AutoindustrieOpel-Mitarbeiter boykottieren Betriebsversammlung

Aus Protest gegen die Schließung des Bochumer Opel-Werks: 2.000 Angestellte haben eine Betriebsversammlung vorzeitig verlassen – bevor der Vorstand ein Wort sagen konnte. von reuters

Angestellte vor dem Opel-Werk in Bochum (Archiv)

Angestellte vor dem Opel-Werk in Bochum (Archiv)  |  © REUTERS/Ina Fassbender

Im Streit um die geplante Schließung des Opel-Werks in Bochum ist es auf einer Betriebsversammlung zu einem Eklat gekommen. Aus Protest gegen die Pläne hätten 2.000 Mitarbeiter die Versammlung vor einer geplanten Vorstandsrede verlassen, sagte der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel.

Auf Einladung der Arbeitnehmervertreter waren Firmenchef Karl-Friedrich Stracke, Personalvorstand Holger Kimmes und Kommunikationsvorstand Johan Willems gekommen. Ein Unternehmenssprecher sagte, die Unternehmensführung nehme mit Bedauern zur Kenntnis, dass sie nicht zu Wort gekommen sei.

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Laut Einenkel hat die Belegschaft vom Management eine Zusage für eine Weiterführung des Werks nach 2016 erwartet . Entsprechende Signale seien jedoch ausgeblieben. Eine Fortsetzung der Versammlung, auf der zunächst er selbst zu den Beschäftigten gesprochen habe, sei deshalb sinnlos gewesen.

Keine Kündigungen

Der in einer Krise steckende Konzern will sein Werk in Bochum nach 2016 schließen , wenn dort die Produktion des Modells Zafira ausläuft. Im Gegenzug sollen bis dahin für alle vier Standorte der hohe Verluste schreibenden GM-Tochter in Deutschland betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen werden. Das hatten das Unternehmen, die IG Metall und der Konzernbetriebsrat gemeinsam mitgeteilt.

Einenkel distanzierte sich von der Mitteilung und betonte, er habe den Plänen zu Bochum niemals zugestimmt.

Die US-Konzernmutter GM hat schon mehrfach versucht, ihre Europatochter durch harte Einschnitte auf Kurs zu bringen . Der jüngsten Sanierungsrunde vor zwei Jahren fielen 8.000 Arbeitsplätze zum Opfer, das Werk im belgischen Antwerpen wurde geschlossen. Trotzdem steckt Opel in den roten Zahlen. Die von GM in Europa in den vergangenen Jahren angehäuften Verluste betragen inzwischen 14 Milliarden Dollar.

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Leserkommentare
  1. KIA gibt 7 Jahre Garantie (150.000Km)und 12 Jahre gegen Durchrostung, bei Hunday ist es ähnlich - die Fertigungsqualität ist hervorragen, wie auch Statistiken beweisen.
    Bei den deutschen Firmen von Audi, VW, Opel...Daimler gibt`s 2 Jahre und mehr scheint die Qualität auch nicht herzugeben. Es wird von rostenden Türen, kurz nach Garantieende defekten Hinterradlagern berichtet - von versagender Elektronik und hyperinflationierenden Reparaturkosten ganz zu schweigen.

    Die deutschen Autobauer leben vom längst vergangenen Ruhm.

    • Jörn
    • 16. Juni 2012 23:04 Uhr

    Etwas unsachlich, Ihr Beitrag. Opel gibt z.B. 12 Jahre Garantie gegen Durchrostung und das schon wesentlich länger als Kia. Die angeführte 7 Jahresgarantie ist im Prinzip eine Anschlußgarantie, die mit den Jahren und Kilometern in der Leistung abnimmt. Bei Kia ist sie im Preis eingerechnet, bei anderen Herstellern muss man sie dazukaufen. Die asisatischen Fahrzeuge boomen im Moment, weil sie günstig sind und das Design der anderen Fabrikate gut nachahmen. Industrie-Arbeitsplätze in Deutschland schafft das aber nicht. Daran sollte man auch mal denken.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...eingerechnet - nur, bei manchen Herstellern merkt man das garnicht.

    • Jörn
    • 16. Juni 2012 23:13 Uhr

    Es ist schon merkwürdig, was für ein Medienhype um die Werkschließung Bochum gemacht wird. Dort sind ca. 3300 Beschäftigte tätig und es wird jeden Tag wird berichtet. Dass z.B. EON jetzt in Deutschland 6.000 Stellen abbaut wird in den meisten Medien nur ganz klein erwähnt. Warum ist den Medien dies nicht jeden Tag eine Titelseite wert? Opel betreibt nach der Werksschließung in Bochum immer noch 3 Werke in Deutschland. Das ist immer noch mehr, als die meisten anderen Hersteller in Deutschland haben. Das sollte man beim Autokauf auch einmal berücksichtigen.

  2. auch bleiben, wenn eine wirkliche Diskussion nicht mehr möglich ist, weil die Beschlüsse längst feststehen? Um sich Entschuldigungsreden und Ausflüchte anzuhören? Das ist doch überflüssig.

  3. ...eingerechnet - nur, bei manchen Herstellern merkt man das garnicht.

    Antwort auf "@Cambert Kia"
  4. Die Fa. Opel ist Teil des GM-konzerns und die Amis dürfen dort Werke bauen und schliessen, so wie sie wollen.
    Wenn sie nicht wollen, dass die Fa. Opel weltweit verkaufen darf, dann ist es deren Entscheidung, auch wenn sie der Konzerntochter nachteilig ist.
    Wenn Mercedes in den USA Werke geschlossen hat, dann war auch kein Aufschrei in Deutschland zu hören.
    Blöd ist, dass wir den Neubau von Werken über die EU subventionieren, wo dies doch nur eine Verlagerung von Arbeitsplätzen bedeutet und es im Eigeninteresse jeden Konzerns ist, preiswerter in moderneren Fertigungen zu produzieren.
    Das ist effektive Lobbyarbeit die wir bezahlen.

  5. der Artikel sagt:
    "Die Fa. Opel ist Teil des GM-konzerns und die Amis dürfen dort Werke bauen und schliessen, so wie sie wollen."
    Richtig!
    Mich wuerde nur interesseiren, wie die GM Mutter Opel das copyright bezahlt, wenn es den Corsa und Astra in ganz Suedamerika (u a Erdteilen) unter Chevrolet Label produzieren lässt.
    Die Entwicklungskosten soll Opel fuer ihre Autos selber tragen, aber die Baupläne benutzt GM fuer das weltweite Wirtschaften in eigene Tasche!?
    Wer weiss da genaues!?

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters
  • Schlagworte Opel | IG Metall | Antwerpen | Dollar | Management | Produktion
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