LandesbankLBBW stellt Nahrungsmittel-Spekulationen ein

Spekulationen an der Börse mit Mais, Soja, Weizen – für Verbraucherschützer sind das verantwortungslose Geschäfte. Die Landesbank Baden-Württemberg verzichtet nun darauf. von AFP und dpa

Das Hauptgebäude der Landesbank Baden-Württemberg in Stuttgart

Das Hauptgebäude der Landesbank Baden-Württemberg in Stuttgart  |  © Thomas Niedermueller/getty images

Die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) steigt vollständig aus dem Geschäft mit der Spekulation mit Lebensmittel-Rohstoffen aus. Künftig werde nicht mehr in Agrarrohstoffe wie Mais, Weizen, Soja und Kakao investiert, hieß es bei der Bank. "Damit reagieren wir auf die öffentliche Diskussion , inwieweit Investments in Nahrungsmittel ethisch vertretbar sind", teilte ein LBBW-Sprecher mit.

Deshalb würden voraussichtlich die beiden Fonds LBBW Rohstoffe 1 und LBBW Rohstoffe 2 LS mit einem Gesamtvolumen von rund 645 Millionen Euro (1. Quartal 2012) mit neuer Zusammensetzung angeboten. Im Portfolio der Fonds machten Agrarrohstoffe allerdings ohnehin nur einen kleinen Teil aus, sagte der Sprecher weiter. Künftig würden sich die Fonds ganz auf Rohstoffe wie Metalle, Öl und Gas konzentrieren.

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Die Fonds sollen vorbehaltlich der aufsichtsrechtlichen Zulässigkeit ab Jahresende ohne Agrarrohstoff-Investments angeboten werden. Der 2008 aufgelegte LBBW Rohstoffe 1 galt als erster Rohstoff-Fonds nach deutschem Recht. Er sollte vierteljährlich in die zehn aussichtsreichsten Rohstoffe investieren.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch begrüßte den Schritt der Landesbank. Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode sagte: "Nach der DekaBank der Sparkassen geht nun auch die Landesbank Baden-Württemberg den einzig richtigen Schritt und steigt aus den unverantwortlichen Geschäften auf Kosten der Ärmsten aus." Nun müssten auch die genossenschaftlich organisierten Volks- und Raiffeisenbanken nachziehen.

Auch für die Deutsche Bank , die immer noch zögere und bis zum Jahresende eine Studie zu den Auswirkungen der Nahrungsmittel-Spekulation vorlegen wolle, sollten die Reaktionen von DekaBank und LBBW ein klares Signal sein, sagte Bode. "Angesichts der erdrückenden Belege für die Schädlichkeit der Nahrungsmittel-Wetten gibt es nur eine richtige Konsequenz – aussteigen."

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Leserkommentare
  1. müssen generell geächtet und wenn möglich verboten werden. Es kann nicht sein, dass auf dem Rücken der Ärmsten der Welt versucht wird schnelles Geld zu machen. Besonders verwerflich ist es, da allgemein bekannt ist das deswegen Kinder sterben.

    Alle Banken an den Pranger die sich an diesem miesen Geschäft beteiligen.

    9 Leserempfehlungen
  2. sondern auch alle anderen Rohstoffe, welche vom Spekulanten nicht weiter Veredelt 8Verarbeitet) werden. Dann können die Großmetzgereien, auch weiterhin sIhre Schweinehälften, über Derivate absichern. Großmetzgereien
    eine Positionen Abzusichern ist von Vorteil, von Anbietern und Weiterverarbeitern. Nur die Reine Spekulation, um der Spekulation Willen, ist zu Verbieten, ohne Ausnahme!

    4 Leserempfehlungen
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    • Slater
    • 26. Juni 2012 9:46 Uhr

    und mit wem sollen die Großmetzgereien ihre Derivate
    abschließen, wenn niemand sonst handeln darf?
    nur die Produzenten an sich?

    Spekulationen verteuern Produkte nicht wesentlich,
    auch wenn sie natürlich genau zu kontrollieren sind

    viel wichtiger ist, dass alle Länder genug
    Grundnahrungsmittel selber herstellen oder fest beziehen
    und ihre unsinnige Überbevölkerung abstellen,
    was man aber kaum erreichen wird..

    solange die Güter knapp sind können allein die Erzeuger
    sie zurückhalten und beliebige Fabelpreise verlangen,
    das muss abgestellt werden, dann sind die Spekulanten machtlos,

    Ihr Beispiel Schweinehälfen zählt übrigens nicht zu den
    Grundnahrungsmitteln, darauf ist niemand angewiesen,
    solande der Preis sinnvoll ist, wird er bezahlt,
    ansonsten Brot gegessen

    Jede derivative Absicherung braucht einen Partner der diese trägt.
    Wie soll es also machbar sein, dass nur weiterverarbeitende Betriebe Derivate handeln?

