Frage: Herr Bratzel, was verbinden Sie mit Opel ?

StefanBratzel:Opel ist eine Billigmarke. Die große Geschichte ist unter die Räder gekommen.

Frage: Ist von der Traditionsmarke überhaupt nichts mehr übrig?

Bratzel: Wenig. Opel kommt nicht aus den Negativschlagzeilen – und das ruiniert das Image. Die Marke kann für ihre Autos deshalb nicht das gleiche Geld wie Wettbewerber mit vergleichbaren Modellen verlangen.

Frage: Der elektrische Ampera ist Auto des Jahres. Gerade hat Opel den Kleinwagen Adam präsentiert. Der Insignia macht dem Passat Konkurrenz. Ist das alles nichts?

Bratzel: Opel setzt immer noch innovative Akzente. Aber die Probleme überlagern das alles. Nehmen Sie den Adam: Das Modell wurde ausgerechnet an dem Tag vorgestellt, als Karl-Friedrich Stracke als Opel-Chef zurücktrat. Dabei hätte man sich tolle Bilder vorstellen können. Das geht seit Jahren so. Die Kommunikation bei Opel ist ein einziges Desaster.

Frage: Immerhin hat es das Unternehmen geschafft, als Sponsor von Borussia Dortmund ins Geschäft zu kommen.

Bratzel: Na und? Der Schuss geht daneben, wenn das Engagement nur Geld kostet, aber nichts einbringt. Der BVB ist schon der fünfte Verein, den Opel sponsert. Das Geld verpufft. Man sollte jetzt mehr Energie darauf verwenden, die Probleme zu lösen. Danach macht auch die Imagepflege im Fußballstadion Sinn.

Frage:General Motors greift durch: Es gibt einen neuen – wenn auch vorläufigen – Chef, neue Vorstände, hunderte Manager sollen gehen . Wird der Kahlschlag helfen?

Bratzel: Die Personalpolitik von GM war in den vergangenen Jahren alles andere als nachhaltig. Es war das reine Chaos. Wenn man ein Unternehmen wieder profitabel machen will, ist das eine Katastrophe. Es ist GM nicht gelungen, die richtigen Leute an die richtigen Stellen zu setzen. Auch bei Volkswagen wurden kürzlich viele Positionen im Management neu besetzt. Aber bei VW gibt es genug Top-Manager und nachrückende Talente. Opel hat einen Großteil seiner guten Manager im Laufe der Jahre verloren.

Frage: GM begründet die Personalentscheidungen mit zu viel Bürokratie. Ist Opel zu bürokratisch geführt worden?

Bratzel: GM hat Opel gar nicht geführt. Mag sein, dass in Rüsselsheim ein bürokratischer Bauch entstanden ist, der nun weg muss. Aber wichtiger ist, die richtigen Leute an den entscheidenden Stellen zu haben – mit Rückendeckung aus Detroit.

Frage: Kann sich Opel nicht auf GM verlassen?

Bratzel: Ich habe das Karl-Friedrich Stracke vor zwei Wochen gefragt: Steht Detroit hinter Ihrem Sanierungsplan ? Seine Antwort war: ja.

Frage: Wenige Tage später war er seinen Job los.

Bratzel: Eben. Es scheint auch im Management von GM Führungsprobleme zu geben.

Frage: Versucht man es deshalb bei Opel jetzt mit Härte?

Bratzel: Diesen Eindruck habe ich sehr stark. GM versucht, mit aller Macht auch im mittleren Opel-Management eigene Leute zu installieren, um das Unternehmen schneller auf Kurs zu bringen.