GermanwingsLufthansa startet neuen Billigableger

Die neue Flotte mit 90 Maschinen soll auf Basis von Germanwings aus Köln operieren und Direktverbindungen in Europa ansteuern. Umstritten ist die Bezahlung des Personals. von dpa, reuters und dapd

Ein Airbus A319 der Germanwings auf dem Flughafen in Dresden

Ein Airbus A319 der Germanwings auf dem Flughafen in Dresden  |  © Matthias Rietschel/dapd

Die Lufthansa will mit einer neuen Billigfluglinie im Wettbewerb mit Ryanair und Easyjet wieder die Oberhand gewinnen. Ab Januar 2013 werden alle Verbindungen in Europa und Deutschland außerhalb der beiden Drehkreuze Frankfurt und München mit der Tochter Germanwings zusammengeführt, teilte der Dax-Konzern mit.

Das Geschäft der neuen Fluglinie soll organisatorisch auf Basis der Germanwings GmbH in Köln laufen. Die neue Airline, die der Konzern seit Längerem unter dem Codenamen Direct4U plant, soll eine Flotte von 90 Flugzeugen umfassen und im ersten Jahr des Bestehens 18 Millionen Passagiere befördern. Die Lufthansa-Tochter Eurowings werde im Auftrag der neuen Billigfluggesellschaft fliegen.

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Der neue Ableger ist nach Ansicht des Lufthansa-Managements wegen der harten Konkurrenz durch Billigflieger dringend nötig. Die Rivalen haben niedrigere Kosten – auch weil das Personal wesentlich geringer bezahlt wird. Die Lufthansa musste hier in den vergangen Jahren hohe Verluste verkraften.

Stewardessen könnten 40 Prozent weniger verdienen

"Die Bündelung unserer innerdeutschen und europäischen Punkt-zu-Punkt-Verkehre birgt erhebliche Effizienzpotenziale", sagte Konzernchef Christoph Franz . Ziel sei, die Sparte unter dem Dach einer Gesellschaft wieder profitabel zu machen.

Der Plan dürfte den Tarifkonflikt mit der Flugbegleitergewerkschaft Ufo weiter anheizen, den beide Seiten gerade mit einer Schlichtung beilegen wollen. Um günstigere Angebote schaffen zu können, dürfte es Einsparungen beim Personal geben.

Die Flugbegleiter-Gewerkschaft Ufo fürchtet, dass die 2.000 Stewards und Stewardessen der neuen Airline bis zu 40 Prozent weniger verdienen werden als ihre Kollegen bei der Konzernmutter. Deshalb lehnt die Arbeitnehmervertretung die neuen Pläne strikt ab. Ihre Schlagkraft hat die Gewerkschaft in den vergangenen Wochen mit drei Streiks unter Beweis gestellt.

Kernstück des neuen Groß-Sparprogramms

Lufthansa und Ufo wollen ihren seit über einem Jahr dauernden Konflikt bis Ende Oktober mit einer Schlichtung lösen. Bis dahin darf nicht gestreikt werden.

Ob die Lufthansa sich von der Gewerkschaft noch zu Abstrichen an ihrem kontroversen Billigkonzept überreden lässt, ist fraglich. Direct4U ist Kernstück des neuen Groß-Sparprogramms, das sich die Lufthansa Anfang des Jahres auferlegte. Konzernweit soll der operative Gewinn bis 2014 um mindestens 1,5 Milliarden Euro gesteigert werden.
 

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Leserkommentare
  1. Ich freue mich, dass Lufthansa die Zentrale in Köln belässt. Trotz der Subventionen für Berlin.

  2. Bis zu 40% weniger als die bisherige Stewardess (4.000 €) oder 40% weniger wie die bisherigen Kabinenchefs (7.000 €)?

  3. ist ganz sicher Notwendig. Allerdings sollte der Vorstand bei den Gehalt Kürzungen einmal beim Management anfangen zu "Sparen".

    Köln als "Zentraler Standort" ist sicher eine "Gute Lösung" und könnte Frankfurt stark entlasten.

  4. Die LH sollte ihr Hauptaugenmerk auf Ihr Kerngeschät legen. Denn da liegt einiges im argen. Als FTL, der seine Flüge immer knapp 2-5 Tage vor Abflug buchen muß, und dafür Transatlantikpreise bezahlen darf bin ich von der LH schon seit Jahren mehr und mehr enttäuscht. Die Leistungen werden immer schlechter, einen Grund mit der LH zu fliegen besteht für mich nur noch wegen der guten Anbindung für Direktflüge (aus München). Ansonsten kann ich nur sagen, 3-

