Erneuerbare EnergienSchlechte Stimmung bei den Ökos

Trotz Energiewende und Fukushima herrscht in der deutschen Greentech-Branche keine Euphorie. Im Gegenteil: Die Investitionen gehen sogar zurück. von 

Solarzellen auf einem Hausdach, Freiburg

Solarzellen auf einem Hausdach, Freiburg  |  © Harold Cunningham/Getty Images

Die Diskussion um die Solarstromvergütung und mangelnden politischen Willen schlagen sich nach Ansicht des Bundesverbands Erneuerbare Energien (BEE) auf das Investitionsklima durch. Im vergangenen Jahr hat die Ökobranche rund eine Milliarde Euro weniger in den Aufbau von Kapazitäten für Ökostrom, Ökowärme und Biokraftstoffe investiert. Das entspricht einem Rückgang von rund 24 Prozent im Vergleich zum Jahr 2010. Insgesamt lagen die Investitionen im vergangenen Jahr bei rund 3,14 Milliarden Euro. Auch in diesem Jahr wird sich die Lage nicht verbessern: Deutsche Greentech-Firmen wollen insgesamt rund zwölf Prozent weniger investieren.

Die Zahlen zeigen, wie unzufrieden Technologieunternehmen mit den politischen Rahmenbedingungen der Energiewende sind. Obwohl die Bundesregierung nach dem Atomunglück von Fukushima 2011 den Atomausstieg und eine Energiewende beschlossen hat, die auch international für Furore sorgt, macht sich keine Aufbruchstimmung in Deutschland breit. "Eine solche Verschlechterung der Stimmung haben wir nicht erwartet", sagt BEE-Geschäftsführer Harald Uphoff. "Die Unternehmen glauben einfach nicht, dass es in Deutschland einen Durchmarsch der erneuerbaren Energien geben wird."

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Laut BEE fehlt es vor allem an den richtigen politischen Anreizen. Seit Monaten steckt etwa eine Initiative im Vermittlungsausschuss zwischen Bundesländern und Bundesregierung fest. Sie sieht vor, dass Hausbesitzer die Möglichkeit erhalten, Investitionen in bessere Dämmungen und effizientere Heizungen steuerlich absetzen können. Weil die Bundesländer aber Steuerausfälle fürchten, kommt es zu keiner Einigung. Auch die ursprünglichen – inzwischen gescheiterten – Pläne der Bundesregierung, bei der jüngsten Novelle des Erneuerbare-Energien-Gesetzes eine Möglichkeit einzubauen, automatisch die Ökostromförderung zu kürzen, haben die Firmen verunsichert. "Das Gefühl, dass die Politik verlässliche und stabile Rahmenbedingungen will, wird nicht bestätigt", so Uphoff.

Zum zweiten Mal hat der BEE in Zusammenarbeit mit dem Beratungsunternehmen EuPD die Zahlen veröffentlicht. Der Erneuerbare Energien-Investitionsklimaindex , der sich an den bekannten ifo-Geschäftsklimaindex anlehnt, zeigt, dass sich nicht nur die Stimmung im vergangenen Jahr bei Herstellern, Finanzierern und Projektierern enorm verschlechtert hat. Auch der Ausblick ist mau: Bis 2014 rechnen die befragten Firmen mit keiner Verbesserung der Lage.

Deutsche Solarbranche in der Krise

Vor allem die Solarbranche ist gebeutelt. Im vergangenen Jahr hat die Hälfte aller Solaranlagenhersteller in Deutschland ihre Investitionen um mehr als 15 Prozent gekürzt. Dieser Trend wird sich in diesem Jahr noch verschärfen, da die Bundesregierung Anfang des Jahres die millliardenschweren Vergütungen für Solarstrom erneut zusammengestrichen hat. Vor Kurzem musste Q-Cells Insolvenz beantragen, erst Anfang der Woche gab First Solar den Rückzug aus Deutschland bekannt. "Die Hersteller von Solaranlagen werden sich in Deutschland kaum halten können", sagt Uphoff. "Es gibt Überkapazitäten im Markt. Alle gucken, wer am längsten durchhält." Nur die Zulieferer der Branche, also Siliziumverarbeiter oder Maschinenproduzenten, zeigen sich noch verhalten optimistisch. Im vergangenen Jahr steigerte mehr als die Hälfte dieser Firmen ihre Investitionen. 

Während der deutsche Greentech-Markt lahmt, versuchen sich ausländische Firmen zu etablieren. Das bemerkt auch die weltweit wichtigste Industriemesse, die Hannover Messe. Sie startet kommende Woche. Partnerland ist China . Die Erneuerbaren Energien gelten auf der Messe als Wachstumstreiber, die Zahl der Aussteller in diesem Bereich ist um ein Drittel im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Die Organisatoren erwarten allein rund 120 chinesische Unternehmen aus dem Energiesektor, darunter zahlreiche Solarproduzenten.

