Die größte amerikanische Bank JPMorgan Chase hat sich mit einer fehlgeschlagenen Handelsstrategie verspekuliert und etwa zwei Milliarden Dollar verloren. Seit Ende März habe es "signifikante Buchverluste" im synthetischen Kreditportfolio in Bereich Chief Investments gegeben, teilte das Institut mit. Etwa die Hälfte der Verluste konnte inzwischen jedoch wieder wettgemacht werden, heißt es in der Mitteilung an die Börsenaufsicht.

Bankenchef Jamie Dimon wandte sich persönlich an Anleger und Analysten. In einer kurzfristig einberufenen Telefonkonferenz mit Aktienspezialisten sagte Dimon, das Desaster sei selbstverschuldet. Sein Haus habe "unerhörte Fehler" gemacht. "Das ist nicht die Art und Weise, wie wir unser Geschäft betreiben wollen", sagte Dimon.

Die Sparte Corporate und Private Equity werde im zweiten Quartal wohl ein Minus von 800 Millionen Dollar ausweisen. Das Desaster werde aber auch noch in den folgenden Quartalen Spuren hinterlassen. Die Fehler seien umso peinlicher angesichts der Tatsache, dass sich das Management stets gegen eine strengere Regulierung der Banken im Rahmen der sogenannten Volcker Rule ausgesprochen habe, die vorsieht, dass das Geschäfts- und Investmentbanking getrennt wird. "Das lässt uns ziemlich dumm dastehen", räumte Dimon ein.

J.P.-Morgan-Aktie bricht um fast sieben Prozent ein

Der Bereich Chief Investment ist nach Angaben von J.P. Morgan der Firmenzweig, über den Wetten eingegangen werden, die die Beteiligungen an individuellen Beständen absichern sollen, etwa Kredite an Firmen mit einer schlechten Bewertung bei einer Rating-Agentur.

Die J.P.-Morgan-Aktie verlor nachbörslich fast sieben Prozent und zog auch andere Bankentitel nach unten. Die Anteilsscheine von Citigroup tendierten im elektronischen Handel mehr als zwei Prozent schwächer, Bank of America gaben 1,7 Prozent nach. Die Nachricht dürfte damit auch den gesamten Markt belasten. Der S&P 500 Futures brach mehr als elf Prozent ein, der Nasdaq Futures rutschte sogar knapp 17 Prozent ins Minus. J.P. Morgan ist gemessen an den Vermögenswerten die größte US-Bank.