    Der Verzicht auf Investments auf Agrarrohstoffe mag sinnvoll sein (je nach studie), ein Bankseitiger verzicht auf Spekulationen
    bedeutet jedoch gleichzeitig, dass keine Absicherungsgeschäfte - egal für wen - angeboten werden.

    • Slater
    • 26. Juni 2012 9:46 Uhr

    und mit wem sollen die Großmetzgereien ihre Derivate
    abschließen, wenn niemand sonst handeln darf?
    nur die Produzenten an sich?

    Spekulationen verteuern Produkte nicht wesentlich,
    auch wenn sie natürlich genau zu kontrollieren sind

    viel wichtiger ist, dass alle Länder genug
    Grundnahrungsmittel selber herstellen oder fest beziehen
    und ihre unsinnige Überbevölkerung abstellen,
    was man aber kaum erreichen wird..

    solange die Güter knapp sind können allein die Erzeuger
    sie zurückhalten und beliebige Fabelpreise verlangen,
    das muss abgestellt werden, dann sind die Spekulanten machtlos,

    Ihr Beispiel Schweinehälfen zählt übrigens nicht zu den
    Grundnahrungsmitteln, darauf ist niemand angewiesen,
    solande der Preis sinnvoll ist, wird er bezahlt,
    ansonsten Brot gegessen

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    • vino1
    • 26. Juni 2012 10:33 Uhr

    Natürlich verstärkt Spekulation Preisschwankungen (lesen Sie z.B. den Artikel über den Foodwatch-Report)!

    Wenn sich Produzenten an den erwarteten Preisen (also den Futures) orientieren, dann halten sie bei steigenden Spekulationspreisen die realen Güter vom Markt fern zur Verknappung, denn sie können ja später mehr erlösen. Das erhöht wieder die Preise für die Futures usw.

    So steigt und steigt der Preis wegen künstlicher, durch Spekulation motivierte Verknappung, obwohl genug Lebensmittel vorhanden sind. Gäbe es nur Absicherungs-Termingeschäfte, würde diese Spirale nicht entstehen.

    Daher: Spekulationssteuer ist das beste Gegenmittel - und je lebenswichtiger das abzusichernde Gut, desto höher soll sie ausfallen.

  3. Jede derivative Absicherung braucht einen Partner der diese trägt.
    Wie soll es also machbar sein, dass nur weiterverarbeitende Betriebe Derivate handeln?

    Der Verzicht auf Investments auf Agrarrohstoffe mag sinnvoll sein (je nach studie), ein Bankseitiger verzicht auf Spekulationen
    bedeutet jedoch gleichzeitig, dass keine Absicherungsgeschäfte - egal für wen - angeboten werden.

  4. und muss weitergehen.

    Alles was auf Kosten der ärmeren "dritte Welt" Länder geht, gehört auf den Prüfstand.

    Allein das Wort "dritte Welt" muss geächtet werden: Wir sind eine Welt und die "Reichen" leben als Parasiten auf Kosten der Armen, die sich nicht wehren können und verhungern.

    Deren Regierungen völlig korrupt sind und sich die Taschen vollstopfen mit dem Geld, das Ihnen die Reichen offerieren, um mit den Schätzen dieser armen Länder ihre Konten zu füllen und ihr süßes Leben finanzieren.

    Wann ist es eigentlich genug???

    2 Leserempfehlungen
    • vino1
    • 26. Juni 2012 10:33 Uhr

    Natürlich verstärkt Spekulation Preisschwankungen (lesen Sie z.B. den Artikel über den Foodwatch-Report)!

    Wenn sich Produzenten an den erwarteten Preisen (also den Futures) orientieren, dann halten sie bei steigenden Spekulationspreisen die realen Güter vom Markt fern zur Verknappung, denn sie können ja später mehr erlösen. Das erhöht wieder die Preise für die Futures usw.

    So steigt und steigt der Preis wegen künstlicher, durch Spekulation motivierte Verknappung, obwohl genug Lebensmittel vorhanden sind. Gäbe es nur Absicherungs-Termingeschäfte, würde diese Spirale nicht entstehen.

    Daher: Spekulationssteuer ist das beste Gegenmittel - und je lebenswichtiger das abzusichernde Gut, desto höher soll sie ausfallen.

