Die geplante breite Beteiligung an der Auffanggesellschaft für bis zu 10.000 von der Arbeitslosigkeit bedrohte Schlecker-Mitarbeiter ist am Widerstand einzelner Bundesländer gescheitert. Bayern verweigerte einem zwischenzeitlich geschlossenen Dreier-Bündnis mit Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen seine Unterstützung.

Das Länder-Trio wolle allein für den notwendigen Kredit bürgen, hatte es in Kreisen des Landtagsfinanz- und Wirtschaftsausschusses in Stuttgart geheißen. Ursprünglich sollten sich alle von der Schlecker-Pleite betroffenen Bundesländer an der Kreditgarantie beteiligen.

"Für die bayerische Staatsregierung ist eine Drei-Länder-Lösung wie von Baden-Württemberg vorgeschlagen nicht darstellbar", sagte nun ein Sprecher von Finanzminister Markus Söder ( CSU ). Denn das würde den bayerischen Anteil verdoppeln.

Bisher war eine Bürgschaft über einen Kredit von 71 Millionen Euro im Gespräch. Der jeweilige Länderanteil des Bürgschaftsvolumens soll sich nach der Zahl der zu rettenden Arbeitsplätze richten.

Eine Lösung unter Beteiligung aller betroffenen Länder war unter anderem am Widerstand Niedersachsens und Sachsens gescheitert. Das hatte sich am Mittag abgezeichnet. "Die Lage ist ernst. Es steht auf der Kippe", hatte Baden-Württembergs Wirtschafts- und Finanzminister Nils Schmid ( SPD ) vor der entscheidenden Sitzung gesagt. Baden-Württemberg – das Bundesland, in dem die einst größte deutsche Drogeriekette ihren Sitz hatte – ist bei der Bürgschaft federführend.

Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz wehrte sich gegen den Vorwurf, von ihm gelieferten Daten zur Zukunftsfähigkeit der Drogeriekette seien unzuverlässig. Damit hatte Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode ( FDP ) seine Ablehnung begründet. Es gehe nur um "Interpretationsspielräume" und unterschiedliche Einschätzungen, sagte Geiwitz.

Umsatzprognosen zu optimistisch?

Bode zweifelt daran, dass Schlecker überhaupt eine Zukunft hat. Die Wirtschaftsprüfungsfirma PwC war in einem Gutachten zu dem Schluss gekommen, dass die Bürgschaft "noch vertretbar" sei. Geiwitz will den Kredit später mit Erlösen aus dem Verkauf der Auslands-Töchter von Schlecker tilgen. Bode hält die Umsatzprognosen des Insolvenzverwalters aber für zu optimistisch. Deshalb blieben "im Ergebnis sogar Zweifel, ob der Insolvenzverwalter überhaupt während der Dauer der geplanten Transfergesellschaft den Geschäftsbetrieb aufrecht erhalten kann", schrieb er an seinen baden-württembergischen Amtskollegen Schmid. Damit drohten auch die Auslandsgesellschaften an Wert zu verlieren.

Die Verhandlung war nicht einfach gewesen: Bayerns Finanzminister Söder hatte früh gesagt, sein Land müsse die Zusagen neu bewerten, wenn Niedersachsen aus der Allianz ausschere . Der Beschluss seiner Landesregierung sei daran gekoppelt gewesen, dass alle mitmachten.

Tausende Klagen drohen

In den Transfergesellschaften sollen bis zu 10.000 Schlecker-Beschäftigte für bis zu sechs Monate unterkommen. Gelingt das nicht, drohen Tausende Kündigungsschutzklagen, die die Verhandlungen des Insolvenzverwalters mit möglichen Käufern für Schlecker massiv belasten könnten.