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Leserkommentare
  1. Artikels ein Kommentar, würde ich den melden. Hier wird der "Öko" pauschalisiert und mit einer bestimmten Bewegung gleichgesetzt. Tatsächlich ist es aber so, dass nicht nur "die Ökos" den Technologiefortschritt gut finden, sondern auch viele andere Menschen. Das liegt m. E. daran, dass Erneuerbare eine physische Unabhängigkeit von monopolistischen Großkonzernen als zentrale Versorger sowohl als auch finanziell schaffen. Es gibt andersherum auch "Ökos" die lieber die Atomkraft behalten wollen, weil diese nichts von Windrädern in Vogelzuggebieten halten. So viel dazu.
    Rein rechnerisch ist "die Flaute" Unsinn. Denn Atomstrom ist um einiges teurer als Erneuerbare Energien, Kohle auch. Vor Allem längerfristig betrachtet. Ich kann rechnen!
    Die viel zu starke Lobby der konventionellen Energien will genau das: EE unterdrücken. Wäre das Land energietechnisch erst mal dezentralisiert wäre es aus mit der Macht und Geldgier der großen Konzerne, die Armen! Frau Merkel und die CDU haben mal gesagt, Sie wollen EE einführen, getan hat Sie dafür allerdings nichts. Nur "so getan". Denn dafür müssten sie sich erst einmal von den vier großen Energiekonzernen lösen, dafür plädieren den EURATOM-Vertrag abzuschaffen und die Subventionen einstellen. Dafür dass EE eine gute Variante sind spricht, dass die Energiewende, so weit Sie bis jetzt ist, und das sind in Deutschland immerhin mehr als 20%, fast komplett privat getragen wurde. Die paar Subvis gegen die Atomsubvis sind nämlich extrem lächerlich.

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    Redaktion

    Hallo Deirrrste
    herzlichen Dank für Ihren Kommentar. Nun gut, vielleicht ist "Ökos" tatsächlich nicht besonders glücklich. Hier ging es darum, in der Überschrift ein treffendes und vor allem kurzes Wort für die Erneuerbare-Energien-Branche zu finden. Wir werden beim nächsten Mal noch besser feilen.
    Herzliche Grüße
    Marlies Uken

  2. ...denn er erweckt den Eindruck die Bundesregierung wäre wegen ihres vermeintlich mangelnden Engagements in diesem Bereich an den Problemen der deutschen Solarbranche schuld. Man kann der aktuellen Schwarz-Gelben Koalition Vieles zu recht vorwerfen aber das ist schlicht Unsinn! Trotz zurückgehender Förderung, wird die Obergrenze an Zubau von PV-Leistung, die der Umweltminister Jürgen Trittin(!) mal mit Rücksicht auf die Funktionsfähigkeit des Stromnetzes und Geldbeutel des Stromkunden festgelegt hat, dieses Jahr um das ca. 4-fache übertroffen. Es werden so viel Solarmodule verkauft wie noch nie. Die unschöne Wahrheit, der der BEE nicht ins Gesicht schauen will, sieht so aus, dass die Käufer einfach immer häufiger entscheiden, dass die Anlagen aus Ostasien das bessere Preis-Leistungsverhältnis bieten. Dass die deutschen Firmen von dem großen (und Dank der Subventionen immer noch wachsenden) Kuchen, immer weniger abbekommen, lässt sich auch mit noch höheren Fördermitteln nicht ändern. Auch davon würden nun zuerst die Hersteller aus Malaysia und China profitieren. Wer da jetzt möglicherweise in die Insolvenz schlittert, muss sich zuerst selbst die Schuld dafür geben. Durch die garantierte Einspeisevergütung des EEG, die dem Kunden risikolse Rendite ermöglichte, wurden die Hersteller groß und konnten gute Gewinne einfahren. Aber die Subventionen haben sie auch faul und träge gemacht und dafür bekommen sie nun die Rechnung.

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    • dacapo
    • 20. April 2012 10:59 Uhr

    Sie haben bei dem Herrn Röttgen gut aufgepasst. Dieser Hinweis, dass die jetzigen Regierung die Vorgabe der RotGrün-Regierung weit übertroffen hätte, ist zwar weit verbreitet, aber deshalb nicht richtig. Es ist eine Milchmädchenrechnung. Denn wenn man das so behauptet, dann müsste man vorraussetzen, dass die Rot-Grünen, wären sie noch nach 2005 an der Regierung geblieben, noch mehr Stillstand, noch mehr Untätigkeit als die jetzigen Regierung hätte walten lassen. Auch wenn man nicht unbedingt das Beste annehmen kann, aber das wäre eine unrealistische Vermutung. Denn eine schlechtere Energiepolitik, wie sie jetzt angebracht ist, als diese Regierung, hätte eine Rot-Grüne oder GRün-Rote nicht sein können. Da wären die Vorgabenen aus den späten 90-ern aber sicher erweitern worden. Das zu Ihrem "Freund" Trittin (das konnten Sie ja leider nicht für sich behalten).

