EnergiewendeDas lukrative Geschäft mit der Wetterkarte

Der wachsende Anteil von Ökostrom hat ein neues Geschäft hervorgebracht: Wetterprognosen. In Deutschland ist ein Rennen um die besten Vorhersagen entbrannt. Von M. Uken von 

Windrad

Windrad  |  © Andreas Rentz/Getty Images

Das Superhirn der Windbranche ist ein schwarzer Kasten von 30 Metern Länge. Er wiegt 26 Tonnen, heißt Firestorm und steht in einem Rechenzentrum im dänischen Aarhus. Der Kasten ist ein Computer und könnte die Energiebranche revolutionieren.

Der dänische Windanlagenhersteller Vestas hat den Rechner mit Daten von mehr als 35.000 Wetterstationen auf der ganzen Welt gespeist, mit Windstärken, Richtungen, Luftdruckverhältnissen und Niederschlägen. Jeder Flecken Erde, egal ob Wanne-Eickel, die Wüste Gobi oder der Nordpol, taucht in den Daten auf. Bis zu 24 Petabyte kann Firestorm verarbeiten. Auf der Liste der 500 leistungsfähigsten Computer weltweit rangiert der Riesenrechner auf Platz 70.

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Die Berechnungen von  Firestorm sind detailreich. Er vergleicht Wetterdaten aus den vergangenen zwölf Jahren und kann so berechnen, ob sich ein Standort für einen Windpark lohnt. Auch lassen sich aus den Daten Prognosen erstellen, wie sich die Winde in Zukunft verändern werden. Der Computer berechnet, wann es Flauten gibt und eine Windanlage am besten gewartet werden sollte. Was früher bis zu drei Wochen dauerte, geschieht heute in 15 Minuten. Mit den Daten könnten Unternehmen "ihre Windstandorte optimieren", sagt Lars Christian Christensen von Vestas.

Der größte Hersteller von Windrädern hofft mit den Daten gutes Geld verdienen zu können. Energiemeteorologie heißt der neue Geschäftszweig, auf den sich viele Unternehmen derzeit stürzen. Die Idee: Je mehr Windparks und Solaranlagen entstehen, desto wertvoller werden genaue Wetterprognosen. Die Kunden: Unternehmen der Energiewirtschaft, vor allem Betreiber von Windparks und Solaranlagen. "Das Geschäft mit Wetterprognosen für die Energiewirtschaft hat in jüngster Zeit stark an Bedeutung gewonnen", sagt Bernhard Lage, der am Fraunhofer Institut für Windenergie die Abteilung Energiemeteorologie leitet.

Eine kleine Branche hat sich inzwischen gezielt auf Wetterprognosen für die Energieversorger spezialisiert. Die großen privaten Wetterfirmen unterhalten für sie sogar eigene Abteilungen. Meteomedia, das Unternehmen des Fernsehmoderators Jörg Kachelmann , hat rund 450 Kunden aus der deutschen Energiewirtschaft. Unter ihnen sind etwa Stadtwerke, die wissen wollen, wann der Winter einbricht, um ihre Gasvorräte besser kalkulieren zu können. Oder Stromnetzbetreiber, die wissen wollen, wann Windstrom ihre Netze verstopfen könnte, um einen Blackout zu verhindern.

Rund ein Dutzend private Wetterdienste kümmern sich exklusiv um die Branche der Erneuerbaren. Die Dienstleister liefern sich ein Wettrennen, wer am besten Wetterdaten auswertet und das Modell mit der höchsten Trefferquote entwickelt. Die Nachfrage nach ihren Diensten steigt stetig. Vor allem Wind- und Solarparkbetreiber wollen immer genauer wissen, wann die Sonne scheint und der Wind weht.

Leserkommentare
    • Crest
    • 03. Mai 2012 19:52 Uhr

    Ob sie die Frage mit Marlies an einen Vertreter der hierfür kompetenten Generation richten? :-)

    Also: Vielleicht haben sie den Roman "Himmelskraft" im Sinn. (Bzgl. der "Wetterauguren" bin ich bei diesem Roman allerdings skeptisch.)

    Im Jahrbuch "Das neue Universum" Band 83 (1966) finden Sie als beigeheftete Falttafel (auf den ersten Seiten) ein schönes Poster über "Fliegende Großkraftwerke".

    Kurzum, die Ideen sind o.k.

    Nebenbei bemerkt: Bei Hans Dominik denke ich selbst v.a. an seinen Roman "Atomgewicht 500". Warum wohl?

    ;-)

    Herzlichst Crest

    Antwort auf "@Marlies Uken"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ihnen besten Dank für Ihre Anregungen.

    Ich weiß das alles beim besten Willen nicht mehr, obwohl ich Dominik damals mit Löffeln gefressen habe. Es sind Erinnerungsfetzen, leider.

