Sieben Monate hatte er gekämpft und im Herbst 2007 wie der strahlende Sieger ausgesehen: Fred Goodwin, Chef der Royal Bank of Scotland (RBS), hatte im Bieterwettbewerb um das niederländische Geldinstitut ABN Amro den Konkurrenten Barclays ausgestochen. "Goodwins Meisterstück", schwärmten Branchenkenner damals.

Tatsächlich aber brach dieses Geschäft RBS fast das Genick: Ohne Milliardenhilfen der britischen Regierung wäre die Bank längst pleite , bis heute gehört sie zu 84 Prozent dem Staat. Barclays, der große Verlierer des Übernahmekampfs um ABN Amro, kam dagegen ganz ohne Geld der Steuerzahler durch die Krise .

Sieger, die im Nachhinein als Verlierer dastehen, und Unterlegene, die sich später als die Überlegenen herausstellen - solche Erfahrungen machen Manager nach Übernahmeschlachten viel häufiger als bisher gedacht. Das zeigt ein dreiköpfiges Forscherteam der US-Universität Berkeley in einer jetzt veröffentlichten Studie.

"Nach einer Fusion wird das unterlegene Unternehmen an der Börse deutlich besser bewertet als die siegreiche Firma", lautet das Fazit des Ökonomentrios um die deutsche Berkeley-Professorin Ulrike Malmendier. Grundlage der Studie mit dem Titel "Winning by Losing" ist eine neue Datenbank mit detaillierten Informationen über alle Übernahmekämpfe in der amerikanischen Unternehmenswelt zwischen 1985 und 2009.

Die Arbeit stützt die schon lange von vielen Experten vertretene These, dass Fusionen und Übernahmen häufig nicht die in sie gesetzten Erwartungen erfüllen und nicht selten Werte vernichten. Unternehmensberater schätzen, dass rund die Hälfte aller Übernahmen scheitert.

Wissenschaftler haben sich allerdings bislang schwer damit getan, Erfolg oder Misserfolg von Fusionen seriös zu messen. Schließlich weiß niemand, wie sich die Geschäfte der Firmen ohne die Übernahme entwickelt hätten.

Die drei Berkeley-Ökonomen haben jetzt einen Weg gefunden, dieses Problem zu umschiffen. Sie konzentrieren sich ausschließlich auf Fusionsschlachten wie die um ABN Amro, in denen zwei Unternehmen um die gleiche Firma gekämpft haben.

Zu Beginn einer Übernahmeschlacht gibt es zwischen den Bietern keine systematischen Unterschiede, stellen die Wissenschaftler fest. Die Kontrahenten ähneln sich in aller Regel sehr, sowohl mit Blick auf die Umsatz- und Gewinnerwartungen der Analysten als auch gemessen an der Performance auf dem Aktienmarkt.