Flughafen SchönefeldBerliner Flughafen wird deutlich teurer

Die Kosten für den neuen Großflughafen in Berlin ufern aus – das Projekt stößt an die Grenzen der Finanzierung. Schuld trägt nicht allein die verspätete Eröffnung.

Der neue Flughafen in Berlin

Der neue Flughafen in Berlin

Der Willy-Brandt-Flughafen in Schönefeld wird nicht nur später fertig, sondern dramatisch teurer. Er kostet schon jetzt fast drei Milliarden Euro und damit eine halbe Milliarde mehr als von Aufsichtsratschef Klaus Wowereit (SPD) und den anderen Verantwortlichen bislang offengelegt: Das belegen dem Tagesspiegel vorliegende Controllingberichte der Jahre 2011 und 2012 der Überwacher der Firma WSP/CBP sowie Protokolle des Aufsichtsrates der Flughafengesellschaft, die Berlin, Brandenburg und dem Bund gehört.

Beim Fluggastterminal etwa, wo die dramatischen Technikprobleme zur erneut verschobenen Inbetriebnahme führten, sind die Kosten von ursprünglich geplanten 630 Millionen Euro (2008) auf inzwischen 1,13 Milliarden Euro (März 2012) gestiegen.

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Die Gesamtkosten für den BER sind von ursprünglich 2,4 Milliarden (Jahr 2008) auf mittlerweile 2,995 Milliarden Euro gestiegen – nach vom Aufsichtsrat abgesegneten Zahlen. Und selbst das ist nicht das Ende. Die Drei-Milliarden-Grenze werde durchbrochen, hieß es am Donnerstag in Aufsichtsratskreisen.

In dem Budget, das der Aufsichtsrat schon auf den Sitzungen am 9. Dezember 2011 und am 20. April 2012 bestätigt hat, sind die Folgekosten der auf den 17. März 2013 verschobenen Eröffnung, etwa infolge von Schadenersatzleistungen oder dem Auswechseln des Planungsbüros GMP, noch gar nicht einkalkuliert. Zum "Eigeninvest" kommen zudem knapp 500 Millionen Euro "Fremdinvest", also Gebäude, die der Flughafen für andere errichtet, aber vorfinanziert. Und der Kostenbericht der Firma WSP/CBP vom 20. März 2012 ging beim Fluggastterminal (ausgelöste Aufträge: 1,1 Milliarden) von weiteren Steigerungen aus, nämlich auf 1,2 Milliarden Euro. 

Leserkommentare
  1. Als ob da auf die Kosten geachtet wird :)

    Mich würde mal interessieren, welche Entscheidungen und Pannen zu der Verspätung und der Kostenexplosion geführt haben.

    Wie sieht es denn mit der Verträgen aus, die geschlossen wurden. Sind die einsehbar, oder ist auch wieder alles geheim geheim?

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    wird ein Schuh daraus: Es wird so sehr auf die Kosten geachtet dass hinterher alles noch viel teuerer wird.

    Zwei Gründe, seit Jahrzehnten bekannt:

    1. Muss (im wesentlichen) der günstigste Anbieter den Zuschlag bekommen. Folge: Die Unternehmen gehen mit Dumpingpreisen in die Ausschreibungen und tun nachher alles um ihr Geld über Nachträge zu verdienen.

    2. Sind Baubehörden regelmässig fachlich überfordert und produzieren durch nachträgliche Änderungen, unvollständige Ausschreibungen nicht kalkulierte Aufwendungen die die Kosten explodieren lassen.

    • fsner
    • 18.05.2012 um 12:58 Uhr

    Naja, es wird heut zu Tage sehr wohl auf die Kosten geschaut, mehr als jemals zuvor. Letzten Endes entscheidet nur noch das Geld, dabei geht es ausschliesslich um den maximalen Profit. Projekte müssen in kürzester Planungszeit realisiert werden, sonst schrumpft der Profit. Dem Architekten wachsen während der Planung graue Haare oder er erleidet gar einen Herzinfarkt. Alle gegen alle, jeder klagt gegen jeden. Der Architekt ist immer der Arsc*, die Juristen sind die lachenden Dritten.

