Textildiscounter Kik"Alle feilschen um den letzten Cent"

Wir sparen nicht an den Löhnen der Näherinnen, sagt Kik-Chef Michael Arretz. Im Interview erklärt er, wie das Image der Billigkette aufpoliert werden soll. von Jahel Mielke und Henrik Mortsiefer

Frage: Herr Arretz, im Handel häufen sich die Insolvenzen. Macht Ihnen das Angst?

Michael Arretz: Uns verwundert, wie radikal die Schnitte sind, bei Schlecker , bei Neckermann , aber auch bei Karstadt . Auch wir hinterfragen in dieser Situation unser Geschäftsmodell, aber wir sind bei Umsatz und Gewinn gut aufgestellt.

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Frage: Sie profitieren von der Schlecker-Pleite. Die HH Holding, die auch Anteile an Kik hält, übernimmt mehr als 100 Filialen von Schlecker XL und IhrPlatz . Wie viele davon sollen zu Kik-Geschäften werden?

Arretz: Es werden zwischen 20 und 30 Filialen sein, einige auch in Berlin . Aber die Planung ist noch nicht abgeschlossen. Die Schlecker-XL-Märkte entsprechen eher unseren Filialgrößen von im Schnitt 550 Quadratmetern als die Ihr-Platz-Läden, die kleiner sind. Wir wollen künftig stärker in die Innenstädte und die Lagen mit viel Laufkundschaft. Das ermöglichen uns die Schlecker-Märkte, die wir jetzt übernehmen.

Frage:Kik soll ein höherwertiges Image bekommen. Mit wem werden Sie konkurrieren?

Arretz: Bisher sind unsere schärfsten Wettbewerber Takko, NKD und Ernsting’s. In Zukunft wollen wir uns aber neu positionieren. Die Ladenausstattung soll verbessert und das Warenangebot verändert werden.

Die Kette

Kik, 1994 in Bönen in Nordrhein-Westfalen gegründet, gehört zu 80 Prozent dem Handelskonzern Tengelmann. Auch die Woolworth-Eignerin HH Holding hält Anteile. Kik hat deutschlandweit 2.600 Filialen und beschäftigt bundesweit 17.500 Mitarbeiter.

Der Manager

Michael Arretz wurde 2010 in die Geschäftsführung des Textildiscounters Kik berufen, um sich um Kommunikation und Nachhaltigkeit zu kümmern. Zuvor war die Kette wegen der Arbeitsbedingungen bei Lieferanten in Bangladesch in die Kritik geraten. Der promovierte Biologe, 1960 in Bangkok geboren, arbeitete mehr als 17 Jahre beim Otto-Handelskonzern. Arretz ist verheiratet und hat zwei Söhne.

Frage: Weg von den aggressiven Farben und den engen, vollgestopften Läden?

Arretz: Wir wollen sympathischer und weniger ramschig werden, damit der Kunde sich wohlfühlt. Das heißt weniger Rot, mehr Silber und Grau. Wir haben bisher Gitterkörbe und Wühltische, nun soll es auch Schaufensterpuppen geben, die ganze Outfits präsentieren, sowie Rückwände mit Modefotos. Außerdem soll der Laden nicht mehr so voll sein, die Waren sollen einfacher zugänglich werden. Der Kunde weiß ja, dass wir preiswert sind.

Frage: Wie viel Angst haben Sie vor der irischen Textilkette Primark, die in Ihrem Preissegment anbietet, aber als trendiger gilt?

Arretz: Primark hat in Deutschland erst sieben Standorte, maximal 30 sind geplant. Das macht uns bei unseren 2.600 Standorten keine Sorgen.

Frage: Wie viel kostet Sie die Modernisierung?

Arretz: Bisher haben wir 400 Filialen umgebaut und dafür einen einstelligen Millionenbetrag ausgegeben. Bis 2015 sollen mehr als 2.000 Filialen modernisiert werden. Wir investieren rund 20 Millionen Euro. Dazu gehört beispielsweise auch ein neues Lichtsystem, mit dem wir bis zu 30 Prozent Energie sparen. Generell versuchen wir, den Betrieb möglichst günstig zu halten. Wir wollen keine hochwertigen Materialien verwenden. Wir sind schließlich ein Discounter.

