Elektronik : Apples Müllproblem

Im Jahr 2006 versprach Steve Jobs, Apple werde sauberer sein als andere. Doch so sehr der Konzern sich bemüht: Der Elektroschrott wird zum Problem.
Das iPad, auseinandergenommen von den Bloggern von iFixit © Molly Riley/Reuters

Im Sommer unterlief Apple ein seltener, aber peinlicher Patzer. Der Technologieriese hatte sich entschieden, aus dem Electronic Product Environmental Assessment Tool (EPEAT) auszusteigen. Das einflussreiche Siegel mit dem umständlichen Namen bewertet unter anderem die Umweltbelastung durch Computer und prüft, wie einfach die Geräte zu reparieren und entsorgen sind. Nur wer das Siegel erhält, darf zum Beispiel die Behörden der USA beliefern. Für Apple war es zuletzt immer schwieriger geworden, die Bedingungen des Siegels zu erfüllen. Die neuen Modelle des Unternehmens sind schmaler und leichter. Die Konzerningenieure setzen auf fest eingebaute Batterien und maßangefertigte, schwer zu ersetzende Komponenten.

Die Entscheidung löste einen Sturm des Protests aus. Umweltschützer kritisierten, der Konzern habe den Naturschutz aufgegeben. Apple reagierte prompt: Nur eine Woche später entschuldigte sich Hardware-Chef Bob Mansfield in einem offenen Brief für die "Fehlentscheidung" und versprach den Wiedereinstieg ins Programm. Kurz darauf standen die Apple-Laptops wieder auf der Liste – mit Bestnote. Vergangene Woche schließlich bestätigte EPEAT das Siegel, zum Ärger der Umweltschützer. Sie glauben, dass sich die Organisation unter Druck hat setzen lassen. Erst eine Lockerung der Prüfkriterien habe die Wiederaufnahme der Apple-Laptops möglich gemacht.

Für den Konzern sind das ärgerliche Schlagzeilen. Denn Apple bemüht sich seit Jahren um ein sauberes Image. Bereits 2006 hatte Steve Jobs angekündigt, den Konzern zum "grünsten Unternehmen der Branche" formen zu wollen, nachdem der Konzern für sein fehlendes Engagement angegriffen worden war. "Wir hoffen, dass Kunden, Angestellte und Aktionäre in Zukunft gleichermaßen stolz auf unsere Fortschritte sein können", schrieb der Apple-Chef.

Seitdem ist tatsächlich viel passiert. Die Gehäuse der Laptops sind nicht mehr aus Plastik, sondern aus recycelbarem Aluminium. Der Verpackungsmüll wurde fast um die Hälfte reduziert. Zusätzlich hat der Konzern den CO2-Ausstoß seit 2008 um mehr als 15 Prozent gesenkt, den Materialverbrauch in der Produktion um die Hälfte verringert.

Steht der Konzern in der Kritik, reagiert er meist sofort

Hochgiftige Stoffe wie Quecksilber und Arsen hat Apple aus seinen Displays verbannt, auch auf den Einsatz von bromierten Flammschutzmitteln und Chrom verzichtet der Konzern. Apple sei heute eines der führenden IT-Unternehmen, wenn es um die Umweltverträglichkeit seiner Geräte gehe, sagt Casey Harrell, IT-Analyst bei der Umweltschutzorganisation Greenpeace.

Doch es bleiben riesige Baustellen. Die stromfressenden Server für den Speicherdienst iCloud etwa, in dem über 125 Millionen Nutzer Musik, Dokumente und andere Daten lagern, sieht der Greenpeace-Experte als eines der größten Umweltprobleme des Konzerns. Noch im vergangenen Jahr hatte die Organisation das Unternehmen wegen seiner "dreckigen Datenzentren" in einem Ranking auf den letzten Platz verwiesen, weil die Server für die Stromversorgung vor allem auf Kohlekraftwerke setzten.

