SchleckerAb heute wird gekündigt

Die Schlecker-Transfergesellschaft ist vor allem an der FDP gescheitert. Ihre Blockade macht auch die Suche nach einem neuen Investor schwieriger. von 

Eine Schlecker-Mitarbeiterin in Berlin

Eine Schlecker-Mitarbeiterin in Berlin  |  © Carsten Koall/Getty Images

Noch heute gehen die Kündigungsschreiben in die Post. Rund 10.000 Beschäftigte von Schlecker, meist Frauen, werden sie in ihren Briefkästen finden. Bis zum Schluss hatte Insolvenzverwalter, Arndt Geiwitz, darauf gehofft, die Beschäftigten der insolventen Drogeriemarktkette in einer Transfergesellschaft unterbringen zu können. Diese Auffanggesellschaft aber wird es nicht geben . Sie ist an der Blockade einiger Wirtschaftsliberaler gescheitert.

Alle Bemühungen des baden-württembergischen Wirtschaftsministers Nils Schmid ( SPD ), eine Bürgschaft seiner Länderkollegen für einen 70-Millionen Kredit der staatlichen KfW-Bank zu organisieren, waren vergeblich. Der Insolvenzverwalter hatte um diese staatliche Unterstützung gebeten, um die Transfergesellschaft finanzieren zu können. Sie hätte die Beschäftigten auffangen sowie qualifizieren können und ihnen mehr Zeit für die Suche nach einer neuen Arbeit verschafft. Jetzt gehen die Schlecker-Frauen direkt in die Arbeitslosigkeit.

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Sanierung wird schwieriger

Auch für die verbleibenden Angestellten hat diese unterlassene Hilfe des Staates große Bedeutung. Beim Wechsel in eine Transfergesellschaft hätten die Betroffenen auf ihr Recht verzichtet, eine Kündigungsschutzklage einzureichen. Die dadurch gewonnene Rechtssicherheit wäre bei der Suche nach einem neuen Investor von großem Vorteil gewesen.

Arndt Geiwitz macht aus seiner Enttäuschung keinen Hehl: Er bedankte sich bereits bei Schmid sowie den 13 Bundesländern, die sich für die Schlecker-Mitarbeiterinnen in den vergangenen Tagen eingesetzt haben. "Das Scheitern der Finanzierung einer Transfergesellschaft bedauere ich sehr, vor allem weil diese für die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sozial geboten und für die Bürgen betriebswirtschaftlich absolut zu vertreten gewesen wäre", so Geiwitz.

Ablehnung kam vor allem aus den FDP-geführten Wirtschaftsministerien in Niedersachsen , Sachsen und Bayern . Die Freidemokraten hatten sich von Anfang an mit den typisch marktliberalen Argumenten gegen einen Kredit und gegen Bürgschaften ausgesprochen. Staatliche Hilfen entsprächen nicht der marktwirtschaftlichen Ordnung, so ihr Credo. Der Wettbewerb brächte es eben mit sich, dass Firmen scheiterten, hieß es lapidar in der Bundestagsfraktion der Freien Demokraten. 

Leserkommentare
  1. War auch nicht anders zu erwarten.

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    • sagan
    • 29. März 2012 18:20 Uhr

    Eine Auffanggesellschaft wäre nur eine zeitliche Verschiebung, erreicht durch rausgeworfenes Geld.
    Schlecker hat über Jahre sein Unternehmen ruiniert, weder er noch sein Insolvenzverwalter haben ein tragfähiges Konzept.
    Glauben Sie ernsthaft, dass ein Unternehmen mit einem derart katastrophalen Image sich erholt?

    Andere Drogeriemärkte werden Standorte übernehmen, bzw. ausbauen und dort gibt es neue Arbeitsplätze

    ist so richtig wie die Opelrettung falsch war. Ich hatte Angst vor Politikern, die auf die Wahlen schielen. Warum soll ein Staat sich einmischen, wenn ein Unternehmen falsch wirtschaftet und pleite geht!?!?

    • ludna
    • 29. März 2012 17:39 Uhr

    nicht der marktwirtschaftlichen Ordnung.

    Im Prinzip richtig. Wenn mein Zeitvertrag ausläuft, gibt es auch keine Transfergesellschaft, und kein Mitarbeiter von Schlecker hat Mitleid mit mir.

    Aber da gab es noch ein die paar Millärdchen für Banken, deren Chef sich Millionenboni auch in der grössten krise gönnen. Wo war da die FDP ?

    p.s. Ich weiss nicht, warum immer den Mitarbeitern grosser Firmen geholfen wird. Warum verlängert man nicht einfach ALG I auf 2-3 Jahre für ALLE.

