US-GroßbankJPMorgan verspekuliert zwei Milliarden Dollar

Die US-Großbank hat mit riskanten Finanzwetten Verluste in Milliardenhöhe gemacht. Institutschef Dimon sprach von "unerhörten Fehlern", der Aktienkurs brach ein. von afp und reuters

Der Vorstandvorsitzende von JPMorgan Chase, James Dimon

Der Vorstandvorsitzende von JPMorgan Chase, James Dimon  |  © Jemal Countess/Time/Getty Images

Die größte amerikanische Bank JPMorgan Chase hat sich mit einer fehlgeschlagenen Handelsstrategie verspekuliert und etwa zwei Milliarden Dollar verloren. Seit Ende März habe es "signifikante Buchverluste" im synthetischen Kreditportfolio in Bereich Chief Investments gegeben, teilte das Institut mit. Etwa die Hälfte der Verluste konnte inzwischen jedoch wieder wettgemacht werden, heißt es in der Mitteilung an die Börsenaufsicht.

Bankenchef Jamie Dimon wandte sich persönlich an Anleger und Analysten. In einer kurzfristig einberufenen Telefonkonferenz mit Aktienspezialisten sagte Dimon, das Desaster sei selbstverschuldet. Sein Haus habe "unerhörte Fehler" gemacht. "Das ist nicht die Art und Weise, wie wir unser Geschäft betreiben wollen", sagte Dimon.

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Die Sparte Corporate und Private Equity werde im zweiten Quartal wohl ein Minus von 800 Millionen Dollar ausweisen. Das Desaster werde aber auch noch in den folgenden Quartalen Spuren hinterlassen. Die Fehler seien umso peinlicher angesichts der Tatsache, dass sich das Management stets gegen eine strengere Regulierung der Banken im Rahmen der sogenannten Volcker Rule ausgesprochen habe, die vorsieht, dass das Geschäfts- und Investmentbanking getrennt wird. "Das lässt uns ziemlich dumm dastehen", räumte Dimon ein.

J.P.-Morgan-Aktie bricht um fast sieben Prozent ein

Der Bereich Chief Investment ist nach Angaben von J.P. Morgan der Firmenzweig, über den Wetten eingegangen werden, die die Beteiligungen an individuellen Beständen absichern sollen, etwa Kredite an Firmen mit einer schlechten Bewertung bei einer Rating-Agentur.

Die J.P.-Morgan-Aktie verlor nachbörslich fast sieben Prozent und zog auch andere Bankentitel nach unten. Die Anteilsscheine von Citigroup tendierten im elektronischen Handel mehr als zwei Prozent schwächer, Bank of America gaben 1,7 Prozent nach. Die Nachricht dürfte damit auch den gesamten Markt belasten. Der S&P 500 Futures brach mehr als elf Prozent ein, der Nasdaq Futures rutschte sogar knapp 17 Prozent ins Minus. J.P. Morgan ist gemessen an den Vermögenswerten die größte US-Bank.

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Leserkommentare
  1. weiter. Es ist wohl nur eine Frage der Zeit bis es auch wieder Europäische Banken erwischt.

    Im Gegensatz zu den USA haben Europäische- und auch Deutsche Banken ihre "Schutzengel" in der Politik. Gegen jegliche Bankenkrisen werden hier, Federführend durch die Merkel Regierung, auch die noch "Faulsten" Bankgeschäfte "Bankenrettungscbirme" auf Kosten der Steuerzahler durchgewunken.

    Verluste verschwinden wie bei der HRE und den Landesbanken in undurchsichtigen Bad Banks.

    Zit. Merkel: "Bad Banks wird es mit mir nicht geben" ist noch gar nicht so lange her.

    Die Bürger, Steuerzahler tragen alle Risiken, hohe Steuern und Sozialabbau sind die Folgen dieser unsäglichen Politik.

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    • Bashu
    • 11. Mai 2012 10:54 Uhr

    war mal der Tenor, von Merkel bis Obama. Alles Lippenbekenntnisse, bis das Volk sich halbwegs beruhigt hat. Es wird weiter russische Roulette mit unserem Hab und Gut gespielt.

    • joG
    • 11. Mai 2012 16:54 Uhr

    ....Wieso? war das Spekulation? Dann haben Sie etwas anderes gehört als ich. Ich hatte verstanden, dass eine Absicherung nicht geklappt hatte.

    "m Gegensatz zu den USA haben Europäische- und auch Deutsche Banken ihre "Schutzengel" in der Politik."

    Vor allem sind die europäischen Banken mit weniger Eigenkapital (relativ den Risiken) ausgestattet. JPMorgan hat mW eine Billanzsumme von über Billion Dollar und ist mit oberhalb von 10% Tier1 Kapital ausgestattet. Da sind 2 Milliarden zwar ärgerlich, aber....

    der Beitrag zielt vielmehr auf die Europäischen Verhältnisse.