Doch auch hier bessert Apple nach. Im September kündigte der Konzern an, in North Carolina mehr als 800 Quadratkilometer Land kaufen zu wollen, um eine neue Solaranlage zu bauen, die die enormen Datenzentren mit Energie versorgen sollen. Eine erste Anlage soll noch in diesem Jahr ans Netz gehen. Bis Februar 2013 sollen viele Datenzentren ganz ohne Kohle auskommen. Neue Zentren in Oregon und Nevada setzen von vornherein auf Sonnenenergie.

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Kommentare

46 Kommentare Seite 1 von 7 Kommentieren

Hmmm...

...warum steht da jetzt "Apples Müllproblem" in der Überschrift, wenn im Text steht, dass Apple die am einfachsten zu entsorgenden, ungiftigsten und am besten zu recycelnden Geräte herstellt?? Das Müllproblem hat wohl eher die ganze Branche - "Premiumhersteller" haben dieses Problem sogar eher weniger - mein iMac von 2004 ist ebenso noch im Gebrauch wie mein iPhone von 2007...

In anderem Sinne

"Hersteller wie Apple legen es darauf an, dass die Produkte sehr schnell veraltet sind": der Satz stimmt insofern bei Apple ganz besonders, weil ihre eigene aeltere Hardware bei Systemupdates viel zu schnell nicht mehr unterstuetzt wird. Ich habe hier 2 gut laufende aeltere Macs, fuer die es fast keine Systemupdates mehr gibt. Bleibt bald nurnoch Umstieg auf Linux. Oder soll ich die Hardware nun wegschmeissen?

Und sowas gibts bei WINDOWS bislang kaum: WINXP wird immernoch von MS unterstuetzt, viel Software ist nach wie vor auch uneingeschraenkt XP-tauglich.

Softwareupdates fuer alte Modelle

Klar, Apple legt es darauf an, dass die Nutzer sich jedes Jahr ein neues Geraet kaufen wollen, obwohl das was sie haben vollkommen ausreicht. Die "alten" Geraete landen aber unterdurchschnittlich oft auf dem Muell, sondern lassen sich gut weiterverkaufen.

Das Softwareupdates nur deshalb nicht fuer alte Geraete kommen um die neuen zu pushen ist eine paranoide Verschwoerungstheorie. Apple schneidet einfach frueher alte Zoepfe ab als andere Konzerne, wenn diese die Entwicklung bremsen. Trotzdem ist es wesentlich leichter fuer sein iPhone das neue iOS zu bekommen als bei nicht-Nexus Android Handys, bei denen ueberfluessige Skins oft fuer eine fruehzeitige Veraltung sorgen.

Unsinn...

...Windows Phone 7.5 zeigte doch gerade keine solide Upgradepolitik. Tatsächlich laufen Windows Versionen oft auch auf älteren Systemen. Wobei zumindest Windows Vista hier viele Geräte in die Obsolenz entlassen wollte - aber das wurde ja mit Windows 7 teilweise wieder verbessert.

Apple schneidet hier alte Zöpfe ab, was meiner Meinung nach vollkommen in Ordnung geht. Mit dem OS weiterhin Power PC zu unterstützen hätte ich zwar auch gut gefunden - aber ich kann durchaus verstehen, dass die das nicht tun wollen. Ich würde übrigens auch entsprechendes Handeln von Microsoft verstehen.

Ich verstehe es allerdings nicht (bzw. ich verstehe es schon, habe aber kein Verständnis), wenn man 6 Monate nach dem Kauf des brandneuen "Premium Handies" vom Weltmarktführer keinerlei Software Updates mehr bekommt.

up to date mir Windows

Solange Ihr Gerät jünger ist als 6 Jahre können Sie ja gerne Windows darauf installieren, so wie OS X Version 10.6, wofür es immerhin noch Security-Updates gibt.
Ältere Geräte laufen noch mit OS X 10.5, wofür es bis vor einem Jahr auch noch Updates gab.
Mit einem 10 Jahre alten Gerät Software-mäßig auf dem Laufenden bleiben zu wollen ist, war und bleibt "optimistisch".
Warum eingentlich? Für die meisten Sachen brauch' man kein aktuelles System, solange man auch bei dem Programmen nicht alles mitmachen will.
Ich persönlich habe die Erfahrung gemacht, daß die meisten, die dies beklagen (berechtigte Ausnahmen gibt's natürlich) einfach nur ein bisschen Meckern wollen...

