AutoindustrieOpel-Chef Stracke tritt zurück

Ohne Angabe von Gründen ist der Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke von seiner Position als Vorstandsvorsitzender zurückgetreten. GM-Vize Girsky übernimmt kommissarisch.

Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke ist zurückgetreten. Er habe neben dem Posten als Vorstandsvorsitzender auch den als Präsident von General Motors Europe abgegeben, teilte die Adam Opel AG mit. Stracke werde Sonderaufgaben für GM zu übernehmen. GM-Vize Stephen Girsky werde die Geschäfte von GM in Europa kommissarisch leiten.

Genaue Gründe für Strackes Rücktritt gab Opel nicht bekannt, auch keine Details zu dessen künftigen Sonderaufgaben. Der 56-jährige Ingenieur war erst im April 2011 an die Spitze von Opel gerückt. Wie es weiter hieß, wird der Aufsichtsrat von Opel in Kürze einberufen, um einen vorübergehenden Nachfolger für das Amt des Vorstandschefs zu benennen. Stracke sagte, er räume seinen Posten in dem Wissen, dass Opel "in eine gute Zukunft steuert". Er freue sich, für GM andere Aufgaben zu übernehmen.

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Stracke hatte erst kürzlich einen Zukunftsplan für den angeschlagenen Autobauer für die kommenden Jahre vorgestellt. Er sah unter anderem eine neue Markenstrategie, Export in andere Länder und Investitionen in 30 neue Modelle bis 2014 vor – eines davon, der Kleinwagen Adam, wurde erst am gestrigen Mittwoch als Weltpremiere vorgestellt. Am selben Tag kündigte Stracke in der Bild-Zeitung noch "23 neue oder aufgefrischte Modelle" bis 2016 an, außerdem eine "Qualitäts- und Service-Offensive". Eine verstärkte Partnerschaft mit dem französischen Autokonzern PSA (Peugeot, Citroën) soll zudem Vorteile im Einkauf und der Logistik bringen. Der Rücktritt ändere an dem Sanierungsplan aber nichts, betonte ein Opel-Sprecher.

"Chaos pur"

In dem Bild-Interview räumte Stracke zugleich ein, die US-Konzernmutter General Motors (GM) sei "zu Recht ungeduldig" mit Opel: "Deswegen müssen wir so schnell wie möglich wieder profitabel werden. Wir dürfen unserer Mutter nicht länger auf der Tasche liegen."

Laut Bloomberg hat das GM-Europageschäft (Opel/Vauxhall) seit 1999 Verluste von 16,4 Milliarden Dollar angehäuft. Auch im vergangenen Jahr verbuchte Opel einen Vorsteuerverlust von 747 Millionen Euro. Dabei wollte die deutsche GM-Tochter schon 2011 wieder schwarze Zahlen schreiben.

Mitten in der tiefen Krise steht Opel damit erst einmal ohne Führung da. Stephen Girsky dürfte als längerfristiger Opel-Chef nicht in Frage kommen, er gilt als heißer Kandidat für die Nachfolge des derzeitigen GM-Chefs Dan Akerson. "Das ist Chaos pur", kommentierte Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer. "Jetzt ist zu erwarten, dass die eiserne Hand aus Detroit durchregiert und viel Schaden anrichtet." Dudenhöffers Kollege Stefan Bratzel vermutet: "GM muss mit dem Sanierungsplan unzufrieden sein, sonst hätte Stracke nicht gehen müssen."

Leserkommentare
  1. Nach jahrzehntelanger Plünderung durch den "Stiefmutterkonzern" GM haben die Opelianer aus den USA nichts gutes zu erwarten.
    Nur weitere Behinderungen bei einer Rückkehr zu alten Tugenden.
    Frau Merkel wird Opel sicher zur Chefinnensache machen.
    Und sich genauso aktiv einbringen wie bei Schlecker.

    3 Leserempfehlungen
  2. Damit wären ja wohl zwei Gründe denkbar:

    Entweder Stracke ist aus wirklich privaten Gründen zurückgetreten.

    Oder, und wahrscheinlicher: die Vorstellungen von ihm und GM zum Thema Sanierung und zukünftige Modell-/Unternehmenspolitik passen nicht zusammen. Das hieße aber wohl "Gute Nacht Opel" - denn dann muss es um das Heute und die Zukunft der Adam Opel AG wahrlich schlecht bestellt sein.

    Wahrscheinlich will GM noch mehr von der Medizin geben, die die letzten 20 Jahre so toll gewirkt hat. Und wenn der Patient dann tot ist, wird man's auch noch Opel anhängen.

    Eine Leserempfehlung
  3. Girsky ist keineswegs Stracks Vize, wie es unrichtig in der Überschrift heißt, sondern er ist vielmehr Vizepräsident der gesamten weltweiten GM-Operationen und vermutlicher künftiger Gesamtchef von GM als Nachfolger von Dan Akerson.

