SchienenverkehrDie Bahn erzielt höchsten Umsatz ihrer Geschichte

In den letzten sechs Monaten hat die Deutsche Bahn eine Milliarde Menschen transportiert und einen Rekordumsatz gemacht. Die Politik fordert jetzt Investitionen. von dpa

Der Deutsche Bahn-Chef Rüdiger Grube

Der Deutsche Bahn-Chef Rüdiger Grube  |  © Thomas Peter/Reuters

Die Deutsche Bahn hat in den ersten sechs Monaten dieses Jahres so viele Zugreisende befördert wie in keinem Halbjahr zuvor und entsprechend hohe Umsätze gemacht. Die Zahl der Fahrgäste stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um vier Prozent auf mehr als eine Milliarde. Die Einnahmen legten zwischen Januar und Ende Juni um 3,3 Prozent zu auf 19,5 Milliarden Euro. Das ist der höchste Halbjahresumsatz in der Geschichte der Deutschen Bahn. Das gilt auch für das Ergebnis vor Zinsen und Steuern: Es stieg um 16,6 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro. Nach Steuern stand ein Ergebnis von 794 Millionen Euro unterm Strich, ein Plus von 22,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Nicht berücksichtigt in den Zahlen sind dabei die Ergebnisse der 2010 erworbenen Bahn-Tochter Arriva . "Wenn im zweiten Halbjahr eine Rezession vermieden werden kann, dürfen wir davon ausgehen, dass der Konzern auch für das Gesamtjahr 2012 neue Rekordzahlen bei Umsatz und Ergebnis zeigen wird", sagte Bahn-Finanzvorstand Richard Lutz.

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Laut ihrem im Frühjahr beschlossenen Strategieprogramm DB 2020 will die Deutsche Bahn ihren Jahresumsatz bis zum Jahr 2020 auf 70 Milliarden Euro nahezu verdoppeln. Davon sollen 10 Milliarden Euro durch Zukäufe kommen. Zu etwaigen konkreten Übernahmeplänen äußerte sich der Vorstand nicht. "Oberstes Ziel ist der Schuldenabbau", sagte Bahn-Chef Rüdiger Grube . Akquise sei erst ein Thema, wenn der Schuldenstand unter 15 Milliarden Euro sinke. Ende Juni belief sich die Schulden des Konzerns auf gut 16,9 Milliarden Euro netto, für das Jahresende erwartet der Vorstand etwa 16,6 Milliarden – so viel wie 2011.

Seehofer fordert Investitionen der Bahn in Bayern

Angesichts der Rekordzahlen forderte CSU-Chef Horst Seehofer von der Deutschen Bahn höhere Investitionen in Bayern . Der Ministerpräsident nannte mehrere Projekte, die wegen fehlenden Geldes im Bundesverkehrsetat seit Jahren schleppend oder gar nicht vorankämen, wie etwa den Ausbau des Bahnknotens München und die Elektrifizierung der Strecken Nürnberg-Marktredwitz-Hof und Regensburg-Marktredwitz-Hof.

Auch der verkehrspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Uwe Beckmeyer , hat den Bund als Eigentümer der Bahn aufgefordert, die erwarteten hohen Gewinne in diesem Jahr in den Schienenverkehr zu investieren. Dringend notwendig seien die Anbindung aller deutschen Großstädte an den Fernverkehr, der Ausbau des Güterverkehrs und mehr Investitionen in den Lärmschutz, sagte Beckmeyer der Saarbrücker Zeitung .

Güterverkehr der Bahn schwächelt

Verbessern konnte die Bahn nach eigenen Angaben auch die Pünktlichkeit ihrer Züge : Der durchschnittliche Wert lag 2011 bei 92,9 Prozent. Im Januar dieses Jahres waren 96,5 Prozent aller Züge pünktlich, der Tiefstwert lag im Februar bei 94,3 Prozent.

Nicht ganz so rosig wie im Personenverkehr sah das Geschäft mit dem Güterverkehr aus. Hier verhinderte die Konjunkturabschwächung nach Bahnangaben bei DB Schenker einen spürbaren Ergebniszuwachs. Im internationalen Logistikgeschäft gab es einen Umsatzzuwachs von knapp einem Prozent. Im europäischen Schienengüterverkehr blieb der Umsatz leicht unter Vorjahresniveau. "Vor allem in der Stahlindustrie und beim kombinierten Verkehr hat die Transportnachfrage nachgelassen", sagte Bahn-Chef Grube zu den Gründen.

Einen deutlichen Rückgang verbuchte der Konzern bei seinem Busverkehr. Die in Personenkilometern gemessene Verkehrsleistung ging im Vergleich zum ersten Halbjahr 2011 um sieben Prozent zurück, wofür die Bahn in erster Linie sinkende Schülerzahlen in Deutschland verantwortlich macht.