Leserkommentare
  1. Nur mal ein kurzes googeln nach KIK und Arbeitsbedingungen zeigt so viele Einträge, da wären doch genug Fragen für ein kritisches Hinterherhaken. Aber komisch, die fehlen noch im Artikel???

  2. Das ist das, was mir zu KIK einfällt.
    Bettwäsche gekauft und bei 40 Grad gewaschen.
    Danach war nur noch das Gerippe übrig!
    Hemden kann man nach einmaligem Waschen auch keinem mehr zeigen sondern nur noch als Schlafanzug benutzen.
    Die Qualität ist so erbärmlich das jeder Euro einer zuviel ist.
    Aber kauft mal ruig weiter!

  3. "Leiharbeiter und Werkverträge gibt es bei uns nicht"

    das ist eine glatte lüge. konzerneigene töchter (zb logistik) verfahren genau nach diesen prinzipien.

    na ja, recherche tut not.

    hier was vom kollegen > http://www.youtube.com/wa...

    • 15thMD
    • 06. August 2012 16:09 Uhr

    Einkaufen würde da niemals. Ich finde den Einzelhandel in Konkurrenz zu Internet-Versand sehr unterstützenswert, vor allem im Bezug auf EInkaufserlebnis und das Stadtbild. Aber dann sollte es eben auch ein Laden sein, in den ich gerne gehe. Aber Kik bietet keins von beidem.
    Daher hoffe ich nur, dass die Läden nicht weiter die Fußgängerzonen belagern und Einkaufszentren unattraktiv machen. Das ist sowohl schlecht für die anderen Läden, als auch für die Kinder, die den Mist nähen müssen. Und da kann der Mann erzählen was er will, wenn man ein T-Shirt für 3,50 anbietet und trotzdem derart hohe Gewinne macht, dann muss man irgendwo sparen.
    Ich appeliere wirklich an jeden, der sich auch nur irgendetwas anderes als diese Discounter leisten kann, nicht zu Kik gehen. H&M tuts doch auch, und das zu nur geringfügig höheren Preisen (ansehnliche Läden, Kundschaft und Produkte sowie angemessen bezahlte Beschäftigte, auf jeden Fall in DE, mit gewisser Aufstiegschance im Einzelhandel). Meiner Meinung nach sollten 10€ (mind.!) pro TShirt schon drin sein, für die Beschäftigten in der 3., 2. und 1. Welt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Und Sie glauben, bei H&M sieht es besser aus mit der Kinderarbeit? Scheinbar ist bei Ihnen das Image doch wichtiger als Sie es versuchen im Titel herunterzuspielen.

    • footek
    • 06. August 2012 16:15 Uhr
    5. [...]

    Auf Wunsch gelöscht. Danke, die Redaktion/mo.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • Dakra
    • 06. August 2012 16:25 Uhr

    Dann muessten naemlich auch saemtliche ALDI-Filialen geschlossen werden. Wollen Sie das?

    • footek
    • 06. August 2012 16:19 Uhr

    bitte um Löschung meines Kommentars von 16:15. danke.

    • Dakra
    • 06. August 2012 16:25 Uhr

    Dann muessten naemlich auch saemtliche ALDI-Filialen geschlossen werden. Wollen Sie das?

    Antwort auf "[...]"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    50 000 mitarbeiter, 30 mia privatvermögen der brüder.

    lassen wir für jeden 1 mia übrig, bleibt für jeden mitarbeiter eine abfindung von 560 000 € übrig, das dürfte für die meisten selbst mit familie für die nächsten 20 jahre reichen und die brüder sind immer noch milliardäre. nimmt ausserdem einen grossen margendruck vom einzelhandelsmarkt.

    hab ich da was falsch gedacht ?

  4. und Lidl, Netto, usw. bitte sofort auch dicht machen!!!!!!!!!

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