    2 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Großmetzgereien"
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    • Mithra
    • 26. Juni 2012 10:55 Uhr

    Ihrer Theorie nach müssten die Lagermengen von Lebensmitteln kontinuierlich stark ansteigen.
    Haben Sie dafür Belege?
    Ich halte das für sehr unwahrscheinlich, da gekühlte Lagerung sehr teuer ist und ungekühlt Lebensmittel durch Lagerung sehr schnell an Wert verlieren.

    • joG
    • 26. Juni 2012 10:59 Uhr

    ....eine so wichtige Frage alleine sprechen würden lassen wollen. Im Laufe der Zeit habe ich sicherlich 30 oder 40 Primärstudien und sicherlich 10 Metastudien gelesen. Das Einzige, das man sagen kann schiene mir danach, dass man eine so generelle Aussage, wie Sie sie machen rational nicht machen kann. Vielmehr zeigt sich, dass es unterschiedliche Situationen gibt und die Ergebnisse der Studie dies wiedergeben. Generell kann man aber sagen, dass unter den meisten Bedingungen die Teilnahme grösserer Zahlen Investoren eher positive Wirkung haben und die Schwankungen retardieren.

    Wenn Sie den Wirklichen Schuldigen suchen für hohe Nahrungsmittelpreise suchen und beschuldigen wollen, deuten Sie besser auf die Eltern, die Kinder in eine Welt setzten und Konsumenten, die wie hier in Deutschland Milliardenwerte Lebensmittel teuer (relativ zum Haushaltsbudget der $1 Dollar/Tag Menschen) den Armen wegkaufen um es dann in den Müll zu werfen.

    • Slater
    • 26. Juni 2012 11:08 Uhr

    Lebensmittel zurückhalten um später mehr zu verkaufen?
    wer soll denn solange die Luft anhalten bzw. den Gürtel enger schnallen und später auf einmal einen ganzen Sack Kartoffeln essen?

    bei Tierfutter mag ich mir das noch halb vorstellen, da gibt es eben eine Pause ohne Tiere und später kann neu gemästet werden,
    Tiere sind aber eh Luxus, ohne die verhungert keiner,
    sind ja eh zu vermeiden

    -----

    unabhängig davon nochmal: durch Einstellung der Spekulation ist das nicht zu vermeiden (wobei bei Ihnen Spekulationssteuer schon weitaus besser als Verbot klingt),

    was hindert Menschen daran, die Hersteller direkt mit Geld auszustatten so dass sie ihre Erzeugnisse zurückhalten
    bzw. das Land aufzukaufen und nicht zu bebauen?

    das müsste man auch alles mitbehandeln,
    die Lösung kann nur der Aufbau einer kontrollierten
    staatlichen oder zumindest auf Kleinbauern verteilte
    sichere Grundversorgung sein, Land und genug Lebensmittel
    und sonstige öffentliche Güter wie Rohstoffvorkommen
    befreit von privaten Interessen

    die Spekulation an sich ist es aber nicht, welche einzuschränken ist,
    niemand kann Apple verbieten, nur 15 Ipads pro Jahr
    herzustellen und zu astronomischen Preisen zu verkaufen,
    der Markt, Angebot und Nachfrage, regelt das von selber,

    auf das Leben darf dass sich das in der Tat nicht ausbreiten,
    aber die Banken sind dazu der falsche Ansprechpartner,
    die Produktion muss kontrolliert werden,
    keine Engpässe, kein Zurückhalten

    • joG
    • 26. Juni 2012 10:39 Uhr

    ....wenn auch relativ gesehen ohne große Bedeutung. Wenn ein Teilnehmer sich nicht weiter an einem Markt beteiligt, so bedeutet das geringere Liquidität. Daraus folgt ein größerer Spread, was einer Verteuerung gleich kommt. Das ist bei einem "Spekulanten besonders schlecht, das solche Teilnehmer sich in beide Richtungen positionieren, je nachdem in welche Richtung die Preise ausreißen. Denn letztlich verdienen sie meistens daran, dass der Preis zu hoch oder zu tief ist und korrigiert (durch die Spekulanten).

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    • vino1
    • 26. Juni 2012 13:57 Uhr

    jeder Spekulant (= Nichtproduzent und Nichtkäufer der realen Güter), der dem Markt fernbleibt, ist ein Segen, weil so die Preisschwankungen reduziert werden!
    Erklärung s. kommentar 6.

    • nfb
    • 26. Juni 2012 10:51 Uhr

    Auf die deutsche wurde eingeschlagen von allen Seiten und Landesbanken die ebenfalls mit Nahrungsmittel Spekulierten blieben außenvor.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, AFP
  • Schlagworte Thilo Bode | Deutsche Bank | Recht | Fonds | Foodwatch | Gas
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