StrategieJain und Fitschen wollen die Deutsche Bank umkrempeln

Das neue Führungsduo der Deutschen Bank hat seine Strategie vorgestellt. Neben einem schärferen Sparkurs bis 2015 riefen Jain und Fitschen einen Kulturwandel aus. von 

Anshu Jain und Jürgen Fitschen

Anshu Jain und Jürgen Fitschen  |  © Hannelore Foerster/Bloomberg/GettyImages

Seit 100 Tagen sind sie nun im Amt: Anshu Jain und Jürgen Fitschen , das neue Führungsduo der Deutschen Bank. Nun haben die beiden in Frankfurt ihre Strategie 2015 für den Konzern vorgestellt. Einiges sprach in den vergangenen Wochen dafür, dass sie in vielerlei Hinsicht mit dem Führungsstil und der Zielausrichtung ihres Vorgängers Josef Ackermann brechen werden.

Der Konzern will von der starken Heimatbasis Deutschland aus weiterhin weltweit als Universalbank mit Privatkunden und Kapitalmarktgeschäft erfolgreich sein. Zugleich jedoch müsse sich die Unternehmenskultur ändern. "Wir sehen keinen Widerspruch zwischen wirtschaftlichem Erfolg und gesellschaftlicher Akzeptanz", sagte Fitschen in Frankfurt.

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In erster Linie will die Deutsche Bank einen härteren Sparkurs einschlagen. Die Finanzkrise "erfordert Antworten, die teilweise schmerzhaft sein werden", sagte Fitschen. 4,5 Milliarden Euro will das Duo bis 2015 jährlich einsparen. "Um auf lange Sicht wettbewerbsfähig zu bleiben, wird die Bank zur Steigerung ihrer operativen Leistungsfähigkeit in den kommenden Jahren in erheblichem Umfang Kosten, Redundanzen und Komplexität verringern", sagte Jain.

Erreicht werden soll dies unter anderem durch den Verkauf von etwa 40 Gebäuden. Knapp 40 Prozent oder 1,7 Milliarden Euro der geplanten Einsparungen entfallen auf die Infrastruktur einschließlich Investitionen in neue IT-Plattformen, eine Neuordnung der Geschäftsabwicklung und die Zentralisierung des Einkaufs. 

Unklar blieb, ob die Bank in den kommenden Jahren Stellen abbauen wird. Bekannt war bereits, dass rund 1.900 Stellen weltweit gestrichen werden sollen , davon 1.500 im Investmentbanking, wo die Erträge wegen der Schuldenkrise und der strengeren Regulierung wegbrechen. Die Bank wird nun eine interne Bad Bank mit Vermögenswerten aufbauen, von denen sie sich in den kommenden Jahren trennen will. Es handele sich vor allem um verbriefte Wertpapiere, aber auch um andere Aktiva, die sich über die Jahre in ihrem Investmentbanking angesammelt hätten und die nun nicht mehr zum Kerngeschäft gezählt würden.

12 statt 25 Prozent

Von Ackermanns häufig kritisiertem 25-Prozent-Ziel auf Eigenkapital wird sich die Bank erst einmal verabschieden. Fitschen sagte bereits vergangene Woche auf einer Konferenz in Frankfurt, dieses Ziel sei auf absehbare Zeit nicht mehr erreichbar. Bis 2015 will die Deutsche Bank nun eine durchschnittliche Eigenkapitalrendite von mindestens zwölf Prozent erreichen.

Leserkommentare
  1. 1. Super!

    Von Utopisch (25%) auf unrealistisch (12-14%) die Unternehmensziele korrigiert. Das ist doch mal ein Wort!

    Sorry, aber glaub die Deutsche Bank wirklich, sie könnte mit dieser Augenwischerei durch kommen? Und sowieso... die sollen erstmal ihre Eigenkapitalquote ordentlich erhöhen, danach können sie dann großartig planen und Reden schwingen, davor ist alles eh Schall und Rauch.