    • bkkopp
    • 19. April 2012 19:42 Uhr

    Es bleibt eine gute Idee, dass der Staat, der üblicherweise nur zu schwer vorhersehbaren politischen Bewegungen fähig ist, sich auf grundsätzlich, normative Funktionen für die Wirtschaft beschränkt, und nicht aktiv, industriepolitisch tätig wird- wie mit dem EEG. Es ist bedauerlich, aber nicht überraschend, dass es wieder einmal schief geht.

  3. Ja Bornie, so ist es wenn man nicht mal den Unterschied zwischen kW und kW/h kennt. Sie sprechen sicher von installierter Leistung und das sind dann kW.

  4. den Atomstrom vergessen.

    Ob nun der Kohleabbau, oder die Verbrennung subventioniert wird, da versteh ich nicht wo für Sie da der Unterschied ist (???) Das Kraftwerk steht neben dem Loch, von dem man das Ende nicht mehr sieht, und beides gehört zusammen wie ein Kind an die Brust der Mutter.

    Der reale Strompreis für Atomstrom: 60ct pro Kilowattstunde. (Aus Steuern)... wieviel zahlen Sie zu Hause?
    ~15 - 23 ct pro Kilowattstunde für EE.

    Subventionierung:
    Atomstrom seit 1950: 3,9 Cent/kWh und ab 2009: 2,2 Cent/kWh
    EEG-Strom von 2009: 1,2 Cent/kWh bis 2020: 0,6 Cent/kWh
    Jedes Jahr im Schnitt fast 1 Cent Strompreiserhöhung wegen Profitmaximierung und Brennstoffverteuerung (fossil und atomar).
    Diese Info gefunden hier: http://www.solarweissach.de/115-0-EE-kontra-Kernkraft-Zahlen--Fakten.html
    (Ja, auch Uran wird knapp, keine Neuheit!)

    Angaben nur für Kohlestrom explizit habe ich nicht auf die Schnelle gefunden.
    Aber diese Zahlen über Atomstrom sprechen Bände :-): http://www.timoessner.de/dat/energieblog_Dt_Atomkraft_Zahlen.pdf

    Ich hab da eine andere Idee: die Hälfte des durschnittlichen Reingewinns aller noch betriebenen Atomkraftwerke in Deutschland in EE investieren. Bei 9 noch betriebenen Kraftwerken, sind das 9 Millionen pro Tag, macht im Jahr 3.285.000.000 € im Jahr, machr das bis 2022, wenn alle abgeschaltet werden sollen noch eine Null mehr, also 32.850.000.000 €. WOW!

    Antwort auf "Durch Lügen"
    • wd
    • 19. April 2012 20:02 Uhr

    Anmerkung: Die polnische und die Australische Kohle sind oder waren spottbillig verglichen mit Kohle aus NRW.
    Laut meiner letzten Jahresstromrechnung habe ich 6ct/kWh bezahlt. Der Rest waren Netzabgaben, Konzessionsabgaben, EEG und Steuern. (Habe ich was vergessen?)
    Wenn PV- und Wind-Strom für 6ct/kWh eingespeist wird, dann wird es trotzdem durch neue Reservekraftwerke und den Netzausbau noch teurer.
    Aber ich weiß, dass für die Einspeisung des Zufall-Stroms mehr bezahlt wird.
    Und nun zu dem blödsinnigen Argument der bösen Konzerne: Als Energieerzeuger liefern sie billigen Strom. Die Netzbetreiber sind andere und ihre Preise müssen von einer Behörde genehmigt werden. Als Endkundenverbraucher sind sie nach deutschem Recht Eintreiber aller oben angegebenen Kostenfaktoren. Übrigens sind die Stadtwerke nicht billiger.
    Damit den Deutschen die Augen aufgehen sollte man als Stromkunde mindestens drei Ansprechpartner haben: 1. Das Kraftwerk das den Strom erzeugt. 2. Den Netzbetreiber. 3. Das Finanzamt für die weiteren Kosten. Nur so kommt Transparenz in den Strompreis.

    • wd
    • 19. April 2012 20:06 Uhr

    Sorry: Endkundenverbraucher durch Endkundenverkäufer ersetzen.

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    macht ein Endkundenverbraucher wenn er sich einen endkunden beim Endkundenverkäufer erstanden hatt um diesen zu verbrauchen
    grillen?

    • bayert
    • 19. April 2012 20:13 Uhr

    ohne die 54 AKWs aus. Hätte man früher auch nicht gedacht, dass es funktioniert.

    Antwort auf "Relationen"

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte Bundesregierung | Atomausstieg | Biokraftstoff | Energie | Heizung | Insolvenz
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