  5. So ein Billigflugableger stampft sich ja nicht selbst so mir nichts, dir nichts aus dem Boden. Dazu bedarf es Marktuntersuchungen, Wettbewerbsvergleichen, organisatorischer Varianten, usw.
    Hat ein Vorstand dann ein nachvollziehbares Konzept, muß der Aufsichtsrat informiert werden, der das Ganze durchleuchtet, diskutiert und schliesslich "absegnet".
    Sitzen in diesem Aufsichtsrat nicht auch hochrangige Gewerkschafter (z.B. Bsirske/verdi) und eine Unmenge weiterer "Arbeitnehmervertreter"? Offensichtlich haben diese der neuen Billig-Airline zugestimmt.
    Wäre die neue Airline in wesentlichen Punkten nicht vertretbar, hätten doch die Vertreter der "Arbeitnehmerseite" niemals zugestimmt - nehme ich an.
    Oder vertritt verdi total andere Arbeitnehmerinteressen als UFO? Gibt es Arbeitnehmer 1. und 2. Klasse?
    Dieses unüberschaubare, von Egomanen auf der Unternehmensseite und der Arbeitnehmerseite bestimmte Durcheinander wird uns noch eine Unmenge Geld kosten. Letztendlich dürfte für jede negative Auswirkung (z.B. niedrigere Steuern durch streikbedingten Gewinnrückgang bei der Lufthansa /Aufstockung durch Sozialsysteme für Familien mit geringem Arbeitseinkommen bei der neuen Billiggesellschaft) der Steuerzahler aufkommen.
    Also kann sich die Lufthansa im Billigflugsegment austoben, die Gewerkschaften können populistisch den Aufstand proben, oder dazu taktisch schweigen. All das findet auf dem Rücken auch der Menschen statt, die weder Linie fliegen, noch sich den "Billigflug" leisten können.

  6. Abgesehen vom unschönen Billiglöhnen fürs Flugpersonal werden auch die Bedingungen für die Flugäste immer grotesker. Man fühlt sich wegen des Platzmangels fast wie ein Paket, das gut verschnürt und ins letzte Eckchen gepresst auf die Reise gehen muss. In unserem Bekanntenkreis geht der Trend deshalb eher zu Reisezielen auf dem europäischen Kontinent, die per Auto, Campingmobil oder Bahn zu erreichen sind. Es ist wirklich zweifelhaft, ob Fluggesellschaften aus zu engen Plätzen (oder sogar Stehplätzen, das wurde ja auch schon angedacht)und entsprechend weniger Fluggästen nennenswerte Vorteile ziehen.

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    Vor 20 Jahren war Fliegen ein seltener Luxus, und dreistellige Preise auch innerhalb von Europa völlig normal. Heute erwartet der verarmende Mittel-Wohlstandsbürger nicht nur das Kilo Hack pferdefleischfrei und nachhaltig biologisch angebaut für einsneunundneunzig, sondern eben auch zwei oder auch gerne dreimal im Jahr nach Malle oder in die Alpen - für unter 100 Euro hin und zurück, versteht sich.
    Trotz weltweiter staatlicher Subventionen aller Fluggesellschaften (in Form von steuerfreiem Kerosin) reichen so manche Ticketpreise nichtmal für Sprit und Flughafengebühren, so daß man sich fragt, wie die in der Luftfahrt noch Wartung und Personal bezahlen.

    Alternativlos ist es hier, wie in allen anderen Branchen auch, erstmal am Personal zu sparen: Bürger, denen die Realeinkommen wegbrechen, sind Kunden, die jeden Cent zweimal umdrehen und Schnäppchenjagden zum Sport machen - und sich gleichzeitig wundern, warum der Arbeitgeber so hart verhandelt.

    Die unangenehme Wahrheit: Zins- und Kapitaleinkommen unterliegen keinem Sparprogramm. Das gibts nämlich immer nur für Mensch und Material.

    Solange aber jeder auf seine 100€ Zinsen p.a. besteht, sind die Milliarden der in der Pyramide über ihm stehenden weder sichtbar, noch werden sie in Frage gestellt.

    Übrigens, Auto oder Zug als Alternative zum Flugzeug: bei 1000 und mehr Kilometer Entfernung über Mautstraßen und ggf. Fähren, und unter Berücksichtigung der Zeit, ist das Flugzeug auch in der Viehtransportklasse noch "alternativlos".

  7. Vor 20 Jahren war Fliegen ein seltener Luxus, und dreistellige Preise auch innerhalb von Europa völlig normal. Heute erwartet der verarmende Mittel-Wohlstandsbürger nicht nur das Kilo Hack pferdefleischfrei und nachhaltig biologisch angebaut für einsneunundneunzig, sondern eben auch zwei oder auch gerne dreimal im Jahr nach Malle oder in die Alpen - für unter 100 Euro hin und zurück, versteht sich.
    Trotz weltweiter staatlicher Subventionen aller Fluggesellschaften (in Form von steuerfreiem Kerosin) reichen so manche Ticketpreise nichtmal für Sprit und Flughafengebühren, so daß man sich fragt, wie die in der Luftfahrt noch Wartung und Personal bezahlen.

    Alternativlos ist es hier, wie in allen anderen Branchen auch, erstmal am Personal zu sparen: Bürger, denen die Realeinkommen wegbrechen, sind Kunden, die jeden Cent zweimal umdrehen und Schnäppchenjagden zum Sport machen - und sich gleichzeitig wundern, warum der Arbeitgeber so hart verhandelt.

    Die unangenehme Wahrheit: Zins- und Kapitaleinkommen unterliegen keinem Sparprogramm. Das gibts nämlich immer nur für Mensch und Material.

    Solange aber jeder auf seine 100€ Zinsen p.a. besteht, sind die Milliarden der in der Pyramide über ihm stehenden weder sichtbar, noch werden sie in Frage gestellt.

    Übrigens, Auto oder Zug als Alternative zum Flugzeug: bei 1000 und mehr Kilometer Entfernung über Mautstraßen und ggf. Fähren, und unter Berücksichtigung der Zeit, ist das Flugzeug auch in der Viehtransportklasse noch "alternativlos".

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters, dpa, dapd
  • Schlagworte Lufthansa | Airline | Billigflieger | Christoph Franz | Eurowings | Flugzeug
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