Offshore-Windrad © Siemens

Wie schnell und wechselhaft das Geschäft mit Offshore-Wind sein kann, bewies in der vergangenen Woche der Technologiekonzern Siemens.  Da gab das Unternehmen den Verkauf von 300 Offshore-Windturbinen mit einer Leistung von 1.800 Megawatt an den Energieversorger Dong bekannt. Das dänische Unternehmen will mit den Windrädern einen Park vor der britischen Küste bauen. Auf 2,5 Milliarden Euro schätzt die Branche den Kaufpreis.

Das Milliardengeschäft kam für Siemens gerade rechtzeitig. Denn in einer anderen Unternehmenssparte sieht es derzeit düster aus. Siemens baut Umspannwerke auf hoher See – und fährt dort Millionenverluste ein. Rund eine halbe Milliarde Euro musste das Unternehmen bereits abschreiben , weil sich der Bau der riesigen Plattformen verzögert. Aussicht auf Besserung gibt es nicht. Die kommenden zwei Jahre würden in dem Geschäft kein Spaß, kündigte Siemens-Finanzchef Joe Kaeser am Donnerstag während der Präsentation der aktuellen Quartalszahlen an.

Die Verluste bei den maritimen Stromsteckern treffen nicht nur Siemens, sondern die gesamte Offshore-Windbranche. Vier von insgesamt acht Offshore-Stromplattformen, die in der Nordsee gebaut werden oder geplant sind, will Siemens liefern. Zwei Projekte davon sind aber schon jetzt mindestens anderthalb Jahre in Verzug.

Die Energiewende auf See verzögert sich

Das hat Folgen für die Energiewende auf See. Ohne Umspannwerk kann der Stromnetzbetreiber Tennet den Windparkbetreibern nicht garantieren, die Windräder pünktlich an das Netz anzuschließen. Die Betreiber wiederum brauchen die Zusagen zum Netzanschluss, um selbst wiederum Komponenten zu ordern.

So entsteht ein Rattenschwanz. Siemens' Probleme sind so am Ende auch die Problem etwa von RWE Innogy. Die RWE-Sparte wartet seit Monaten auf den Anschluss des Windparks Nordsee-Ost. Siemens sei das Nadelöhr, heißt es bei RWE Innogy.

Energiewende - "Offshore-Windparks können ein Schutzraum für Fische sein"

In der Branche ist man sich einig, dass Siemens wohl zu hoch gepokert hat, als der Konzern die Zuschläge für die vier Umspannplattformen ergatterte. Fast jeder Schritt ist seither für das Unternehmen Neuland. Siemens baut erstmals auf hoher See Umspannwerke für Hochspannungs-Gleichstromübertragung (HGÜ). An Land ist das nichts Neues, 100 Kilometer vor der Küste aber sehr wohl. Die Plattformen sind bis zu sieben Decks hoch. Eine von ihnen wiegt allein 15.000 Tonnen – so viel wie 25 voll beladene und getankte Airbus 380.

Jede dieser Plattformen, die inklusive Seekabel mehr als eine Milliarde Euro kosten kann, ist bislang eine Einzelanfertigung. Ein Sondermodell Energiewende sozusagen. Standards und Vorgaben gibt es nicht, diese musste sich Siemens zusammen mit den Genehmigungsbehörden erarbeiten. Gelten Vorschriften aus der Offshore-Öl- und Gasbranche oder doch eher aus dem Schiffsbau? Sollen alle auf die gleiche Kapazität ausgelegt sein oder nicht? Wegen des schlechten Wetters kann Siemens nur zwischen Mai und September die Anlagen bauen, auch das erschwert die Planungen.