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    • LJA
    • 29. März 2012 18:01 Uhr

    Die Bankenrettung wurde im Sommer 2009 beschlossen, von Schwarz/Rot. Wo war da die FDP ? In der Opposition, nicht in der Regierung.

    Bei den von "Verarmung" bedrohten, "notleidenden" Hoteliers setzte sich die FDP ganz massiv für die Halbierung des Mehrwertsteuersatzes ein. Nach einer ordentlichen Spende auf's Parteikonto.

    Man merke: die knallharten Methoden der Marktwirtschaft gelten stets für die Anderen.

    Die Angestellten von Schlecker hatten wohl nicht genug Geld zusammen, damit's für eine ordentliche Spende an die FDP reichte. Kein Geld - keine politische Unterstützung.

    • stulle
    • 29. März 2012 17:41 Uhr

    Aus reinem Wahlkampf haben die großen Parteien das Helfersyndrom wieder entdeckt und erfinden entgegen der Aussagen von Fachleuten der Arbeitsverwaltung ein Horrorzenario.
    Die Unternehmen suchen bei der Arbeitsverwaltung Fachkräfte und finden keine.
    Trauen die Politiker den eigenen Statistiken nicht mehr?
    Die Politik will offensichtlich die Mitarbeiter von Schlecker vor Firmen, die Personal suchen verstecken.
    Die Kunden wollen und werden jedenfalls weiter Drogerieartikel kaufen.
    Wenn die anderen Drogerien dann mehr Umsatz machen und dadurch mehr Arbeit haben, werde sicher auch Verkäuferinnen wieder eingestellt.
    In anderen Branchen gehen jeden Tag Arbeitsplätze verloren.
    Wer kümmert sich um diese Menschen?
    Hier sollen offensichtlich wieder in der Auffanggesellschaft durch Qualifizierungsgesellschaften der Gewerkschaften Geld verbrannt werden.

    Alles daher nur Populismus.

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    • Otto2
    • 29. März 2012 18:00 Uhr

    Etwas anderes sind Auffanggesellschaften nicht. Das Geld kommt auch von den Arbeitsagenturen. Die Vermittlung neuer Stellen ist im Endeffekt genauso erfolgreich oder nutzlos wie bei anderen Arbeitslosen auch.
    Zusammenfassung: Ein Spiel der Politiker mit den verzweifelten Hoffnungen von Arbeitnehmerinnen.

    die Entscheidung der sonst so opportunen FDP sollte man ebenfalls unter "Populismus" - entsprechend ihrer Stammwählerschaft, die es zurückzuholen gilt - einordnen

    • chrisi
    • 29. März 2012 17:42 Uhr

    Deshalb sind das gute nachrichten von der FDP:
    - Die CDU will nur 11.000 neue Arbeitslose in der Statistik vermeiden.
    - Was kann eine aus dem Boden gestampfte Auffanggesellschaft schon reißen? Da steht ja noch nicht mal ein Konzept oder wenigstens eine Idee dahinter!
    - Es ist ungerecht allen anderen Arbeitslos gewordenen gegenüber.
    - Es hat noch nie was gebracht: Philipp Holzmann, Opel, Griechenland... wann lernen unsere Scheckbuch-Politiker das endlich?
    - Wenn die Deutschen Schlecker retten wollten hätten die ihnen nach der Insolvenznachricht die Läden leer gekauft.

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    aus welchem grunde kostspielige auffanggesellschaften finanzieren für etwas, das das arbeitsamt leisten sollte.

  2. Wie dumm ist eigentlich die FPD! Ein geringes Opfer der Gemeinschaft für den Übergang. Von sozialer Verantwortung kann hier nicht gesprochen werden. Somit ist die Grube zur Beerdigung ausgehoben.

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    Mit Verlaub: warum bedeutet eine Transfergesellschaft soziale Verantwortung?

    Der Insolvenzverwalter will Sie, um keine Kündigungsschutzklagen zu bekommen und die Gewerkschaft, weil sie an Transfergesellschaften verdient.

    Die Mitarbeiterinnen haben 6 Monate lang 17% mehr Nettogehalt als ALG, erhalten aber KEINE Abfindung.

    Sie werden auch statistisch nicht schneller vermittelt.

    • arteve
    • 01. April 2012 13:24 Uhr

    Wir alle haben Schlecker verachtet wegen der Arbeitsbedingungen für Frauen und sind u.a. deshalb nicht mehr dort einkaufen gegangen.

