Baden-Württemberg : Aus Schlecker-Filialen werden Tante-Emma-Läden

Viele geschlossene Schlecker-Filialen haben vielleicht doch eine Zukunft. Bürgerinitiativen und Ex-Angestellte wollen die Geschäfte als Tante-Emma-Läden neu gründen.
Mitarbeiterin in einer Schlecker-Filiale (Bild vom Juni 2012) © Michaele Rehle/Reuters

Erste Frauen haben es bereits auf eigene Verantwortung getan, andernorts gründeten sich Bürgerinitiativen für leer stehende Schlecker-Filialen – nun könnten im Südwesten Deutschlands Läden gleich zu Dutzenden unter neuem Namen neu eröffnen. Denn 100 frühere Filialen der insolventen Drogeriekette sollen als Tante-Emma-Laden weitergeführt werden.

Nach Angaben der Dienstleistungsgewerkschaft interessieren sich bisher rund 40 frühere Schlecker-Mitarbeiterinnen für das Vorhaben. Sie wollen frühere Drogeriemärkte mit neuem Logo und dem Sortiment eines klassischen Dorfladens eröffnen.

Wie die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di mitteilte, soll dazu für jeden Laden eine eigene Mini-GmbH gegründet werden. Für die kleinere Variante der GmbH reicht bereits ein Euro Startkapital. Eine übergeordnete Holding soll dann beispielsweise die Buchhaltung und den Einkauf übernehmen. Denn die branchenüblichen Lieferanten sind nicht bereit, Geschäfte wegen Kleinstmengen anzufahren.

Bis Ende Oktober sollen mindestens drei Läden das Modell erproben. Das Vorhaben ist zunächst auf Baden-Württemberg begrenzt. Bundesweit gibt es ver.di zufolge aber rund 1.000 Standorte, die aufgrund ihres guten Umsatzes für eine Weiterführung infrage kämen.

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Kommentare

18 Kommentare Seite 1 von 4 Kommentieren

Vielfalt

... ehemalige Aldiläden für Tante Emma Läden zu nutzen ist sehr gut, könnte auch noch andere Anwendungen finden:
::: Kita-Plätze, meist liegt eine gute Verkehrsanbindung vor
::: Regionalmärkte
::: Dienstleistungszentren für sozial Schwache
::: interkulturelle Begegnungsstätten
::: Second Hand
::: usw.

Viel Glück, aber bitte nicht mit falschen Erwartungen:

Viele der Ladenlokale standen schon lange leer, bevor sie Schlecker zu Drogeriemarktfilialen gemacht hat. Auch dann noch waren sie z.T. unwirtschaftlich und nur Mittel von Schlecker, mit mehrfacher Präsenz noch in Randlagen, konkurrierende Drogeriemärkte niederzuringen.
Auch noch bestehsnde "nachbarschaftsläden" wie "Nah und Gut" von Edeka können kaum noch gegen Discounter und Große wie REWE bestehen.
Das wird hier nicht anders sein. Man wird sich mit Fantasie und Geschick alternative Konzepte ausdenken müssen oder kann vielleicht hier und da wegen einem Rückzug aus der Fläche und Konzentration auf größere Einheiten bei den Discountern eine neu entstandene Nische besetzen.
Vielleicht ergeben sich auch auf dem Land Chancen, wo ein Metzger oder Bäcker noch überleben konnte und jetzt das allgemeine Sortiment ausweitet, in dem Schlecker konkurrierte.
Dumm wäre es aber, wenn auf die Arbeitslosigkeit bei Schlecker aufgrund opportunistischer Fehlberatung oder naiven Wunschvorstellungen auch noch eine nachhaltig ruinierende Insolvenz folgte.

Es wird sicherlich...

... mit einigen Unannehmlichkeiten verbunden sein. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Preise in einem solchen Laden dann doch etwas höher liegen, als bei einer großen Kette, die ihre Ware in großen Mengen ordern kann. Auch mit der im Artikel angesprochenen Mini-GmbH, juristisch auch Unternehmsgesellschaft oder kurz UG, könnte es Probleme geben: Der Lieferant geht schließlich bei dem geringen Stammkapital ein großes Insolvenzrisiko ein: Das wird sich sicherlich auch auf die Verfügbarkeit von Lieferanten niederschlagen.

Den Versuch ist es aber sicherlich wert und man kann den Frauen dabei nur für Erfolg wünschen!

Da fragt man sich doch glatt,

warum die Tante-Emma-Läden schon mal verschwunden sind und was sich geändert haben soll, dass sie plötzlich wieder eine Zukunft haben sollen.
Ein Euro GmbH find ich gut, da muss wenigstens keiner haften für das Verdi begleitete Experiment.
Nur als Liefrant und oder Bank täte ich mich etwas schwer mit Kredit bei soviel Haftkapital und Gesellschafterengagement.

Zum scheitern verurteilt...

Nette Idee aber ohne Zuschüsse der Gemeinden letztlich zum Scheitern verurteilt.
Vor einiger Zeit kam ein Bericht dazu im TV. Eine ehemalige Schlecker-Mitarbeiterin hat in ihrem Dorf den Laden übernommen und einen kleinen Drogerie / Dorfladen draus gemacht. Kommentar einer Kundin "Toll wenn man mal was vergessen hat oder schnell was braucht."
Die Kunden ziehen es also von vorneherein nicht in Betracht, ihren kompletten Bedarf über diese Läden zu decken, sondern nutzen sie nur im Ausnahmefall. So kann ein solcher Laden letztlich niemals profitabel arbeiten. Das war das Problem von Schlecker und auch der Grund warum letztlich überhaupt überall die kleinen Dorfläden gestorben sind. Bis auf den Standortvorteil bieten sie keine weiteren Vorteile, jeder normale Supermarkt hatte ein größeres Drogerie Sortiment als n typischer Schlecker und selbst bei den Discountern findet man praktisch alles für den täglichen Bedarf.
Warum sollte ich also in so nen Dorfladen gehen, wenn ich im Supermarkt alles in größerer Auswahl und zu gleichen oder besseren Preisen bekomme? Richtig... gar nicht oder nur weil ich eben was vergessen hab.