    Das Projekt ist mit den Realkosten bei Fertigstellung nicht zwingend teurer geworden als zuvor gedacht, sondern in Zeiten einer scheinbaren Überdemokratisierung müssen die Baukosten bei öffentlichen Projekten von Beginn an unrealistisch kleingerechnet werden, sonst kommt das Projekt erst gar nicht zustande.

    Die Baukultur leidet jedoch massiv darunter, aber das scheint offensichtlich niemanden mehr zu interessieren.

    wird ein Schuh daraus: Es wird so sehr auf die Kosten geachtet dass hinterher alles noch viel teuerer wird.

    Zwei Gründe, seit Jahrzehnten bekannt:

    1. Muss (im wesentlichen) der günstigste Anbieter den Zuschlag bekommen. Folge: Die Unternehmen gehen mit Dumpingpreisen in die Ausschreibungen und tun nachher alles um ihr Geld über Nachträge zu verdienen.

    2. Sind Baubehörden regelmässig fachlich überfordert und produzieren durch nachträgliche Änderungen, unvollständige Ausschreibungen nicht kalkulierte Aufwendungen die die Kosten explodieren lassen.

    • fsner
    • 18.05.2012 um 12:58 Uhr

    Naja, es wird heut zu Tage sehr wohl auf die Kosten geschaut, mehr als jemals zuvor. Letzten Endes entscheidet nur noch das Geld, dabei geht es ausschliesslich um den maximalen Profit. Projekte müssen in kürzester Planungszeit realisiert werden, sonst schrumpft der Profit. Dem Architekten wachsen während der Planung graue Haare oder er erleidet gar einen Herzinfarkt. Alle gegen alle, jeder klagt gegen jeden. Der Architekt ist immer der Arsc*, die Juristen sind die lachenden Dritten.

    Das Projekt ist mit den Realkosten bei Fertigstellung nicht zwingend teurer geworden als zuvor gedacht, sondern in Zeiten einer scheinbaren Überdemokratisierung müssen die Baukosten bei öffentlichen Projekten von Beginn an unrealistisch kleingerechnet werden, sonst kommt das Projekt erst gar nicht zustande.

    Die Baukultur leidet jedoch massiv darunter, aber das scheint offensichtlich niemanden mehr zu interessieren.

  2. ist doch egal, der Steuerzahler kommt schon dafür auf!

  3. Ärgerlich, bei Großprojekten aber üblich. Hauen wir nutzlos verschwendetes Geld wenigstens im eigenen Land raus, da bleibt wenigstens was in Steuern und Beschäftigten hängen statt halb Europa mit unseren Milliarden zu beglücken.

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    mich schmerzt trotzdem dass diejenigen die diese Kosten/ Umverteilungen verursachen, später mit sensationellen Pensionen belohnt wird.

    Zum zweiten: Würde die öffentliche Hand effizienter arbeiten, bliebe noch ein bisschen Geld übrig um die Umverteilung auch in wichtige Projekte wie KiTa-Ausbau etc. zu stecken ...

    mich schmerzt trotzdem dass diejenigen die diese Kosten/ Umverteilungen verursachen, später mit sensationellen Pensionen belohnt wird.

    Zum zweiten: Würde die öffentliche Hand effizienter arbeiten, bliebe noch ein bisschen Geld übrig um die Umverteilung auch in wichtige Projekte wie KiTa-Ausbau etc. zu stecken ...

  4. wird ein Schuh daraus: Es wird so sehr auf die Kosten geachtet dass hinterher alles noch viel teuerer wird.

    Zwei Gründe, seit Jahrzehnten bekannt:

    1. Muss (im wesentlichen) der günstigste Anbieter den Zuschlag bekommen. Folge: Die Unternehmen gehen mit Dumpingpreisen in die Ausschreibungen und tun nachher alles um ihr Geld über Nachträge zu verdienen.

    2. Sind Baubehörden regelmässig fachlich überfordert und produzieren durch nachträgliche Änderungen, unvollständige Ausschreibungen nicht kalkulierte Aufwendungen die die Kosten explodieren lassen.