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    Redaktion

    Hallo dunnhaupt, vielen Dank für Ihren Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert.

    Redaktion

    Hallo dunnhaupt, vielen Dank für Ihren Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert.

  4. Opel produziert seit Jahren beste Qualität. Vielfache Testergebnisse und Auszeichnungen belegen dies!Nur leider kaufen die "Inländer" vorwiegend Image und das zu weitaus teureren Preisen. Wer sind diese "Inländer"? Es sind überwiegend Dienstwagenfahrer bei denen der Preis häufig nur eine untergeordnete Rolle spielt, denn der Steuerzahler subventioniert ja kräftig. Es gibt Hersteller, die 70,80, 90% und mehr Ihrer inländischen Zulassungen mit Firmenwagen machen. Natürlich hat auch die seitherige GM-Politik entscheident dazu beigetragen, dass Opel nur noch als "Regionalmarke" in einem schrumpfenden süd-, west- und mitteleuropäischen Markt um Kapazitätsauslastung kämpfen muss. Opel/GM haben aber das Potential die Krise zu überwinden.

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    ... kaufen dann die gebrauchten und hochwertigen Firmenwagen. Im Prinzip sehr begrüßenswert, bedeutet aber für einen Hersteller wie Opel, dass dort entsprechend weniger nachgefragt wird. Dasselbe gilt natürlich auch für andere Hersteller, z.B. aus südlichen Ländern.

    ... kaufen dann die gebrauchten und hochwertigen Firmenwagen. Im Prinzip sehr begrüßenswert, bedeutet aber für einen Hersteller wie Opel, dass dort entsprechend weniger nachgefragt wird. Dasselbe gilt natürlich auch für andere Hersteller, z.B. aus südlichen Ländern.

  5. Redaktion

    Hallo dunnhaupt, vielen Dank für Ihren Hinweis, wir haben den Fehler korrigiert.

    Antwort auf "Kleiner Irrtum"
  6. ... kaufen dann die gebrauchten und hochwertigen Firmenwagen. Im Prinzip sehr begrüßenswert, bedeutet aber für einen Hersteller wie Opel, dass dort entsprechend weniger nachgefragt wird. Dasselbe gilt natürlich auch für andere Hersteller, z.B. aus südlichen Ländern.

  7. Die Automobilbaukapazitäten in ganz Europa sind viel zu hoch. PSA (Peugeot/Citroen) hat gerade angekündigt, ein Werk nahe Paris zu schließen und 8.000 Arbeitsplätze abzubauen. Leider ist es Opel nicht gelungen, für den deutschen Markt attraktive Fahrzeuge zu bauen, dazu reicht ein Blick in die zweimal monatlich in Auto, Motor & Sport veröffentlichten Zulassungszahlen sowie die Höhe der Opel-Händlerrabatte (von den internationalen Märkten wollen wir gar nicht erst reden). Aber keine Sorge, liebe Opelaner, Bundesfamilienministerin Schröder wird Euch ganz bestimmt retten, denn in den von der Bundesregierung versprochenen Kitas sind insgesamt 25.000 offene Stellen zu besetzen.

  8. ........unterschiedlichen Unternehmenskulturen:

    Während in Europa langfristig gedacht und gearbeitet wird
    (siehe VW, das i.d. 90er Jahren beinahe Pleite war)
    sind US-Firmen eher auf den kurzfristigen (Börsen-) Erfolg fixiert sind. Der Einstieg
    branchenferner Top-Manager ist deshalb haeufig genug die Regel.
    Eine der früheren GM-Topmarken, Oldsmobile, wurde wegen mangelnder Markendifferenzierung zu Grabe getragen, ebenso wie Pontiac.

    Die Marke "Saturn" hatte aus ähnlichen Gruenden nur eine Lebensdauer von 19 (!) Jahren...........

    Der in den USA immer noch sehr populäre Chevrolet/Chevy wird auch in Europa
    angeboten........nur handelt es sich hier, in der Regel, um Daewoos aus Süd-Korea........

    Währende also Opel der Verkauf in den Wachstumsmärkten Asiens verboten ist,
    macht GM seinen europäischen Töchtern,Opel und Vauxhall, schamlos Konkurrenz
    mit seiner asiatischen Tochter Daewoo/Chevrolet.

    Diese bemerkenswerten GM-Manger glauben auch noch, dass eine Kooperation
    von Opel mit Peugeot/Citroën, das mit den exakt gleichen Problemen zu kämpfen hat
    (praktisch alle Absatzmärkte liegen in Europa und Nordafrika), einen Erfolg zeitigen könnte........

    So schlimm diese katastrophale Unternehmensstrategie für Opel ist ( es wird wohl
    ebenso wie die GM-Tochter Saab vom Markt verschwinden ), so gut ist sie für die
    deutschen Autobauer: langfristige (deutsche) Unternehmensstrategien werden sich gegen
    vermeintliche Quartalserfolge an den US-Börsen durchsetzen.

    Eine Leserempfehlung

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