Handy-HerstellerGoogle baut Stellen bei Motorola Mobility ab

Der einstige Branchenpionier ist auf Sparkurs: Bei Handy-Hersteller Motorola ändert sich nach der Übernahme durch Google die Zahl der Mitarbeiter und die Modellpalette. von dpa

Motorola-Werk in Schaumburg, Illinois

Motorola-Werk in Schaumburg, Illinois  |  © Scott Olson/Getty Images

Dem Handy-Hersteller Motorola steht nach der Übernahme durch Google ein massiver Stellenabbau bevor. Etwa jeder fünfte Arbeitsplatz solle verschwinden, es gehe um etwa 4.000 Jobs, berichten die New York Times und das Blog All Things D . Etwa zwei Drittel der Stellenstreichungen seien außerhalb der USA geplant.

Das Unternehmen werde sich aus unprofitablen Märkten und der Herstellung einfacher Geräte zurückziehen sowie die Modellpalette verkleinern, sagte der neue Motorola-Chef Dennis Woodside.

Anzeige

Google hatte Motorola Mobility für rund 12,5 Milliarden Dollar (10,2 Mrd Euro) gekauft . Nach offiziellen Angaben ging es vor allem um das riesige Portfolio aus 17.000 Patenten , das der Handykonzern besitzt.

Einst das erste Handy

Motorola hatte einst das erste Handy gebaut, war in den vergangenen Jahren aber hinter die Wettbewerber zurückgefallen. Mit der steigenden Beliebtheit von Smartphones dominieren heute vor allem Samsung (Galaxy) und Apple mit dem iPhone die Branche. Motorola setzte zuletzt wie auch Samsung auf das Google-Betriebssystem Android, macht aber im Gegensatz zu den Südkoreanern hohen Verlust.

Woodside wolle Motorola-Telefone wieder "cool" machen, heißt es in der New York Times . Zum Beispiel mit der Fähigkeit, an den Stimmen zu erkennen, wer sich gerade in einem Raum aufhält, besseren Kameras und langen Batterielaufzeiten.

Viele der Neuerungen sollen aus einem von Google geschaffenen Innovationslabor kommen. Es hat nur einige Dutzend Mitarbeiter und wird von der ehemaligen Chefin der Militärforschungsagentur DARPA, Regina Dugan, geführt.

Keine Bevorzugung

Statt der im vergangenen Jahr vorgestellten 27 Modelle solle es nur wenige geben – eine Strategie, auf die auch Apple setzt. Der vom Online-Einzelhändler Amazon geholte Manager Mark Randall will zudem die Zuliefererkette radikal verschlanken. Motorola habe bisher zu viel Geld für zu viele verschiedene Bauteile ausgegeben, sagte er der Zeitung.

Woodside wiederholte das Versprechen, dass Motorola nicht gegenüber anderen Android-Anbietern bevorzugt werde. Alles, was Google bei Motorola macht, wird sehr aufmerksam von Partnern wie Samsung, HTC , LG oder Sony Mobile verfolgt.

Sie dürften kritisch reagieren, wenn die neue Google-Tochter früher Zugang zu neuen Android-Funktionen oder nächsten Versionen des Betriebssystems bekommen sollte. Ein bekanntes Problem der Plattform ist die langsame Markteinführung neuer Android-Versionen, was auch an der Vielfalt der Geräte liegt.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Lage, Lage, Lage, Lage ... .

    Im Handybereich heißt es wohl: Marke, Marke, Marke und Design, Design, Design ... .

    Leider produzieren zudem immer weniger Hersteller noch selbst im eigenen Land. In der Vergangenheit war das vielfach noch so. Tragisch ist hierbei, dass mit Weggang der Technologiejobs auch viele einfache Jobs in den Fabriken verschwinden und in Summe in Asien stattfinden. Zwar können verschiedene Grundsatzpatente noch frei von den Produktionsstandorten stattfinden, aber in technologischen Details wird es schon schwieriger, da Wissen sich natürlich vor allem dort entfaltet, wo produziert wird.

    Ein Handy wurde zu einem LIFESTYLE-Produkt und damit den Regeln unterworfen. Noch sind PRADA & CO. Handys seltener, aber es wird wohl zunehmen, dass Modemarken auch mehr und mehr Gebrauchsgegenstände mit in das Programm aufnehmen. Heute vereinzelt Handys und übermorgen Automobile. Kreative wie APPLE dachten schon über ein Auto als ein APPLE-Produkt nach; sicher ist es aufgeschoben und nicht aufgehoben.

    Es ist traurig, dass nicht jeder Pionier und das ist MOTOROLA, es schafft, Märkte weiter zu prägen. Aber das ist leider das Unternehmensleben wie leider auch die Evolution: Natur ist manchmal arg grausam und manche Fehlercluster können auch tödlich sein.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Google | Android | Apple | Samsung | Sony | Amazon
Service