    Was mich geloben lässt, einen verschütteten Gedanken zu reanimieren, nämlich zu versuchen, bei ebay oder weiß ich wo eine möglichst Gesamtausgabe des "Dichreringeneurs" zu bekommen.

    Das ist wie mit Brautkleidern aus vergangenen Epochen - irgendwann sind die wieder erstaunlich aktuell.

  1. Ich will die Jubelfeiern nicht stören, aber wer bezahlt den Backup für Wind uns Solar? Ein lukratives Geschäft sind die sogenannten Erneuerbaren nur, weil sie parasitär betrieben werden. Will heißen, um den notwendigen Backup sollen sich andere kümmern. Bezahlen wird es sowieso der Stromkunde.
    Es geht schon lange nicht mehr um den Ausbau der sogenannten, die frage ist wer betreibt die Backup Kraftwerke wenn man mit den unbedingt notwendigen Anlagen durch geringe Betriebszeiten kein Geld verdienen kann.

  2. Oh, das ist eine prompte Antwort, Danke!

    Schade, aber hätte ja sein können.

    Und - "Macht" - ist gar keine "These". Sie beschreiben es ja selbst in Ihrem Artikel: Die kommerzielle Macht der Wetterfrösche liegt auf der Hand.

    Puh, wieder SciFi... die Herren Kachelmann und Jung (egal, dass die sich nicht leiden können) tun sich zusammen und künftig machen sie Wetter, grusel :-)

    Schönen Abend.

    Antwort auf "Die Wetterauguren"
  3. Ihnen besten Dank für Ihre Anregungen.

    Ich weiß das alles beim besten Willen nicht mehr, obwohl ich Dominik damals mit Löffeln gefressen habe. Es sind Erinnerungsfetzen, leider.

    Was mich geloben lässt, einen verschütteten Gedanken zu reanimieren, nämlich zu versuchen, bei ebay oder weiß ich wo eine möglichst Gesamtausgabe des "Dichreringeneurs" zu bekommen.

    Das ist wie mit Brautkleidern aus vergangenen Epochen - irgendwann sind die wieder erstaunlich aktuell.

  4. Was ich vergessen habe:

    wieso soll sie Dominik nicht kennen?

    Ich z.B. habe sogar schon einmal irgendwas von Walther von der Vogelweide gelesen, und ich bin auch erst 61.

    Ne ne!

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf missverständliche Kommentare. Danke, die Redaktion/jz

  5. Ein Atomkraftwerk hoch oder runter zufahren dauert bis zu 4 Tage. Das schaft die beste Wettervorhersage noch nicht.
    Und weil es davon zu viele gab mussten die anderen Kraftwerke die Schwankungen ausgleichen.

    Ein Gaskraftwerk ( auch Backup genannt ) braucht ca. 15 Minuten zum warmlaufen. Für diesen Zeitraum kann man das Wetter auch visuell ( Fenster öffnen und rausschauen ) vorhersagen.
    Dann wäre die ganze Wettervorhersage überflüssig.

    Weil aber die ganze Stromwirtschaft inzwischen eine einzige Kleinstaaterei ist und Keiner dem Anderen etwas gönnt, ist der Quatsch nötig.

    • ASasse
    • 03. Mai 2012 21:42 Uhr

    Wer als Betreiber einer Solarstromanlage wissen will, ob seine Anlage die möglichen Erträge schafft, braucht nicht unbedingt Wetterprognosen. Ertragsdatenbanken wie http://www.pv-ertraege.de/ und http://www.sonnenertrag.eu/ reichen dazu voll aus. Nur wer es sehr genau wissen will braucht wetterdatengestützte Systeme wie http://www.meteocontrol.de/

    Für die Stromnetzbetreiber ist allerdings nicht so wichtig, ob eine einzelne Anlage gut läuft, sondern wie viel erneuerbarer Strom wann insgesamt kommt.

    Schön, das das alte Märchen der nicht prognostizierbaren Wind- und Sonnenkraftwerke nun einer immer breiteren Öffentlichkeit als Legende der fossil-atomaren Lobby erkennbar wird.

    Antwort auf "Auch Solarenergie"
  6. "Bis zu 24 Petabyte kann Firestorm verarbeiten. Auf der Liste der 500 leistungsfähigsten Computer weltweit rangiert der Riesenrechner auf Platz 70."

    Die Leistung eines Computers gibt man meist in Rechenschritten pro Sekunde ( Flops ) an.
    Der beschriebene Rechner hat rund 15000 Prozessorkerne und erreicht damit 150 Teraflop.

    Die beschriebenen 24 PetaByte sind die Festplattenkapazität - also rund 24 000 Festplatten zu je 1 TeraByte.

    Er entspricht - im Vergleich - einem System von rund 25000 heute handelsüblichen PCs.

    Und verbraucht vermutlich eine entsprechende Menge Strom...

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