst nicht auf Gerüchte", sagte Christiane Scheller, die im Bundesvorstand der Gewerkschaft in Berlin sitzt. "Wir halten aber an unserer Forderung fest, dass es eine Transferlösung für alle Schlecker-Beschäftigten geben muss." Wenn eine kleine Lösung bedeuten würde, dass nur die Verkäuferinnen innerhalb der Grenzen der teilnehmenden Bundesländer profitierten, dann sei das abzulehnen.