    Auf die zwei Milliarden Dollar und die Verhältnisse in den USA kann man den Beitrag nur global anwenden, ich wollte bewußt die Schwächen unseres Bankensystems ansprechen.

    Allerdings haben Risiko Absicherungen über dubiose Anleihegeschäfte oder Warentermingeschäfte o.Ä. auch die großen Renten Fonts in den USA in arge Bedrängnis gebracht. Das hohe Eigenkapital hat da nicht lange Bestand gehabt.

  2. Man hätte nicht die "Occupy-Demonstranten gewaltsam abführen sollen, sondern denen zuhören sollen.
    Die Zocker hat man gewähren lassen, weil die Gier regiert die Welt.

    • neu_de
    • 11. Mai 2012 7:48 Uhr

    Denen das Geld abhanden gekommen währe. Nur ist das das tägliche Geschäft und keine Meldung wert.

  3. Nachdem der Bankensektor zu einem Casinobetrieb mutiert ist,
    sind das relativ alltägliche Vorgänge.
    Solange unsere Volksvertreter den Zockerabteilungen dieses
    Spielfeld ohne Regeln überläßt und damit zur Geisel dieser
    Satansbrut wird, solange wird dieses Treiben munter weiter
    gehen und die Rechnung wird im Falle des Falles den Nichtzockern überlassen. Nur deren Boni besteht aus
    Zahlungsverpflichtungen, und die werden gnadenlos
    eingetrieben, um was damit zu bewerkstelligen, richtig,
    die Spieler wieder mit Jetons zu füttern. Und wenn sie nicht
    gestorben sind, dann zocken sie noch morgen.

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    Wie wäre es mit 100 Milliarden?

    Da wurden mal eben Schrottpapiere der WestLB, im Wert von 100 Milliarden Euro an den Staat übertragen.
    http://www.handelsblatt.com/unternehmen/banken/schaeubles-plaene-in-gefa...

    Gab's da irgendeine große Schlagzeile? Irgendeine Sondersendung.
    Nö. Wir Deutschen machen das aus der Portokasse. Was stellen sich die Amis da kleinlich an.

    13,1 Milliarden Miese? Ist doch gar nicht der Rede wert...

    "Die Griechenland-Umschuldung hat ein tiefes Loch in die Bilanz des Bankenrettungsfonds Soffin gerissen. Der Fonds zur Finanzmarktstabilisierung schloss das Jahr 2011 mit einem Verlust von 13,1 Milliarden Euro ab, wie die Bundesanstalt für Finanzmarktstabilisierung (FMSA) als Soffin-Verwalter am Freitag in Frankfurt mitteilte."
    http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/griechenland-schulden-ba...

    Sind doch alles nur Zahlen in einem Buch – oder etwa nicht?

    • Moika
    • 11. Mai 2012 9:45 Uhr

    Das ist nicht ganz richtig: Der Markt ist eigentlich relativ gut reguliert. Was meiner Meinung nach fehlt sind klare Haftungsregelungen für die Akteure.

    Beispiel: Hätte ein deutscher Banker ein sogenanntes Subprime-Darlehen ausgezahlt, wäre er achtkantig rausgeflogen und vermutlich noch wegen Betruges angeklagt worden. Das hielt viele Vorstände deutscher Banken aber nicht davon ab, die Junkkredite millionenfach anzukaufen. In meinen Augen ebenfalls ein glatter Betrug, denn hier wurden Kundengelder auf unverantwortliche Weise einfach verbrannt.

    Warum werden die Verantwortlichen dieses Desasters, das den Finanzcrash erst richtig ermöglichte, nicht juristisch belangt? Warum werden die nicht nicht mit dem letzten Pfennig ihrer Vermögen zur Haftung für ihr Handeln herangezogen? Die wußten schließlich nur zu genau, auf welche Spielchen die sich einließen.

    Solange die Protagonisten solcher geschäftsmäßigen Zockereien nicht voll in die Verantwortung genommen werden können, wird sich grundsätzlich nichts ändern. Es ist die Politik, die hier zum wievielten (?) Male versagt und verhindert, daß der Gier der Menschen endlich Grenzen gesetzt werden.

  4. Hab zwar in keinem Gelebt. Habe aber langsam den Eindruck, das es den Menschen im Kommunismus besser ging, sofern man sich Partei-konform verhielt. Nicht sowas wie in Nordkorea!

    Persönlich lebe ich lieber in einer Demokratie, sofern diese gerecht ist. Davon kann leider keine Rede mehr sein.

    Also bleibt mir nichts anders übrig als Abzuwarten. Was uns die Zukunft bringt und dann den dafür Verantwortlichen.

