InsolvenzSchlecker schließt 2.010 Filialen

Der Insolvenzverwalter der Drogeriemarktkette Schlecker hat eine Liste der zu schließenden Filialen veröffentlicht. Die Zahl der Entlassungen steht noch nicht fest. von afp und dpa

Die Konzernzentrale von Schlecker in Ehingen nahe Ulm

Die Konzernzentrale von Schlecker in Ehingen nahe Ulm  |  © Daniel Roland/AFP/Getty Images

Die insolvente Drogeriemarkt-Kette Schlecker schließt rund 2.010 Filialen. Das geht aus einer Streichliste hervor, die Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz veröffentlichte. Damit sind weniger Läden als zunächst angekündigt betroffen: Bislang hatte es geheißen, bis zu 2.400 der derzeit noch vorhandenen rund 5.400 Filialen müssten schließen.

Betroffen sind neben zahlreichen Standorten in ländlichen Regionen vor allem Läden in den Ballungsräumen Berlin , Hamburg , Köln , München , Stuttgart sowie im Ruhrgebiet. Welche Filialen konkret geschlossen werden, hat der Insolvenzverwalter auf der Internetseite www.schlecker-blog.com eingestellt. Die betroffenen Filialen wurden per Fax über ihre Schließung informiert. Geiwitz spricht mit den Arbeitnehmervertretern noch über die Prüfung von etwa 400 weiteren Läden.

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Das Unternehmen sagte zugleich, dass eine Filialschließung nicht die Kündigung der dort beschäftigten Mitarbeiterinnen zur Folge haben müsse. Darüber entscheide in jedem Einzelfall der Sozialplan, der ebenfalls noch verhandelt werde. Wie viele der bislang 25.000 Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren werden, steht einem Sprecher des Insolvenzverwalters zufolge noch nicht fest. Während Geiwitz Verhandlungen mit dem Betriebsrat fortsetzte, sollen die betroffenen Märkte bald mit dem Räumungsverkauf beginnen.

Bund lehnt KfW-Kredit für Schlecker ab

Im Streit um einen Überbrückungskredit der Förderbank KfW zur Gründung einer Transfergesellschaft gab es keine Einigung. In einem Schreiben an die baden-württembergische Landesregierung hatte der Bund einen KfW-Kredit zuletzt erneut abgelehnt. Der Stuttgarter Wirtschaftsminister Nils Schmid ( SPD ) zeigte sich darüber empört. Es gehe eben nicht um einen Programmkredit der Staatsbank KfW, sondern um einen Brückenkredit. "Die Bundesregierung hat die Möglichkeit, schnell Abhilfe zu schaffen. Aber sie lässt die Frauen einfach im Regen stehen", sagte Schmid. Er werde nun versuchen, wieder bei Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler ( FDP ) vorzusprechen.

Das FDP-geführte Bundeswirtschaftsministerium lege gezielt "eine falsche Fährte", wenn es behaupte, Schlecker sei nicht antragsberechtigt für Programmkredite der KfW, so Schmid. Der Brückenkredit für die Auffanggesellschaft könne nach Satzung der KfW per Zuweisungsbeschluss von der Bundesregierung angewiesen werden. "Das ist ein politischer Willensakt, den ich einfordere." Schmid verwies auch auf die Sicherheiten einer Auslandstochter in Höhe von 200 Millionen Euro, die Schlecker hinterlegen könne.
 

Das Verfahren der Planinsolvenz

Die sogenannte Planinsolvenz ist ein Sonderfall des Insolvenzverfahrens. Ihr Ziel ist der Insolvenzordnung (InsO) zufolge der Erhalt des Unternehmens, im Gegensatz zu den sonst üblichen Insolvenzverfahren: Dabei werden Unternehmen oft zerschlagen oder einfach nur noch abgewickelt, und die Gläubiger erhalten das restliche Vermögen.

Ein weiterer Unterschied bei der Planinsolvenz ist, dass die alte Geschäftsführung im Amt bleibt und der Insolvenzverwalter nur beratend tätig wird. Zusammen mit der Unternehmensführung arbeitet er den Insolvenzplan aus, über den dann die Gläubiger entscheiden.

Wenn es eine Perspektive für den Fortbestand des Unternehmens gibt, soll es durch diesen Plan ermöglicht werden, im Insolvenzverfahren ganz oder teilweise von der Insolvenzordnung abzuweichen. Zumindest überlebensfähige Unternehmensteile sollen diesem Plan zufolge dann erhalten bleiben, statt das Unternehmen zu zerschlagen.
 

Wirtschaftsstaatssekretär Bernhard Heitzer hatte erneut auf sein Schreiben an Schmid verwiesen. Darin schreibt er, dass es "im Umgang mit Finanzierungsanfragen von Unternehmen klare Absprachen" gebe und eine "in der Vergangenheit regelmäßig geübte Praxis zwischen Bund und Ländern". Danach sei das Bundesland, in dem ein Unternehmen seinen Sitz hat, Ansprechpartner und Koordinator. Im Fall Schlecker ist dies Baden-Württemberg. "Hilfe durch den Bund kommt hingegen nur dann in Betracht, wenn die Bundesländer finanziell überfordert sind."

