Ein New Yorker Polizist vor der Hauptzentrale der US-Bank J.P. Morgan © Timothy A. Clary/Getty Images/AFP

Die Spekulationsverluste der US-Großbank J.P. Morgan sind einem Bericht zufolge innerhalb einer Woche um mindestens eine weitere Milliarde Dollar gestiegen. Das Minus aus Wetten auf den Kreditmarkt sei seit der Bekanntgabe am vergangenen Donnerstag um mindestens 50 Prozent gestiegen, da Hedgefonds und Spekulanten die Notlage der Bank ausgenutzt hätten, berichtete das in Finanzfragen meist sehr gut informierte Blog Dealbook , das zur New York Times   gehört, unter Berufung auf mit den Geschäften vertraute Personen. Eine Sprecherin der Bank habe die Informationen nicht kommentiert.

J.P.-Morgan-Chef Jamie Dimon hatte zwar bereits vor einer Woche eingeräumt, dass sich die Verluste aus den Geschäften in den kommenden Quartalen verdoppeln und in den kommenden Wochen stark schwanken könnten. Die Geschwindigkeit komme jetzt aber überraschend, hieß es in dem Bericht. J.P. Morgan habe das große Problem, dass jetzt alle Marktteilnehmer von den Geschäften wüssten und sich viele stark gegen die Positionen der Großbank stellten.

In der vergangenen Woche wurde bekannt, dass J.P. Morgan durch risikoreiche Finanzwetten zwei Milliarden Dollar verzockt hatte.

Anleger reichen Klage ein

Mindestens zwei Anleger haben unabhängig voneinander inzwischen Klage gegen die Bank eingereicht, weil die Aktien der US-Großbank starke Verluste machten. Sie fühlen sich vom Management betrogen und werfen Bankchef Jamie Dimon sowie Finanzchef Douglas Braunstein vor, die Risiken jener Finanzwetten schöngeredet zu haben, die am Ende zum Spekulationsverlust führten.

Nach der Bekanntgabe des Verlusts vor einer Woche war die Aktie von Amerikas größtem Kreditinstitut um neun Prozent eingebrochen . Binnen zwei Handelstagen seien mehr als 18,8 Milliarden Dollar an Börsenwert verpufft, teilten die Anwälte des Saratoga Advantage Trust in ihrer Klageschrift mit. Sie verlangen Wiedergutmachung und streben eine Sammelklage an, der sich weitere Geschädigte anschließen können.

Nach Angaben der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg hat der Kalifornier James Baker ebenfalls Klage vor dem Bezirksgericht von Manhattan eingereicht. Auch er bezieht sich demnach auf Äußerungen von Bankchef Dimon, der noch im April mehrere Medienberichte über ungewöhnlich große und riskante Finanzwetten der Bank als "Sturm im Wasserglas" abgetan hatte. Dimon verteidigte sich zwischenzeitlich, er habe es damals nicht besser gewusst.