Das war es also. Die Schlecker-Pleite ist endgültig, die Rettung blieb aus. 10.000 Verkäuferinnen hat das Unternehmen bereits Anfang April gekündigt , nun folgen weitere 14.300. Womöglich werden einige hundert Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz retten können, wenn der ein oder andere Markt von einem Wettbewerber übernommen wird. Viele Filetstücke der einstmals stolzen Drogeriekette gibt es aber nicht.

Der Firmengründer Anton Schlecker sei zu langsam, zu stolz, zu hartherzig gewesen, um das Unternehmen zu erhalten. Das war der Vorwurf der vergangenen Monate . Nun muss auch der Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz nach vier Monaten sein Scheitern eingestehen. Übrig bleiben nur Verlierer. Hierzu zählen die Beschäftigten , die nun noch im laufenden Monat die Kündigung zu erwarten haben. Aber auch die Unternehmen, die als vermeintliche Heilsbringer in letzter Minute Schlagzeilen machten und am Ende als Schnäppchenjäger dastehen, die versuchten, den herrschenden Druck für ein schnelles Geschäft zu nutzen: Karstadt-Eigentümer Nicolas Berggruen und der Finanzinvestor Cerberus. Letzterer wurde dadurch bekannt, als er 2007 Daimler die Mehrheit am US-Autobauer Chrysler abkaufte.

Kein Unternehmenskonzept zu erkennen

Gerade einmal 100 bis 150 Millionen Euro habe das Berggruen-Angebot für die Schlecker-Reste einschließlich der Warenbestände und Immobilien betragen, sickerte vergangene Woche aus Gläubigerkreisen durch. Das war nach einer Sitzung in Ehingen, bei der das Aus schon einmal erwogen und dann doch noch einmal aufgeschoben wurde. Von einem Unternehmenskonzept sei überhaupt nichts erkennbar gewesen, hieß es schon damals.

Auch die Gläubiger zählen zu den Verlierern. Allen voran der Kreditversicherer Euler Hermes, der Lieferungen an Schlecker im Wert von 300 Millionen Euro abgesichert hat. Die Lieferantengruppe Markant Finanz AG wird im Zuge der anstehenden Ausverkäufe ebenfalls hohe Werte abschreiben müssen.

Der dritte Großgläubiger, der nun Verluste hinnehmen muss, ist die Agentur für Arbeit. In der für den Firmenstammsitz Ehingen zuständigen Agentur in Ulm gab es stets Befürchtungen vor dem Kollaps, der nun eingetreten ist. Im April, als die ersten Schlecker-Frauen vor der Agentur Schlange standen, wurde noch versichert, es gebe zumindest in Süddeutschland beste Vermittlungschancen. Dass das Zweckoptimismus war, steht heute fest. Die tatsächlichen Vermittlungsquoten sind selbst in den Ballungsräumen erschreckend gering. Frauen, die doch einen neuen Job fanden, berichten von herben Einkommensverlusten.  

Die Regale müssen voll bleiben, flehten die Betriebsrätinnen

Auch der Unmut über den Insolvenzverwalter Geiwitz ist zuletzt gewachsen. Er habe das unausweichliche Ende wider besseres Wissen verschleppt und zu lange falsche Hoffnungen genährt, heißt es in der Belegschaft. Konkret wird Geiwitz vorgeworfen, die hohe Zahl an Kündigungsschutzklagen als wesentliches Hindernis bei der Investorensuche in den Vordergrund gestellt zu haben. Auch dass sich die Gewerkschaft ver.di einem Sanierungstarifvertrag mit einem 15-prozentigen Lohnabschlag verweigerte, bedauerte der Insolvenzverwalter öffentlich. Das hat die Belegschaft geärgert: Geiwitz habe versucht, das Versagen seiner Bemühungen ausgerechnet auf die  gekündigten Frauen abzuwälzen, die sich gegen die Vernichtung ihrer beruflichen Existenz gewehrt hätten, heißt es.

Fehlprognosen

In Gläubigerkreisen wird noch ein anderer Vorwurf geäußert. Geiwitz habe vor Monaten versprochen, alle unrentablen Filialen zu schließen und die Drogeriekette auf diese Weise wirtschaftlich zu machen. Mithilfe eines Gutachtens der Unternehmensberatung McKinsey wurden jene 2200 Filialen identifiziert, die seit der Insolvenz im Januar bundesweit geschlossen wurden. Doch als die vermeintlichen Verlustbringer dichtgemacht hatten, türmten sich die Verluste unvermindert weiter auf – zuletzt um täglich angeblich sechsstellige Beträge.

Hatte Geiwitz auf die falschen Berater gesetzt? Oder war für den ungebremsten Fall ein schleichender Warenboykott der verbliebenen Schlecker-Lieferanten ursächlich? Fast flehentlich hatten Schlecker-Betriebsrätinnen in den vergangenen Wochen dazu aufgerufen, die Regale müssten voll bleiben, wenn eine Rettung gelingen solle. Der Insolvenzverwalter hat sich zu seiner Fehlprognose bis heute nicht geäußert.

Dessen Büro, sagen verbitterte Beschäftigte nicht erst seit heute, sei am Ende vermutlich der einzige Gläubiger, der voll auf seine Kosten kommen werde.