Flugverkehr : Lobbys rangeln um die Ticketsteuer

Airlines wehren sich gegen die Luftverkehrssteuer. Die Abgabe koste sie eine halbe Milliarde Euro im Jahr, sagen sie. Umweltschützer hingegen wollen die Steuer stärken.
Startende Lufthansa-Maschine auf dem Flughafen Frankfurt/Main © Daniel Roland/AFP/Getty Images

In der Regierung sorgt die Luftverkehrssteuer bereits seit Wochen für Zoff. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer ( CSU ) sorgt sich um die deutschen Airlines und will die Steuer am liebsten sofort abgeschafft wissen. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble ( CDU ) hält dagegen aus Sorge um den Bundeshaushalt an ihr fest, um jeden Preis. Es gebe keinen Handlungsbedarf, verlautet aus seinem Ministerium.

Ein Jahr ist seit der Einführung der Ticketsteuer vergangenen. Auf charmante Art wollte die Bundesregierung 2011 mit hilfe der Abgabe Haushaltssanierung und Klimapolitik verbinden . Wer viel fliegt, der soll auch viel zahlen, so die Idee. Schließlich belastet kein anderer Verkehrsträger das Klima so stark wie das Flugzeug.

Jeder Fluggast, der von einem deutschen Flughafen abhebt, zahlt seither zwischen acht und 42 Euro Aufschlag auf sein Ticket, je nachdem, ob er einen Kurz-, Mittel oder Langstreckenflug bucht. 959 Millionen Euro hat die neue Steuer allein im vergangenen Jahr dem Bundeshaushalt gebracht. Und das soll auch so bleiben. Jedes Jahr hat Schäuble Einnahmen von rund einer Milliarde Euro eingeplant.

Aus Sicht der Luftverkehrswirtschaft aber gehört die Abgabe so schnell wie möglich abgeschafft. Vergangene Woche unterfütterte die Branche ihre Forderung mit einer Studie und entsprechenden Zahlen. Sechs deutsche Airlines, darunter Lufthansa , Airberlin und Tuifly , sehen sich über Gebühr belastet. Die Luftverkehrssteuer sei viel zu teuer, warnte Klaus-Peter Siegloch , Präsident des Bundesverbands der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL), in Frankfurt. "Sie treibt deutsche Fluggesellschaften in die roten Zahlen."

Airlines: Fluggäste umgehen Steuer gezielt

Deutsche Fluggäste würden, so die BDL-Studie, auf grenznahe Flughäfen im Ausland ausweichen, etwa nach Zürich , Straßburg und Amsterdam . Auch eine neue Buchungsstrategie will der BDL festgestellt haben. Wer etwa Hannover-Amsterdam-Chicago auf einem Ticket buche, zahle 45 Euro Ticketsteuer. Wer nur Hannover-Amsterdam und anschließend Amsterdam-Chicago getrennt buche, zahle dagegen nur acht Euro Steuer. Viele Deutsche würden in solchen Fällen gezielt zwei Tickets lösen, um Steuern zu vermeiden, vermutet der BDL.

Ohne die Steuer wäre die Zahl der Passagiere auf deutschen Flughäfen um rund fünf Millionen Menschen höher, klagt der Verband. Deutschen Airlines entgingen wegen der Abgabe eine halbe Milliarde Euro Einnahmen aus Ticketverkäufen.

Die Bundesregierung kommt dagegen in einem aktuellen Bericht an den Bundestag zu dem Ergebnis, dass die Passagierzahlen gegenwärtig um nur zwei Millionen niedriger liegen, als sie ohne die Steuer wären. Sie spricht von einer "gewissen Nachfragedämpfung" und verweist darauf, dass die Passagierzahlen trotz der Abgabe weiterhin wachsen.

Auch das Klima sei durch die Steuer geschützt worden. Insgesamt seien die CO2-Emissionen um 210.000 Tonnen zurückgegangen – das entspreche 0,6 Prozent der gesamten Emissionen des deutschen Luftverkehrs.

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Kommentare

26 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Und der Export...

Von den Lobbyisten des Flugverkehrs wird immer wieder verbreitet, daß Luftfracht soooo wichtig für die deutsche Exportwirtschaft sei.

In der Tat wird nicht einmal ein Prozent der deutschen Exporte mit dem Flugzeug transportiert.

Mit dem Import pestizidverseuchten Flugobstes aus Südamerika, bei eBay ersteigerter Plagiate deutscher Produkte und unter unmenschllicher Bedingungen produzierten Rosen aus Kenia sieht das ganz anders aus.

Was sagt man einer Frau damit durch die Blume - daß man sie über alles hasst?

http://www.ndr.de/fernseh...

Ticketabgabe

Nun ja, ich schliesse mich #1. an. Ausserdem wird immer noch Kerosin subventioniert bzw nicht ordentlich besteuert.
ABER:
Die Staffelung der Ticketabgabe ist nicht hinnehmbar.
Je weiter, desto höher die Ticketabgabe. Dies kann nicht im Sinne der Umweltverbände sein, denn das Flugzeug ist das einzige, schnelle Verkehrsmittel, welches Europa mit Amerika, Afrika, Asien und Südamerika verbindet. Diese Flüge sind sogesehen unausweichlich und kosten auch mehr als genügend.(Wenn es weniger als 1000€ von EU nach USA und zurück kostet, dann hat man Glück gehabt.)
Die Staffelung müsste genau aniproportional zur Entfernung sein, d.h. höchsten Preis für innerdeutsche und -europäische Flüge und niedrigste Kosten für Flüge, die lange in der Luft sind. Denn von München nach Berlin kommt man sehr viel grüner und noch schnell genug im Zug, während das Flugzeug nicht mal richtig in der Luft ist und schon wieder landet!
Somit kann ich als Fluggast sagen: Ticketabgabe ja gerne, aber bitte schön sollen die Wochenend-tripler nach Venedig oder sonst wo nahc Europa belastet werden und nicht die, die keine andere Wahl haben.

Die Steuer muss bleiben

Es ist niemandem erklaerbar, warum so ein grosser "Produzent von CO2" - also Umwetverschmutzer nicht mit einer Steuer an der "Rettung der Welt" genauer an der Energiewende und die dafür nötigen Investitionen beteiligt werden soll.
Auch ist es nur kleinkariert zu argumentieren, dass die Steuer ja angeblich nur da sei um das Haushaltloch zu stopfen.
Der Staat ist die Verpflichtung eingegangen sowohl in Verbesserung des Umweltschutzes, Vorschung und Feldversuch zu Elektromobilität, Energiewende, Netzausbau... zu investieren, dadurch reisst sich der Staat ein riessiges Loch in seinen Haushalt...und das muss von allen Umwelverschmutzern gestopft werden, dh die muessen an diesen Investitionen in Umweltprojekte beteiligt werden.
Da kann es kein DRUMHERUM geben.
Es können dies Investitionen nicht nur von den Autofahrern und den HausStromverbrauchern geleistet werden, sondern muss so weit wie möglich gefächert werden.

Natürlich muss der Staat weiter dafür werben und wirken, dass diese Steuer europaweit eingefordert wird, um der Flucht auf nachbar Flughäfen zu entgehen und die Deutschen Flugha¨fen nicht zu benachteiligen. Bei der momentanen Euro Kriese sollten doch auch die anderen Euro Laender ein Interesse an dieser Steuer haben, wenn alle diese Steuer einführen, kann es keine schädlichen Ausweichtendenzen geben!

Mut zur Steuer!