Trauer um die Opfer des Fabrikbrands von Karachi © STR/AFP/GettyImages

Dem Textilhersteller kik droht wegen Fahrlässigkeit eine Klage aus Pakistan . In einem schlecht gesicherten Fabrikgebäude des Unternehmens Ali Enterprises in Karachi , bei dessen Brand letzte Woche fast 300 Menschen starben , wurden Jeans für den Billig-Einzelhändler produziert. Das hat eine Sprecherin des Unternehmens ZEIT ONLINE bestätigt.

Verschlossene Notausgänge, vergitterte Fenster und versperrte Treppenhäuser hatten am vergangenen Dienstag dazu geführt, dass bei dem Feuer fast die Hälfte der Arbeiter starb. Weitere verletzten sich,  als sie aus dem obersten Stockwerk des Gebäudes sprangen. Die Eigentümer der Fabrik wurden des Mordes angeklagt. Der pakistanische Gewerkschaftsverband National Trade Union Federation rief die Behörden dazu auf, auch kik und alle anderen Käufer, die in der Fabrik produzieren ließen, wegen strafbarer Fahrlässigkeit anzuklagen.

Auf grausamste Weise ihr Leben verloren

Die Kampagne für Saubere Kleidung/Clean Clothes Campaign zeigte sich empört, dass kik in seinen Zulieferfabriken die Sicherheit der Beschäftigten nicht garantieren konnte. "Diese Arbeiter haben auf grausamst vorstellbare Weise während der Produktion von Jeans für europäische Konsumenten ihr Leben verloren", sagte ein Sprecher. Das Fehlen einer öffentlichen Stellungnahme zeige, dass es kik an Respekt und Sorge für die Arbeiter in seinen Zulieferketten mangele.

Die Kampagne forderte kik auf, unmittelbar mit der Aufklärung der Brandursache zu beginnen. Zudem soll das Unternehmen für Entschädigungen der Opfer sorgen, einschließlich sofortiger medizinischer Behandlung und Entschädigungszahlungen. Weiter fordert die Kampagne von kik eine umfassende Sicherheitskontrolle der übrigen Zulieferer.

Eine Sprecherin von kik sagte, das Unternehmen arbeite seit der vergangenen Woche am Aufbau eines Hilfsfonds. Dieser solle schnell und unbürokratisch die vorhandenen Mittel verteilen. Darüber hinaus arbeite das Unternehmen an der Klärung der Ursachen, die zu dieser Katastrophe führen konnten. Grundsätzlich verpflichte kik alle Lieferanten auf die Erfüllung und Einhaltung elementarer Arbeitsrechte und Sicherheitsstandards. 2007 seien in Karachi noch Hinweise auf mangelnden Brandschutz eingegangen, hier sei jedoch nachgebessert worden, so dass sich das Unternehmen nicht erklären könne, wie es zu der Katastrophe in der vergangenen Woche kommen konnte.

Verhaltenskodex wirkungslos

Es ist nicht das erste Mal, das kik wegen den Produktionsbedingungen seiner Zulieferer in Asien in der Kritik steht. Das Unternehmen hat sich deswegen einen Verhaltenskodex für Zulieferer auferlegt.

Kik ist Deutschlands siebtgrößter Textil-Einzelhändler mit über 3.200 Geschäften in acht europäischen Ländern und einem Umsatz von über 1,69 Milliarden Euro im letzten Jahr.