Automobilindustrie"Das ist die letzte Chance für Opel"

Die Führung von General Motors hat den europäischen Markt falsch eingeschätzt, sagte Stefan Bratzel vom Auto-Institut. Opel hat als Billig-Marke keine Chance. von Henrik Mortsiefer

Frage: Herr Bratzel, was verbinden Sie mit Opel ?

StefanBratzel:Opel ist eine Billigmarke. Die große Geschichte ist unter die Räder gekommen.

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Frage: Ist von der Traditionsmarke überhaupt nichts mehr übrig?

Bratzel: Wenig. Opel kommt nicht aus den Negativschlagzeilen – und das ruiniert das Image. Die Marke kann für ihre Autos deshalb nicht das gleiche Geld wie Wettbewerber mit vergleichbaren Modellen verlangen.

Frage: Der elektrische Ampera ist Auto des Jahres. Gerade hat Opel den Kleinwagen Adam präsentiert. Der Insignia macht dem Passat Konkurrenz. Ist das alles nichts?

Bratzel: Opel setzt immer noch innovative Akzente. Aber die Probleme überlagern das alles. Nehmen Sie den Adam: Das Modell wurde ausgerechnet an dem Tag vorgestellt, als Karl-Friedrich Stracke als Opel-Chef zurücktrat. Dabei hätte man sich tolle Bilder vorstellen können. Das geht seit Jahren so. Die Kommunikation bei Opel ist ein einziges Desaster.

Frage: Immerhin hat es das Unternehmen geschafft, als Sponsor von Borussia Dortmund ins Geschäft zu kommen.

Stefan Bratzel
Stefan Bratzel

leitet das 2004 von ihm gegründete Center of Automotive Management (CAM) an der privaten Fachhochschule der Wirtschaft (FHDW) in Bergisch Gladbach. Nach dem Studium der Politikwissenschaften an der FU Berlin war er unter anderem bei Smart, der Mobilfunkfirma Quam und beim Softwarehaus PTV als Leiter der Geschäftsentwicklung Automotive tätig.

Bratzel: Na und? Der Schuss geht daneben, wenn das Engagement nur Geld kostet, aber nichts einbringt. Der BVB ist schon der fünfte Verein, den Opel sponsert. Das Geld verpufft. Man sollte jetzt mehr Energie darauf verwenden, die Probleme zu lösen. Danach macht auch die Imagepflege im Fußballstadion Sinn.

Frage:General Motors greift durch: Es gibt einen neuen – wenn auch vorläufigen – Chef, neue Vorstände, hunderte Manager sollen gehen . Wird der Kahlschlag helfen?

Bratzel: Die Personalpolitik von GM war in den vergangenen Jahren alles andere als nachhaltig. Es war das reine Chaos. Wenn man ein Unternehmen wieder profitabel machen will, ist das eine Katastrophe. Es ist GM nicht gelungen, die richtigen Leute an die richtigen Stellen zu setzen. Auch bei Volkswagen wurden kürzlich viele Positionen im Management neu besetzt. Aber bei VW gibt es genug Top-Manager und nachrückende Talente. Opel hat einen Großteil seiner guten Manager im Laufe der Jahre verloren.

Frage: GM begründet die Personalentscheidungen mit zu viel Bürokratie. Ist Opel zu bürokratisch geführt worden?

Bratzel: GM hat Opel gar nicht geführt. Mag sein, dass in Rüsselsheim ein bürokratischer Bauch entstanden ist, der nun weg muss. Aber wichtiger ist, die richtigen Leute an den entscheidenden Stellen zu haben – mit Rückendeckung aus Detroit.

Frage: Kann sich Opel nicht auf GM verlassen?

Bratzel: Ich habe das Karl-Friedrich Stracke vor zwei Wochen gefragt: Steht Detroit hinter Ihrem Sanierungsplan ? Seine Antwort war: ja.

Frage: Wenige Tage später war er seinen Job los.

Bratzel: Eben. Es scheint auch im Management von GM Führungsprobleme zu geben.

Frage: Versucht man es deshalb bei Opel jetzt mit Härte?

Bratzel: Diesen Eindruck habe ich sehr stark. GM versucht, mit aller Macht auch im mittleren Opel-Management eigene Leute zu installieren, um das Unternehmen schneller auf Kurs zu bringen.

Leserkommentare
  1. Schon wieder die letzte Chance? Wenn es nicht genug Leute gibt die einen Opel kaufen, der aber immer noch produziert wird in zig Ländern dann muss man eben dicht machen, so ist das leider. Überproduktion mitsamt eines umkämpften Marktes sind wie ein Dschungel indem nur der stärkste überlbt. Die Arbeiter müssen sowas dann leider ausbaden, das ist am schlimmsten an dieser Tatsache.