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Leserkommentare
    • eazy-i
    • 26. Juli 2012 18:38 Uhr

    "Die Zahl der Fahrgäste stieg [...] auf mehr als eine Milliarde Euro."
    Hmm, lassen Sie mich raten: diese "Fahrgäste" sind direkt in die Schweiz gefahren.

    Evtl. sollte man in der Artikelbeschreibung nicht Menschen, sondern Fahrgäste schreiben.

    2 Leserempfehlungen
    • Nebula
    • 26. Juli 2012 18:40 Uhr

    Die Zahl der Fahrgäste stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um vier Prozent auf mehr als eine Milliarde Euro.

    Da stimmt irgendwas nicht :) Bitte um Verbesserung.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    Redaktion

    Danke für Ihre Hinweise. Wir haben den Fehler korrigiert.

    • yeksaa
    • 26. Juli 2012 18:40 Uhr

    Irgend welche Verbesserungen? - kommt darauf an, wo man die Wertetabelle ansetzt.

    Mit realen Leistungen scheint es die Bahn allerdings nicht sehr genau zu nehmen, als dass jene immense bahn -Preise gerechtfertigt wären.

  1. Redaktion

    Danke für Ihre Hinweise. Wir haben den Fehler korrigiert.

    Antwort auf "Hinweis"
    • kausz
    • 26. Juli 2012 20:06 Uhr

    Aktuell diskutiert der Verkehrsminister über den Bau einer neuen Schienenstrecke um den Güterverkehrs aus dem Rheintal herauszubekommen. Den Anwohnern wäre es zu wünschen. Es wurde schon einmal gebaut. Damals falsch.
    Von Bayern nach Berlin verläuft die Strecke über Thüringen.
    Beidesmal hat der damalige Ministerpräsident Bernhard Vogel durch Lobbyistentum dafür gesorgt dass falsche und überteuerte Strecken gebaut wurden (die teilweise immer noch nicht fertiggestellt sind).

    Bei der Strecke Köln Frankfurt wird darüber diskutiert ob die Investitionen je hereinkommen. Die Bahn rückt keine Zahlen raus.

    Die Stuttgart 21 Neubaustrecke ermöglicht keine Verlagerung von Gütern auf die Schiene. Es werden keine Schienengüterverkehrskapazitäten geschaffen. Der Flaschenhals, die Schiebestrecke an der Geislinger Steige.

    Dadurch dass sich die DB Netz AG sehr intransparent innerhalb der Deitschen Bahn AG befindet (Einflussnahmen des Bahn Chefs u.a. sind sehr einfach) sind die Kosten des Schienennetzes sehr intransparent. Auch wurden, speziell unter Hartmut Mehdorn, Investitionen in das Schienennetz vermieden und als Gewinne bei der DB AG ausgewiesen.

    Das Schienennetz sollte umgehend aus der Deutschen Bahn AG herausgetrent werden. Es gehört unter vollständige Kontrolle der öffentrlichen Hand und kann gerne von einem privaten Betreiber, immer auf 5-10 Jahre, betrieben werden.

    Dies ist seit vielen Jahren eine Forderung des Monopolkomission (arbeitet im Auftrag der Bundesregierung).

    Eine Leserempfehlung
  2. Die kritischen Strecken sind nun endgültig ausgelastet.
    Die unrentablen weiterhin unrentabel.
    Mit anderen Worten, es hat sich ausoptimiert.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Aber hier sieht man den großen fortschritt gegenüber der alten Behördenbahn, da waren alle Strecken unrentabel.

    Im Ernst, gemessen am Ziel Verkehr auf die Schiene zu bekommen war die BAhnreform von 1994 ein Erfolg. Die Zahl der FAhrgäate ist über 70% gestiegen. Nur das Ziel, dass die BAhn den Staat weniger kostet wurde nicht erreicht, das Schienenwesen kostet weiterhin 15-20 Mrd. € pro JAhr

  3. Aber hier sieht man den großen fortschritt gegenüber der alten Behördenbahn, da waren alle Strecken unrentabel.

    Im Ernst, gemessen am Ziel Verkehr auf die Schiene zu bekommen war die BAhnreform von 1994 ein Erfolg. Die Zahl der FAhrgäate ist über 70% gestiegen. Nur das Ziel, dass die BAhn den Staat weniger kostet wurde nicht erreicht, das Schienenwesen kostet weiterhin 15-20 Mrd. € pro JAhr

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Horst Seehofer | Deutsche Bahn | Rüdiger Grube | Uwe Beckmeyer | Bahn | Euro
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