ZinsmanipulationBankmanager belastet Ex-Barclays-Chef Diamond

Ein früherer Barclays-Manager hat ausgesagt, direkt im Auftrag des Vorstands Zinsen manipuliert zu haben. Auch die britische Notenbank kommt dadurch weiter in Bedrängnis. von reuters

Eine Filiale der Barclays-Bank in London

Eine Filiale der Barclays-Bank in London  |  © Carl Court/AFP/GettyImages

In der Affäre um Zinsmanipulationen durch Großbanken hat ein früherer Manager des britischen Geldhauses Barclays Fälschungen zugegeben. Er habe Mitarbeiter angewiesen, Zinssätze zu nennen, die unter dem tatsächlichen Wert lagen, sagte der zuletzt für das operative Barclays-Geschäft zuständige Jerry del Missier vor einem Ausschuss des britischen Parlaments.

Dabei habe er auf Anweisung des damaligen Barclays-Chefs Bob Diamond gehandelt. Diamond war Anfang Juli ebenso wie Missier wegen des Skandals zurückgetreten. Diamond hat aber erklärt, er habe keine Anweisungen zur Übermittlung falscher Zinssätze gegeben.

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Die Aussagen des früheren Spitzenmanagers nährten auch den Verdacht, die britische Notenbank könnte Barclays zu falschen Angaben ermutigt haben. Missier erklärte, sein Ex-Chef Diamond habe ihm gesagt, die Notenbank und die britische Regierung seien besorgt über die relativ hohen Zinskosten, die Barclays übermittele und sie wollten, dass die Bank reduzierte Zinssätze übermittle.

Kosten verschleiern und Gewinne einstreichen

Weltweit laufen in der Sache Ermittlungen gegen mehr als ein Dutzend Großbanken, darunter auch gegen die Deutsche Bank , UBS , JPMorgan, Bank of America und Citi. Ihnen wird vorgeworfen, von 2005 bis 2009 den Zinssatz Libor und andere Marktzinsen mit falschen Angaben manipuliert zu haben, um ihre wahren Refinanzierungskosten zu verschleiern und Handelsgewinne einzustreichen. Als erstes Haus hat Barclays ein Fehlverhalten eingeräumt und sich mit Behörden in den USA und Großbritannien auf eine Geldbuße von einer halben Milliarde Dollar geeinigt.

Der Libor wird einmal täglich in London ermittelt und zeigt an, zu welchen Konditionen sich Banken untereinander Geld leihen. Er basiert auf individuellen Angaben der Großbanken und dient als Referenz für Kredite an Unternehmen, Privatpersonen und weitere Finanztransaktionen in einem Volumen von 360 Billionen Dollar.

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Leserkommentare
  1. "Referenz für Kredite an Unternehmen, Privatpersonen und weitere Finanztransaktionen in einem Volumen von 360 Billionen Dollar."

    Da gibts eine Handvoll Leute, die manipulieren zugunsten von ein paar Zehntausend und ergaunern Beträge in der Größenordnung von Bruttonationaleinkommen.
    Folgen, also Strafen: keine.

    Oder glaubt hier jemand, daß das für irgendwelche Beteiligten *meßbare* Folgen haben wird?

    Und am anderen Ende heißt es "wir haben über unsere Verhältnisse gelebt". "Spätrömische Dekadenz". Alle müssen wir den Gürtel enger schnallen. Menschen bekommen Existenzprobleme, weil sie liegengelassene Pfandbons oder weggeschmissene Lebensmittel eingesammelt haben.

    Angesichts solcher Verhältnisse lohnt es sich vielleicht doch, langsam wieder auf Guillotinen-Bauer umzuschulen.

    14 Leserempfehlungen
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    • joG
    • 17. Juli 2012 10:37 Uhr

    ...es Konsequenzen haben wird. Wie weit sie gehen werden, ist noch nicht absehbar. Aber die Amis sind da ziemlich wenig zimperlich, wenn Gesetze gebrochen werden, wie die lange Reihe verurteilter, ehemals Großer zeigt.

    Auch sind die Regeln in den USA nach der Krise 2001 und 2008 relativ stark angezogen worden und werden das wohl noch weiter. Oh ja, da geschieht schon etwas, wenn man es auch hier nicht sieht.

  2. The Best Democracy Money Can Buy.

    2 Leserempfehlungen
    • joG
    • 17. Juli 2012 10:37 Uhr

    ...es Konsequenzen haben wird. Wie weit sie gehen werden, ist noch nicht absehbar. Aber die Amis sind da ziemlich wenig zimperlich, wenn Gesetze gebrochen werden, wie die lange Reihe verurteilter, ehemals Großer zeigt.

    Auch sind die Regeln in den USA nach der Krise 2001 und 2008 relativ stark angezogen worden und werden das wohl noch weiter. Oh ja, da geschieht schon etwas, wenn man es auch hier nicht sieht.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Verhältnisse"
  3. Europa wird angegriffen, einfache Bürger, der Mittelstand und die Realwirtschaft werden abgezockt und in Bedrängnis gebracht - alles für den Profit!

    Zumindest in Europa sollten wir versuchen, uns dagegen zu schützen - durch Regulierung und weitgehende Regeln für die Finanzbranche. Hier kann man sich dafür aussprechen und einsetzen:

    http://www.avaaz.org/de/b...

    4 Leserempfehlungen
  4. Dort könnte Er auch Lebenslänglich bekommen?

    Erst alle Regulierungen aufheben, und dann keine anständigen Strafen, bei absehbaren Missbrauch für Verbrechen im Zusammenhang mit Geldgeschäften haben!

    Haben wir irgendwo einen Gerichtshof wo Politiker verurteilt werden können. Für Kriegsverbrechen haben wir einen!

    Es wird sich wohl noch herausstellen, das die Zinsmanipulationen, Hand in Hand mit Politikern geschehen sind?

    Genau für diese Fälle brauchen wir einen Internationalen Gerichtshof, zur Abschreckung!

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters
  • Schlagworte Barclays | Deutsche Bank | Bank of America | Dollar | Ermittlung | Fälschung
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