MedienNew York Times holt sich BBC-Chef Thompson

Personalcoup in der Medienbranche: Mark Thompson, Chef der BBC, wechselt zur New York Times. Er soll das verlustreiche Blatt tiefer ins digitale Zeitalter führen.

Mark Thompson

Mark Thompson  |  © Nigel Roddis/Reuters

Ein Brite soll künftig die Geschäfte der renommierten, aber verlustreichen New York Times leiten: Der scheidende Generaldirektor der Rundfunkanstalt BBC, Mark Thompson, werde der nächste Chef der New York Times Company, teilte das börsennotierte Unternehmen mit.

"Unser Direktorium ist zu dem Schluss gekommen, dass Mark genau der Richtige ist, um das Unternehmen New York Times in dieser Zeit zu führen", schrieb Verleger und Verwaltungsratsvorsitzende Arthur Sulzberger Jr. in einer E-Mail an die Mitarbeiter. Thompson habe geholfen, die vertraute Marke BBC auf digitale Produkte auszuweiten. Das mache ihn zu einem idealen Kandidaten, die Times in Zeiten zu führen, in denen das Unternehmen digital und global expandieren wolle, sagte Sulzberger.

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Die New York Times und der zum Medienhaus gehörige Boston Globe durchlaufen schwierige Zeiten. Im Dezember verließ die frühere Chefin Janet Robinson nach 28 Jahren überraschend das Unternehmen. Die Werbeeinnahmen sind zurückgegangen. Wegen einer massiven Abschreibung auf das Informationsportal About.com fiel im zweiten Quartal ein Verlust von 88 Millionen Dollar (71 Millionen Euro) an. Die Tochter soll nun verkauft werden. Der Aktienkurs hat sich von seinem jüngsten Tiefstand von 5,50 Dollar erholt und steht nun bei gut 9 Dollar.

Das Unternehmen hat bereits zahlreiche Randgeschäfte abgestoßen, darunter ihre Lokalzeitungen und ihre Beteiligung an dem Baseball-Team Boston Red Sox. Das Medienhaus konzentriert sich neben dem namensgebenden Flaggschiff nun vor allem auf die weiteren großen Titel The International Herald Tribune und Boston Globe.

Hingegen stieg die Zahl der Online-Abos zur Jahresmitte auf 532.000. Lediglich zehn Artikel pro Monat lassen sich im Netz frei lesen, ab dann fällt die Bezahlschranke. Das Experiment wird von vielen in der Branche genau verfolgt.

Thompson war von 2004 bis kürzlich Generaldirektor bei der BBC und in dieser Position für die acht Fernsehkanäle, 50 Radiosender und diverse Internetseiten verantwortlich. Im März hatte er angekündigt, nach den Olympischen Spielen von seinem Posten zurückzutreten. In seine achtjährige Amtszeit bei der Rundfunkanstalt fielen aber nicht nur die digitale Neuaufstellung und zahlreiche Großereignisse. Thompson setzte auch harte Kosteneinsparungen durch, was ihm Kritik einbrachte.

Der Wechsel des 55-Jährigen nach New York ist einer der spektakulärsten Personalwechsel des Jahres in der Medienbranche. Dem ging eine achtmonatige Suche voran. Thompson wird seinen Job im November antreten und auch Mitglied des obersten Firmengremiums, des Verwaltungsrats werden.

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Leserkommentare
  1. 1. BBC...

    8 staatliche Fernseh- und 50 Radiosender für knapp 62 Millionen Menschen und mindestens 5 mal im Jahr genügend Geld für fantastische Film- und Serienproduktionen.
    Der ÖRR hätte den Mann mal holen sollen...

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters
  • Schlagworte Medien | BBC | Abschreibung | Chef | Dollar | Medienbranche
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