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    > Hab zwar in keinem Gelebt. Habe aber langsam den Eindruck,
    > das es den Menschen im Kommunismus besser ging
    Schauen Sie sich nochmal um: Sozialismus - sonst konsequent bekämpft und tabuisiert - haben wir schon längst.

    Wir (zumindest die, die noch Steuern zahlen) sind nämlich immer dann alle Genossen, wenn es darum geht, für die Fehlinvestitionen der "oberen 10.000" geradezustehen. Es ist ja auch völlig alternativlos, Individuen für die Konsequenzen ihrer Fehler selbst haften zu lassen - wenn diese Individuen nur reich = einflußreich genug sind.

    Aber wehe man gehört nicht diesen "Leistungsträgern" an. Da heisst es dann wieder "fordern und fördern", "wer nicht arbeitet soll auch nicht essen", "Arbeit macht frei" .. huch, da ist mir wohl gerade was durcheinander gekommen.

    Verzeihen Sie mir, es ist ja noch früh an diesem Freitag-Morgen ....

    • PALVE
    • 11. Mai 2012 8:11 Uhr

    Der Kommunismus ist eine Idee, die so noch nie verwirktlicht wurde.
    Das scheinen viele noch nicht erfasst zu haben.
    Und China ist kein kommunistisches Land, wenn man sich die Idee dagegenhält.
    Die Vorstufe des Kommunismus war der Sozialismus, der noch viele Fehler aufwies und neben einer Gesellschaftsform, in der es nur um Konsum und Profit geht, nicht lange auf dem Weltmarkt mithalten konnte.

    Wer sich mit der Idee des Kommunismus mal vertraut gemacht hat, sieht in ihm die Sehnsucht nach einer zutiefst menschlichen und gerechten Gesellschaft ohne Kriege.

    Hitler verfolgte die Kommunisten - heute sieht das mit der Verfolgung und Verunglimpfung nicht anders aus.

    ...ist eine Illusion. Ganz gleich in welchem System.

    Davon erzählt man Kindern zur Beruhigung, damit sie einschlafen können. So wie vom Osterhasen oder vom lieben Gott im Himmel.

    "Gerechtigkeit" ist schlechthin das Gegenteil von "Realität". Andernfalls müssen die Menschen in Eritrea, Burkina Faso, Sudan, El Salvador, Bangla Desh, Nordkorea etc. ganz schön was angestellt haben...

    • oh.stv
    • 11. Mai 2012 9:51 Uhr

    ... wie schnell manche Menschen der Demokratie den Rücken kehren.

    Auch ein schlag ins Gesicht der Millionen Menschen die den "Kommunismus" erleben "durften".

    Ich weiss echter Kommunismus ist in der Theorie gerecht, aber wir alle sollten mittlerweile akzeptiert haben, dass die Theorie hier in der Praxis leider nicht funktioniert.

    Auch wenn ich Ihre Wut auf die Bänker gut nachvollziehen (aber nur bedingt teilen) kann, für den Kommunismus reichen die Worte des bekannten Entomologen E.O. Wilson:

    Communism ? Wonderful theory, wrong species.

  5. Das wird doch hoffentlich der Steuerzahler dafür einspringen!!
    Alles Andere wäre doch keine Alternative, JP ist doch System relevant.

    Das ist Alltag, es gibt ein auf und ab. Peanuts für JP, das ist wieder ein Sturm im Wasserglas und gefundenes Fressen um ein paar Seiten Zeitung zu füllen.

  6. > Hab zwar in keinem Gelebt. Habe aber langsam den Eindruck,
    > das es den Menschen im Kommunismus besser ging
    Schauen Sie sich nochmal um: Sozialismus - sonst konsequent bekämpft und tabuisiert - haben wir schon längst.

    Wir (zumindest die, die noch Steuern zahlen) sind nämlich immer dann alle Genossen, wenn es darum geht, für die Fehlinvestitionen der "oberen 10.000" geradezustehen. Es ist ja auch völlig alternativlos, Individuen für die Konsequenzen ihrer Fehler selbst haften zu lassen - wenn diese Individuen nur reich = einflußreich genug sind.

    Aber wehe man gehört nicht diesen "Leistungsträgern" an. Da heisst es dann wieder "fordern und fördern", "wer nicht arbeitet soll auch nicht essen", "Arbeit macht frei" .. huch, da ist mir wohl gerade was durcheinander gekommen.

    Verzeihen Sie mir, es ist ja noch früh an diesem Freitag-Morgen ....

  7. Wir zahlen die zwei Milliarden einfach. Was solls.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, AFP
  • Schlagworte JPMorgan Chase | Bank of America | Börsenaufsicht | Citigroup | Dollar | Handel
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