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    • Moika
    • 11. September 2012 14:12 Uhr

    Die DB hat seit einigen Jahren erhebliche Defizite in der Unternehmensethik. Diese Tatsache als Kulturwandel umschreiben zu wollen, ist in meinen Augen der glatte Hohn.

    3 Leserempfehlungen
  2. wie ernst gemeint dieser ist, und in welchem Ausmaß
    er dann glaubwürdig umgesetzt werden kann....das wird
    die Zukunft zeigen.

    Warum sollten nicht auch Banker lernfähig sein...
    einige scheinen begriffen zu haben, dass ihre Existenz
    langfristig gefährdet ist, ohne gesellschaftliche
    Akzeptanz.

    Es gab bereits einmal einen Banker bei der DB, der
    neue Wege einschlagen wollte....Alfred Herrhausen.

    Er fiel allerdings einem bis heute nicht restlos
    aufgeklärten Anschlag zum Opfer.

    Die DB wird kritisch verfolgt werden bei der Umsetzung
    ihres "Kulturwandels".

    Es wäre hohe Zeit diesen einzuleiten,
    und nicht nur bei der DB.

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  3. Enzensberger trotz Fürsprache von Helmut Schmidt und Gräfin Dönhoff (da bin ich jetzt nicht sicher) nicht abdrucken wolte.
    Hintergrund war, dass die Deutsche Bank einen Rekordgewinn vermeldete, gleichzeitig aber den "Abbau" von 3.500 Arbeitsplätzen verkündete.
    Jetzt bauen die wenigstens nicht nur Arbeitsplätze ab (die verbleibenden Arbeitsplatzbesitzer müssen dann noch härter arbeiten, damit ihr Arbeitsplatz nicht als nächster vernichtet wird), sondern senken wenigstens auch die Renditeerwartung.
    Nun muß die Zeit ja wohl auch kein neues Gedicht von Herrn Enzensberger "befürchten" - oder?

    5 Leserempfehlungen
  4. Der - für mich - zentrale Satz im Artikel...

    "Früher trug das Investmentbanking den größten Teil zum Gewinn bei. Mittlerweile ist damit bei Weitem nicht mehr so viel Geld zu verdienen."

    ...in Verbindung mit dem Namen Jain...

    "Jain war als ehemaliger Chef der Investmentbankingsparte nicht nur zuständig für die Immobiliengeschäfte in den USA, die der Bank zahlreiche Klagen eingebracht haben, sondern auch für die Verstrickung in den Libor-Skandal."

    und der Absenkung der Eigenkapiatlrendite scheint kaum ein Kulturwandel zu sein, sondern ist vielmehr Anpassung an erreichbare Realtitäten.

    Ein wirklicher Kulturwandel würde viele "Fehler" (an sich ein Euphemismus *1) aktiv korrigieren und die Verantwortlichen dafür aus den Diensten der Bank verabschieden.

    *1 Ein aktuelles Update dazu: http://www.tagesspiegel.d... ließ sich nicht finden.

    Ob auch das ein "Fehler" ist? http://www.handelsblatt.c...

    Fehler, die man als solches erkannt hat, stellt man an sich so schnell wie möglich ab, weil man die Folgen der Fehler nicht haben möchte. Genauer geht es beim Abstellen von Fahlern, um die Bewertung der Folgen. Alleine daran kann sich Kulturwandel messen lassen.

    Zumindest was den Ex-Chef der Investmentbankingsparte Jain und die USA angeht scheint da einiges zur Aufarbeitung anzustehen.

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    • dylan51
    • 11. September 2012 15:48 Uhr

    Sie reden von einer Bank und Vertrauen, von Unternehmenskultur und Einsparungen. So viel Unvereinbares liest man selten.

  5. oder welche europäische Bank war besser? Kritik bzw. dümmliches Geschätz kam in erster Linie vom Spiegel und andere plapperten es nach. In Deutschland wird alles kritisiert, nur die Presse nicht. Da fragt man sich warum wohl. Eine Eigenkaitalrendite von 25% ist in gut geführten Hotels das Minimum, bei einer Bank sollte es mehr sein.

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