Deutschland und Frankreich haben sich offenbar auf eine gemeinsame Strategie bei der geplanten Fusion der Luftfahrt- und Rüstungskonzerne EADS und BAE geeinigt. Das berichtete der Spiegel unter Berufung auf Spitzenbeamte. Demnach wollten beide Regierungen nach dem Zusammenschluss jeweils neun Prozent an dem neuen Konzern halten.

Deutschland und Frankreich würden diese Woche mit der gemeinsamen Position in Verhandlungen mit der britischen Regierung eintreten. Deutschland müsste dafür über die staatliche KfW-Bank EADS-Aktien vom bisherigen Anteilseigner Daimler erwerben. Entsprechende Mittel seien im Bundeshaushalt schon bereitgestellt, berichtete der Spiegel .

Das Bundeswirtschaftsministerium in Berlin wollte dies nicht kommentieren. Die Regierungen seien weiter im Gespräch und prüften alle relevanten Fragen, sagte eine Sprecherin.

Deutschland muss seine Interessen wahren

Mit Wirtschaftsminister Philipp Rösler ( FDP ) äußerte sich erstmals ein Mitglied der Bundesregierung öffentlich zu den Bedingungen für eine Fusion von EADS und BAE. Ein Zusammenschluss biete Chancen, "gleichwohl muss auch Deutschland bei einem Zusammenschluss seine Interessen wahren ", sagte Rösler der Welt am Sonntag . Bei EADS handle es sich nicht um einen mit anderen Unternehmen vergleichbaren Konzern.

Rösler forderte daher, dass im neuen Konzern "die beteiligten Länder ihre jeweiligen Standortstärken einbringen können" – Deutschland etwa die Forschungs- und Entwicklungsleistungen. "Diese Kapazitäten dürfen nicht beschnitten, sondern müssen weiter gestärkt werden", sagte er.

Gleichberechtigte Verteilung der Machtzentren

Deutschland solle zudem berücksichtigt werden, wenn über die Sitze der Machtzentren im Unternehmen entschieden wird. "Auch die Konzernzentralen müssen gleichberechtigt zwischen den beteiligten Ländern verteilt sein", sagte Rösler. Derzeit kursieren Befürchtungen, dass bei einer Fusion die zivile Luftfahrt am Airbus-Hauptsitz Toulouse konzentriert wird, während das Militärgeschäft nach London gehen könnte.

EADS und BAE Systems hatten Mitte September bekanntgegeben, über eine Fusion zu verhandeln . Der neue Konzern wäre das größte Rüstungsunternehmen der Welt und deutlich größer als der US-Konkurrent Boeing. Deutschland, Frankreich und Großbritannien müssen der Fusion zustimmen. EADS beschäftigt hierzulande rund 50.000 Mitarbeiter an 29 Standorten.

Bei EADS haben bislang die französische Gesellschaft Sogeade und Daimler den gleichen Anteil an Stimmrechten in Höhe von 22,5 Prozent. Daneben hält die spanische Staatsholding SEPI 5,5 Prozent.