    Das Ergebnis ist eben die "Pleite" !

    Warum nur beklagen sich jetzt die, die sich im TV und den Medien allgemein ehemals über Arbeitsbedingungen und Überwachungen massiv beschwert haben?
    Wieso sollten wir als Gemeinschaft so einem Herrscher namens Schlecker helfen, der derartig unverschämt mit seinen Mitarbeiterinnen umgegangen ist? Sklavenhandel unterstützen wir nicht.

    Ich verstehe diese Aufruhr nicht. Schlecker hat sich selbst ins AUS gestellt mit den Methoden, die die Frauen dort anprangerten. Wieso blieben sie trotzdem 20 Jahre?
    Masochistinnen oder Frauen, die sonst niemand eingestellt hat? Was ist der Grund für die ewige Treue?

    Also waren die TV - Medien Kampagnen der vergangenen Beschwerden eine Lüge? Ausspionieren der Angestellten eine Farce? Ich verstehe diese Schleckerwelten nicht.
    Ich verurteile niemanden, aber wer sich so massiv beschwert hat , wie diese Frauen, kann nicht anschliessend heulend
    an uns gerichtet ein Urteil fällen, wir hätten sie im Stich gelassen. Nein _wir haben mit Boykott reagiert auf unmenschlichen Umgang mit Angestellten in diesem Schleckerland.

    • Herr-M
    • 29. März 2012 17:49 Uhr

    der politische Wettbewerb der Parteien bringt es mit sich, dass Parteien scheitern können.
    Momentan: die FDP

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    aber die FDP hat ihre Leute schon im Entwicklungsministerium untergebracht!

    Wenn keine staatlichen Hilfen, dann auch nicht für Banken!!!!

    Wenn Banken aber so wichtig sind, dass diese Systemrelevanz haben, gehören dies auch unter staatliche Kontrolle oder die müssen soviel Sicherheiten haben, dass der Staat in keinem Fall eingreifen muss. Der Fall Schlecker zeigt uns, wie das System Deutschland funktioniert! Ich finde gleiches Risiko für alle und jeden!

  3. Und wieder einmal hat die FDP die "Hosen" runter gelassen. Bei der Hotelbranche (Mövenpick), gab es keine Bedenken Steuern zu senken. Bei Karmann ging es um Niedersachsen und potentielle Wähler (Bode). Aber was sind schon Verkäuferinnen für die FDP? Die Wähler haben ein gutes Gedächtnis und die noch Mitglieder werden ihre Konsequenzen ziehen. Wüschen wir der FDP, dass sie bald ihre Parteitage auf Grund ihrer verbleibenen Größe in einer Telefonzelle abhalten können.

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    Das Niveau der Beiträge in Presse und in zahlreichen Foren ist wirklich unterirdisch! Alle stürtzen sich auf die "armen Schleckerfrauen" und die "böse FDP". Vor allem in Bayern hat man die Wurzel des Bösen dabei ausgemacht.

    Dabei waren es die Bayern die die Rettung sogar mitgetragen hätten. Niedersachsen und Sachsen haben die Transfergesellschaft verhindert. Und das mit Recht! Denn Fakt ist:

    1. Eine Transfergesellschaft wird gegründet, wenn eine Überlastung der Agenturen auf Grund von lokalen Massenentlassungen zu befürchten ist. Die Betroffenen sind aber über weite Flächen verteilt. Eine Überlastung ist nicht zu erwarten und die Agenturen könnend die Aufgaben gleichwertig, wenn nicht sogar besser erfüllen.

    2. Ein Übertritt der entlassenen Angestellten nützt vor allem Schlecker, da die Angestellten auf Kündigungsklagen und Abfindungen verzichten. Dies steigert den Wert und die Kreditwürdigkeit des Unternehmens im Verkaufsfall.

    3. Der Arbeitsmarkt im Handel leidet unter Fachkräftemangel. Die Schlecker Angestellten werden daher vor allem in Oberzentren relativ schnell einen neuen Job finden.

    4. Die Transfergesellschaft nützt den ländlichen Regionen wenig, denn es werden weder die Geschäfte erhalten, noch die Mitarbeiter schneller vermittelt. Der einzige Effekt ist eine faktische Verlängerung des ALG I. Mit welcher Begründung soll das sinnvoll sein?

    Die Diskussion läuft daher auf ein reines FDP Bashing hinaus. Dabei gibt es doch genug objektive Ansatzpunkte für Kritik.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Nils Schmid | FDP | SPD | Agentur | Arbeitsmarkt | Bundestagsfraktion
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