TarifstreitLufthansa-Aufsichtsratschef bevorzugt den großen Knall

Lieber hart auf hart, anstatt das Unternehmen zu gefährden – das ist die Strategie von Lufthansa-Chefaufseher Weber. Die Unternehmensleitung sieht das offenbar anders. von reuters

Jürgen Weber

Jürgen Weber  |  © Sean Gallup/Getty Images

Lufthansa-Aufsichtsratschef Jürgen Weber rät seinen Nachfolgern, Forderungen der Gewerkschaften nicht zu weit nachzugeben und im Zweifel lieber einen Streik zu ertragen: "Besser man lässt es zum großen Knall kommen, bevor sich das Unternehmen aus dem Wettbewerb katapultiert", sagte Weber der ZEIT.

Weber zufolge sind es die Gewerkschaften gewesen, die ursprünglich verhindert hätten, eine echte Billigfluglinie unter dem Dach des Konzerns zu etablieren. "Das größte Hindernis waren Teile der Tarifpartner", sagte Weber.

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Derzeit verhandelt Lufthansa mit der Gewerkschaft Ufo die Vergütung der Kabinenbesatzung neu.

Die Unternehmensführung fährt einen weniger harten Kurs, als ihn Weber empfiehlt. Sie will den möglichen Streik der Stewards und Stewardessen mit einer nachgebesserten Tarifofferte abwenden. Das Unternehmen werde der Gewerkschaft am Mittwoch ein verändertes Tarifangebot vorlegen, das auf positive Resonanz stoßen sollte, sagte Konzernpersonalchef Stefan Lauer.

Fronten verhärtet

Zugleich müsse sich die Lufthansa aber auch darauf einstellen, dass die Verhandlungen endgültig scheitern. Streiks seien wahrscheinlich. Die Konzernleitung rechne damit, "dass es eine turbulente Auseinandersetzung wird". Von unkalkulierbaren Arbeitsniederlegungen, die sich lange hinziehen, gehe er aber nicht aus.

Der Tarifstreit zieht sich inzwischen über 13 Monaten hin. Ufo fordert nicht nur höhere Gehälter für die 18.000 Flugbegleiter der Lufthansa, sondern stemmt sich gegen den Sparkurs der Airline. Die Gewerkschaft hat bereits mit Streikvorbereitungen begonnen.

Kritik der Mitarbeiter

Aufsichtsratschef Weber verteidigte im Gespräch mit der ZEIT auch seinen Wunschkandidaten für den künftigen Aufsichtsratsvorsitz, Wolfgang Mayrhuber : "Ich halte den Versuch, Wolfgang Mayrhuber zu beschädigen, für ein ganz fieses und unfaires Verhalten", sagte Weber. 40 Jahre habe der 2010 abgetretene Konzernchef dem Unternehmen gedient. Nun versuchten manche, sein Wirken massiv zu kritisieren. Das sei "primitiv und ungerechtfertigt".

Mayrhuber führte das Unternehmen nach Webers Wechsel an die Aufsichtsratsspitze bis 2010. Er hatte als Vorstandschef viele Sparmaßnahmen zu vermitteln , was ihm Kritik der Mitarbeiter einbrachte . Er organisierte den Kauf der Swiss Air und weiterer Gesellschaften. Einige davon erwiesen sich für den Mutterkonzern als Verlustbringer.

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Leserkommentare
    • frankly
    • 29. August 2012 17:30 Uhr

    Sicherlich steht die Lufthansa unter enormen Konkurrenzdruck, Schuld sind nicht nur hohe Personalkosten und Kerosinpreise etc., sondern auch vor allem Fehlentscheidungen des Managements. Eine veraltete Flotte die nun auf Teufel komm raus modernisiert werden muss, da man die Mitteilungen der Flugbegleiter von der Strecke nicht ernst nahm.
    Bei all diesen tollen Entscheidungen hat sich das Topmanagement jährlich das Gehalt um 20% erhöht, ganz ohne Streik! Das scheint niemanden zu empören.
    Wenn man spart sollte man mit gutem Beispiel voran gehen oder der Fisch stinkt immer vom Kopf.
    Zu befürchten ist, dass es den Herren herzlich egal ist was aus den Mitarbeitern wird. Sie beziehen eine Abfindung und ab zur nächsten Firma Gehälter kürzen.

    Sicherlich geben Flugbegleiter auch Getränke aus, in erster Linie sind Sie aber für die Sicherheit da. Die Entwicklung in der Branche ist beängstigend oder will man sich wirklich darauf verlassen, dass überarbeitete Crews Passagiere sicher ans Ziel bringen. Sicherlich wartet man auch hier auf den großen Knall.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters
  • Schlagworte Lufthansa | Wolfgang Mayrhuber | Airline | Gehalt | Jürgen Weber | Streik
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