  2. insgesamt auf ein Maß reduziert werden, mit dem man wieder Geld verdienen kann. ““

    Gestern lautete die gleiche Thematik auf diesen Seiten:

    ““ Revier fürchtet um Opel ““.

    Heute lässt man offensichtlichlich einen Auto-Lobbyisten zu Wort kommen, der sich so vorstellt:

    ““ Mittels eines fundierten Branchen-Know-hows und intimer Marktkenntnisse erarbeitet das Auto-Institut individuelle Marktforschungskonzepte und praxisorientierte Lösungen für seine Kunden aus der Automobil- und Mobilitätswirtschaft. ““
    http://www.auto-institut....

    Opel entwickelt und fertigt gute Autos, beispielsweise: Astra und Insignia.

    Der fehlende Gewinn ist teilweise den internen Verrechnungseinheiten des GM-Konzerns
    zuzuschreiben: Mit den Kosten des Entwicklungszentrums wird Opel voll belastet, das aber internationale Wachstumsmärkte, gemäß GM-Direktiven, nicht bedienen darf:

    ““....In den großen Auto-Auslandsmärkten Nordamerika und Brasilien darf Opel seine Modelle aufgrund GM-interner Anweisungen nicht verkaufen. Das Argument der GM-Führung: Opel würde dort den GM-Marken Buick und Chevrolet Konkurrenz machen, die in Rüsselsheim entworfene Modelle wie den Insignia oder den Astra unter eigenem Markennamen erfolgreich verkaufen. ....““
    http://www.manager-magazi...

    Der entlassene Opel-Chef Stracke wollte diese wichtigen Zukunftsmärkte für Opel erschließen, er scheiterte an der Konzernführung, ein Ergebnis: die Entlassung von Herrn Stracke.

    • B.B.
    • 23. Juli 2012 12:42 Uhr

    Wenn man die Testberichte liest, ist der Opel immer 100-150kg schwerer als die Konkurrenten. Daher ist die Beschleunigung mies, der Spritverbrauch hoch und die Agilität nur passabel. Das wäre mal eine Stellschraube, an der es sich lohnt zu arbeiten...

  3. Es wird Zeit, das Opel endlich wirklich saniert wird. Dieses Klein-Klein ist nicht mehr auszuhalten. Wenn ich Überkapazitäten habe, dann muß ich Werke schließen und Personal entlassen. Und keine Beschäftigungsgarantien aussprechen.

    Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Wenn Opel ein oder zwei Werke dicht macht, dann sorgt das mal für 1/2 Jahr für Wallung in den Medien, für ein paar wilde Aktionen der Gewerkschaften und für einen temporären Aufschrei in der Politik. Aber die Hunde bellen, und die Karawane zieht weiter. Danach geht es dafür um so besser weiter und nach 2 Jahren hört man nichts mehr davon und man redet von Opel endlich wieder von einem Automobilhersteller und nicht mehr von einem ständig notleidenden Unternehmen bei dem ich kein Auto kaufe, weil ich nicht weiß ob ich dann in 5 Jahren noch Ersatzteile bekomme oder ob es da schon abgewickelt ist...

  4. mag sein, aber das macht Opel doch nicht zu einer besseren Marke oder zu besseren Autos.
    Die Frage, wie man aus dem selbsgegrabenen tiefen Loch kommen will, ist mit "Schrumpfen" und "Führung" kaum beantwortet.

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    Wer einen Billigwagen kaufen möchte, kauft keinen Opel. Wer einen Luxuswagen braucht, kauft erst recht keinen Opel. Deutschland braucht Opel wie einen Kropf.

  5. Wer einen Billigwagen kaufen möchte, kauft keinen Opel. Wer einen Luxuswagen braucht, kauft erst recht keinen Opel. Deutschland braucht Opel wie einen Kropf.

  6. Einschlägig längst erbrachte Leistungen in der Frage, was die Verausgabung menschlicher Arbeitskraft begründet, unmöglich werden zu lassen, indem unzählige Dritte besagten Erkenntnisstand eigenmächtig in Abrede stellen, gefährdet ausnahmslos alle Hersteller einer so genannten Kernindustrie, der vor allem die hiesigen Automobilproduzenten angehören. Das Blickfeld angesichts dessen einzig auf die Adam Opel AG zu beschränken, vergeht sich insofern schiere Schmutzkonkurrenz betreibend bereits in verwerflicher Weise an der Vielfalt moderner Lebensweisen des Einzelnen.

  7. Irgendwie ein deja-vu zurück ins Jahr 2009/2010

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