Leserkommentare
  1. 1. Link?

    Gibt es einen Link zu der Liste?

    • a.bit
    • 14. März 2012 13:09 Uhr

    The connection to www.schlecker-blog.com was interrupted.

    Doch nicht so tolle Informationspolitik oder zu großes Intersse?

    Gibt es auch eine Liste der bereits zuvor geschlossenen Filialen? Drei der vier von meinem zuhause aus in unter 15 Minuten Fußmarsch zu erreichenden Filialen sind immerhin schon im Laufe des letzten Jahres verschwunden (die vierte steht auf der Liste).

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    die zweite Option, nämlich großes Interesse. Ich konnte die Seite aufrufen, allerdings mit sehr langer Ladezeit.

  2. wenn sie Menschenrechte mit Füssen treten. Der Fall "Schlecker" ist dafür ein Exempel. Die Redakteuren/innen von http://auf-oder-abtreten.ch könnten angefragt werden, ob sie nicht auch über den Fall "Schlecker" berichten möchten.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    dass die Schlecker-Mitarbeiter und die -Betriebsräte weniger Probleme mit der Idee einer Weiterführung zu haben scheinen als die Schlecker-Gegner, die sich scheinbar am Ziel ihrer Boykott-Träume sehen.

    Schön auch, wenn ich lese, wie sehr den Gegnern das Schicksal so vieler Menschen oft Familien gleichgültig ist, denn dazu ist zumindest bei ZO überaus wenig zu lesen.

    Wirkt alles etwas schräg.

    Es gab Zeiten, da zahlten sich "Unternehmenspatriarchen" ihren Lohn erst dann aus, wenn auch der letzte Mitarbeiter / die letzte Mitarbeiterin zu seiner / ihrer vollsten Zufriedenheit angemessen entlöhnt worden war. Die Zeiten ändern sich, leider auch in der EU. Die von weiteren "Patriarchen" der heutigen Garde diktierten Finanzschirme (http://gkb-online.ch) werden vielleicht ein ähnliches Schicksal erleiden wie Schlecker.

    • aiVen
    • 14. März 2012 14:31 Uhr

    Wann meinen Sie geht es den Schlecker-Mitarbeitern besser:

    a) In einem festen Arbeitsverhältnis bei Schlecker zu branchenüblichen Konditionen.

    oder

    b) ohne Job.

    Schlecker bot bessere und sicherere Arbeitsbedingungen als einige seiner Mitbewerber.

    Schlecker-Gegner, die von sich behaupten für die Rechte genau dieser Arbeitnehmer einzustehen, haben ihren Teil dazu beigetragen, dass bald 16.500 Menschen mehr arbeitslos sind.

  3. dass die Schlecker-Mitarbeiter und die -Betriebsräte weniger Probleme mit der Idee einer Weiterführung zu haben scheinen als die Schlecker-Gegner, die sich scheinbar am Ziel ihrer Boykott-Träume sehen.

    Schön auch, wenn ich lese, wie sehr den Gegnern das Schicksal so vieler Menschen oft Familien gleichgültig ist, denn dazu ist zumindest bei ZO überaus wenig zu lesen.

    Wirkt alles etwas schräg.

  4. Es gab Zeiten, da zahlten sich "Unternehmenspatriarchen" ihren Lohn erst dann aus, wenn auch der letzte Mitarbeiter / die letzte Mitarbeiterin zu seiner / ihrer vollsten Zufriedenheit angemessen entlöhnt worden war. Die Zeiten ändern sich, leider auch in der EU. Die von weiteren "Patriarchen" der heutigen Garde diktierten Finanzschirme (http://gkb-online.ch) werden vielleicht ein ähnliches Schicksal erleiden wie Schlecker.

    • aiVen
    • 14. März 2012 14:31 Uhr

    Wann meinen Sie geht es den Schlecker-Mitarbeitern besser:

    a) In einem festen Arbeitsverhältnis bei Schlecker zu branchenüblichen Konditionen.

    oder

    b) ohne Job.

    Schlecker bot bessere und sicherere Arbeitsbedingungen als einige seiner Mitbewerber.

    Schlecker-Gegner, die von sich behaupten für die Rechte genau dieser Arbeitnehmer einzustehen, haben ihren Teil dazu beigetragen, dass bald 16.500 Menschen mehr arbeitslos sind.

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    Bei diesem wäre ein ehemaliger Schlecker-Mitarbeiter / eine ehemalige Schlecker-Mitarbeiterin besser aufgehoben.

    Leider sind diese Arbeitgeber in der EU Mangelware. http://auf-oder-abtreten.ch äussert sich z.B über den Metro Handelskonzern.

    Auch in der Schweiz verschlechtert sich die Situation, wohingegen hier noch einige Arbeitgeber mit hohen Moralvorstellungen zu finden sind. Z.B. http://www.revoxonline.ch...

    schuld? Sie hätten zu den extremen Ausbeutermethoden des Schleckerclans nur ja und amen sagen müssen?
    Sie verwechseln hier Ursache und Wirkung.

  5. die zweite Option, nämlich großes Interesse. Ich konnte die Seite aufrufen, allerdings mit sehr langer Ladezeit.

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