    8 Leserempfehlungen
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    • Afa81
    • 18.05.2012 um 12:52 Uhr

    "1. Muss (im wesentlichen) der günstigste Anbieter den Zuschlag bekommen. Folge: Die Unternehmen gehen mit Dumpingpreisen in die Ausschreibungen und tun nachher alles um ihr Geld über Nachträge zu verdienen."

    Nein, auch in der freien Wirtschaft gibt es Preiskonkurrenz. Ich spüre das jeden Tag in meiner Firma. Aber wir können dann anschließend auch nicht einfach das doppelte verlangen. Im öffentlichen Sektor ist es ja absolut normal, dass solche Projekte stets den Rahmen nicht nur leicht überschreiten, sonder maßlos sprengen.

    Im übrigen ist es ja nicht eine Firma, die den ganzen Flughafen baut. Es sind viele, oft kleine und mittelständische Unternehmen, die daran beteiligt sind. Auch meine Firma hat Berechnungsdienstleistungen für den BBI geliefert. Und jeder für sich muss dann schon ungefähr wissen, womit er zu rechnen hat.
    Aber die Firman können nachfordern. Weil Wowereit jetzt auf dem Schleudersitz sitzt. Er kann das Projekt nicht mehr abblasen.

    • Afa81
    • 18.05.2012 um 12:52 Uhr

    "1. Muss (im wesentlichen) der günstigste Anbieter den Zuschlag bekommen. Folge: Die Unternehmen gehen mit Dumpingpreisen in die Ausschreibungen und tun nachher alles um ihr Geld über Nachträge zu verdienen."

    Nein, auch in der freien Wirtschaft gibt es Preiskonkurrenz. Ich spüre das jeden Tag in meiner Firma. Aber wir können dann anschließend auch nicht einfach das doppelte verlangen. Im öffentlichen Sektor ist es ja absolut normal, dass solche Projekte stets den Rahmen nicht nur leicht überschreiten, sonder maßlos sprengen.

    Im übrigen ist es ja nicht eine Firma, die den ganzen Flughafen baut. Es sind viele, oft kleine und mittelständische Unternehmen, die daran beteiligt sind. Auch meine Firma hat Berechnungsdienstleistungen für den BBI geliefert. Und jeder für sich muss dann schon ungefähr wissen, womit er zu rechnen hat.
    Aber die Firman können nachfordern. Weil Wowereit jetzt auf dem Schleudersitz sitzt. Er kann das Projekt nicht mehr abblasen.

  5. mich schmerzt trotzdem dass diejenigen die diese Kosten/ Umverteilungen verursachen, später mit sensationellen Pensionen belohnt wird.

    Zum zweiten: Würde die öffentliche Hand effizienter arbeiten, bliebe noch ein bisschen Geld übrig um die Umverteilung auch in wichtige Projekte wie KiTa-Ausbau etc. zu stecken ...

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Prioritäten"
  6. berlin hat's ja! und die anderen bundesländer, die es stützen, erst recht. wann kapieren die zwei landesfürsten endlich, dass sie als aufsichtsratsmitglieder eines derartigen mammutprojektes nicht nur an der eröffnungsparty teilzunehmen haben, sondern eine ganz besondere kontrollfunktion ausüben müssen? nicht nur, dass ihnen das geld der steuerzahler unkontrolliert durch die finger rinnt - sie lügen allen auch noch die taschen voll und sind des selbstlobes voll. unerträglich!

  7. Es ist nicht zu begreifen, dass größere Bauprojekte, von der "Öffentlichen Hand" finanziert, am Ende nahezu immer aus dem Ruder laufen und die Öffentlichkeit mit den Schultern zuckt und meint, das wäre 'normal'. Ist es denn nicht möglich, ein dauerhaftes 'Controlling' einzusetzen und die Firmen/Subunternehmen an ihre eigenen Angebote während der Ausschreibung zu binden?

    Mir graut schon vor dem nächsten Desaster, das in den Berliner Sand gesetzt wird: 3 Kilometer Autobahn für (im Moment noch) eine halbe Milliarde. Ganz zu Schweigen von dem drohenden (Verkehrs-)Chaos danach.

