Nach InsolvenzSchleckers Retter soll bis Pfingsten gefunden werden

Etwa zwei Dutzend Investoren hätten bereits Interesse signalisiert, sagt der Insolvenzverwalter. Ver.di und der Schlecker-Betriebsrat beraten über einen Sozialplan.

Der Insolvenzverwalter von Schlecker will bis spätestens Ende Mai einen Investor für die zusammengebrochene Drogeriemarktkette präsentieren. "Läuft alles nach Plan, können wir bis Pfingsten mit dem Investorenprozess durch sein", sagte Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz der WirtschaftsWoche. Rund zwei Dutzend potenzielle Investoren hätten bereits Interesse signalisiert.

"Aus dem Kreis werden wir in den nächsten Tagen eine Vorauswahl treffen. Dann beginnen intensive Verhandlungen", sagte Geiwitz. "Am geeignetsten wäre sicherlich ein Investor, der Erfahrung im Handelsbereich hat und sich mit mittelständischen Führungsstrukturen auskennt." Ziel bleibe es, für Schlecker und die Schwestermarke IhrPlatz möglichst einen gemeinsamen Investor zu finden. Einem Sprecher des Insolvenzverwalters zufolge sind unter den Interessenten sowohl Finanz- als auch strategische Investoren.

Anzeige

Am Wochenende beraten Vertreter des Schlecker-Betriebsrats und der Gewerkschaft Verdi mit dem Insolvenzverwalter unter anderem über einen Sozialplan für die Schlecker-Beschäftigten, denen die Kündigung droht. Etwa 12.000 der insgesamt rund 33.000 Stellen sollen gestrichen werden. Bis Ende kommender Woche sollen mehr als 2.000 der rund 5.400 Filialen ihre Pforten schließen.

Transfergesellschaft für Beschäftigte

Der Insolvenzverwalter will die Mitarbeiter, die in der verkleinerten Kette und auch woanders auf die Schnelle keine Arbeit finden, vom 1. April an in einer Transfergesellschaft unterbringen. Die von der Arbeitslosigkeit bedrohten Schlecker-Beschäftigten bekämen dann ein Jahr lang Transfer-Kurzarbeitergeld. Zudem würden sie durch Qualifizierungen und andere Hilfen bei der Suche nach einem neuen Arbeitsplatz unterstützt. Besonders auf dem Land könnten Transfergesellschaften eine soziale Abfederung bieten, sagte Geiwitz der Stuttgarter Zeitung. Zudem böten sie einem möglichen Investor die Sicherheit, dass er sich am Ende nicht mit einer Welle von Kündigungsschutzklagen befassen müsse.

Dem Insolvenzverwalter zufolge wären zur Finanzierung einer solchen Auffanggesellschaft 71 Millionen Euro nötig. Einem möglichen Kredit der staatlichen Förderbank KfW hatte das Bundeswirtschaftsministerium eine Absage erteilt. Das Land Baden-Württemberg sondiert derzeit eine Finanzierungsbeteiligung von Geschäftsbanken. Ein Sprecher des Insolvenzverwalters sagte am Samstag, man hoffe, dass nun Bewegung in den Prozess komme.

Normalerweise gelinge es oft, die Investoren an den Kosten einer solchen Transfergesellschaft zu beteiligen, sagte Geiwitz der Zeitung. Bei Schlecker habe er jedoch ein völlig intransparentes Unternehmen vorgefunden. "Mögliche Investoren haben uns gesagt: 'Jetzt räumt erst mal den Laden auf, wir wissen ja gar nicht, was hier zu kaufen sein soll.'" Das habe vier Wochen gekostet. "Deshalb muss ich jetzt alleine über eine Transfergesellschaft entscheiden."

 
Leserkommentare
  1. Ich weiß jetzt schon, was passieren wird. Die Mitarbeiter werden entlassen, eine Briefkastenfirma kauft Schlecker. Diese wiederum wird die selben Mitarbeiter als Zeitarbeiter über ihre Briefkastenfirma einstellen und alle, ja alle werden kommen. Lieber 5 Euro verdienen als Hartz IV.

    Knecht, warum liebst Du den Knüppel so?

    C

    2 Leserempfehlungen
  2. im Radio fand ich, als ich hörte, dass das größte Hemmnis für die Weiterbeschäftigung der Schlecker-Frauen die hohen weil am Tarif orientierten Löhne seien und die Tatsache, dass diese Frauen oft familiär gebunden häufig alleinerziehend seien und deshalb nicht so flexibel, dass man sie gut in etwas neues integrieren könnte.

    Das sagt viel über Schlecker aus, wie ich finde und auch einiges über den Markt für den diese Frauen nicht geeignet scheinen.

    Aber das scheint niemanden weiter zu bewegen von den sonst auf den Plan tretenden, wenn es um Folgen des Kapitalismus geht. Hier hätte man zeigen können, wie man damit umgeht - aber es kommt schlichtweg nichts.

  3. Wo ich wohne, war ein Schlecker-Markt, der nun zum Ende März dicht macht. War er bisher aus verständlichen Gründen kaum besucht, kreisen jetzt wieder die Geier in diesem Laden, hingen doch üppige Rabattschilder an den Fenstern.

    Eine Leserempfehlung
  4. Oder doch schon bis Ogtern?
    Na, dann hoffen wir mal, dass sich noch ein Egel findet.

    (Dank an Emil für die Inspiration)

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service