  8. Da könnte dem Steuerzahler beim lesen dieser Berichte immer wieder das K...... kommen.

    Gerade bei Großprojekten muss es doch möglich sein, auf eine Mio. genau zu kalkulieren. Diverse Planungsbüro kassieren dafür mit Sicherheit sechsstellige Beträge.

    Oder ist es pure Absicht um Wahnwitzprojekte wie S 21 und Elbphilharmonie & Co. von "Volkes Stimme" genehmigt zu bekommen?

    Es geht ja nur um unsere gemeinsamen Steuergelder. Es wird Zeit, dass die verantwortlichen Kader persönlich dafür in die Haftung genommen werden, damit in Zukunft sorgsamer mit diesen Geldern umgegangen wird.

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    "Gerade bei Großprojekten muss es doch möglich sein, auf eine Mio. genau zu kalkulieren."
    -> Darf ich fragen, ob Sie das jemals irgendwo gehört oder besser noch miterlebt haben? Nach meiner Auffassung ist es vorausschauend, gerade bei öffentlichen Großprojekten mit mindestens 25% Mehrkosten zu kalkulieren. Großprojekte wie das hier zeichnen sich durch eine erhebliche Komplexität in vertraglicher, fachlicher und technischer Hinsicht aus und ziehen sich über mehrere Jahre hin, in denen so einiges Unvorhergesehene passieren kann. Bei einem Volumen von (früher geschätzten) 2,4 Milliarden liegt ein Fehler von einer Million bei 0,4 Promille - auch die Planer sind nur Menschen und keine Götter, die in die Zukunft sehen können.

    "Es wird Zeit, dass die verantwortlichen Kader persönlich dafür in die Haftung genommen werden."
    -> Verständlich, dass Sie wütend sind. Ich bin es auch, wenn ich mir überlege, wie mit Steuergeldern umgegangen wird. In der Sache aber halte ich das, was Sie hier sagen, für keine geeignete Maßnahme, weil sie wohl jeden dieser Kader ruinieren würde, was letztlich dazu führt, dass wir keine Großprojekte mehr sehen werden - oder anders gesagt: dass nichts, was große finanzielle Anstrengungen erfordert, mehr angegangen wird. Dadurch wären auch Projekte wie die Energiewende schnell abgehakt. Ich hielte z.B. für sinnvoll, dass Mehraufwendungen durch maßvolle Gewinnbeteiligungen über Jahre hinweg refinanziert werden, so dass sie nicht beim Steuerzahler hängen bleiben.

    "Gerade bei Großprojekten muss es doch möglich sein, auf eine Mio. genau zu kalkulieren."
    -> Darf ich fragen, ob Sie das jemals irgendwo gehört oder besser noch miterlebt haben? Nach meiner Auffassung ist es vorausschauend, gerade bei öffentlichen Großprojekten mit mindestens 25% Mehrkosten zu kalkulieren. Großprojekte wie das hier zeichnen sich durch eine erhebliche Komplexität in vertraglicher, fachlicher und technischer Hinsicht aus und ziehen sich über mehrere Jahre hin, in denen so einiges Unvorhergesehene passieren kann. Bei einem Volumen von (früher geschätzten) 2,4 Milliarden liegt ein Fehler von einer Million bei 0,4 Promille - auch die Planer sind nur Menschen und keine Götter, die in die Zukunft sehen können.

    "Es wird Zeit, dass die verantwortlichen Kader persönlich dafür in die Haftung genommen werden."
    -> Verständlich, dass Sie wütend sind. Ich bin es auch, wenn ich mir überlege, wie mit Steuergeldern umgegangen wird. In der Sache aber halte ich das, was Sie hier sagen, für keine geeignete Maßnahme, weil sie wohl jeden dieser Kader ruinieren würde, was letztlich dazu führt, dass wir keine Großprojekte mehr sehen werden - oder anders gesagt: dass nichts, was große finanzielle Anstrengungen erfordert, mehr angegangen wird. Dadurch wären auch Projekte wie die Energiewende schnell abgehakt. Ich hielte z.B. für sinnvoll, dass Mehraufwendungen durch maßvolle Gewinnbeteiligungen über Jahre hinweg refinanziert werden, so dass sie nicht beim Steuerzahler hängen bleiben.

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