Warum?

Muss ich denn Filme schneiden? Alles eine Bedarfsfrage. Und Tetris und Air Hockey laufen wunderbar. Erinnert mich stark an exemplarische Dialoge aus der PC-Steinzeit: "Was kann denn das Ding?" "Alles!" "Ja, aber wofür kann ICH den denn brauchen?" "Na, für alles eben." "Zum Beispiel?" "Der nächste Kunde bitte!". Ich weiß, ich bin etwas ketzerisch, aber die beste Art der Müllentsorgung ist die Müllvermeidung. Manchmal wäre eine Bedarfsanalyse vor dem Kauf schon angebracht. Firmen wie Apple oder Microsoft verstehen es aber sehr gut, den potentiellen Käufern vorzugaukeln, daß sie mit einer Vorjahresversion stinken und schlecht brennen und sowieso bei den Homies bald unten durch sind.

Gibt's hier keine Kritik an apple ?

Apple ist bekanntlich das Label der progressiven, elitären Truppe, die sich in der Minderheit wähnt. Nun kommt zur 150 m²-Altbauwohnung, dem Firmen-A6 und dem halbes Duzend Flugreisen im Jahr auch noch das Mobiltelefon, das die Umweltbilanz unserer grün-wählenden Greenpeace-Zahler verhagelt. Es wird langsam ungemütlich in der ehemals kuscheligen Ökoecke mit Bio-food und der vom Pöbel finanzierten Solarenergie. Wie bedauerlich.
Was nach meinem Dafürhalten viel schwerer wiegt: Apple macht eine Umsatzrendite von über 30 %, während die Firma, die die Telefone herstellt gerade mal bei gut einem % herumkraucht.

Gepflegter Blödsinn

Ihre Aneinanderreihung von selbst erfundenen soziologischen Aspekten bezüglich Apple hat schon was Bizarres.
Es soll auch Leute geben, die mit Apple-Computern Geld verdienen. Ich kaufte meine ersten beiden Macs 1992, die Kosten beliefen sich mit Programmen auf 70000 DM. Grafikfähige PCs gab es damals nicht. Es folgten bis heute viele Modellreihen von Macs, bis jetzt ohne nennenswerte Probleme. Ein Plattformwechsel auf PC verbot sich, weil man sonst sämtliche Anwendungsprogramme noch mal hätte neu kaufen müssen.
Kritik an Apple gibt's auch, weil die Produktionsbedingungen in China zum Kotzen für die Arbeiter und zum Jubeln für die Aktionäre sind. Das ist allerdings kein Alleinstellungsmerkmal von Apple.

Was?!

"Apple hat bis heute weltweit 240 Millionen iPhones verkauft, allein in den USA sind es 85 Millionen." - Artikel

"Apple ist bekanntlich das Label der progressiven, elitären Truppe, die sich in der Minderheit wähnt. Nun kommt zur 150 m²-Altbauwohnung, dem Firmen-A6 und dem halbes Duzend Flugreisen im Jahr auch noch das Mobiltelefon, das die Umweltbilanz unserer grün-wählenden Greenpeace-Zahler verhagelt." - Sie

Wie viele Altbauwohnungen gibt es in Ihrer Vorstellung und was macht Audi für einen unfassbar großen Umsatz?
Das ist wirklich der größte Unsinn, den ich seit langem gehört habe. Einst war Apple das Label der "Hipster" und Leuten, die viel Wert auf Individualität legen. Da waren sie aber auch fast pleite. Aber spätestens seit der 2. Generation iPod bzw. dem 2. iPhone hat sich das ganze völlig verändert.

Das iPhone wird nicht umsonst häufig (und scherzhaft) Hausfrauenhandy bezeichnet (jeder hat es).

Alle beklagen sich über Jugendliche, die ihre Blicke nicht mehr von Ihren Smatphones wegbekommen (iPhone war bis vor kurzem Marktführer in fast allen Bevölkerungsgruppen, sowie weltweit) und sie kommen hier mit elitären Gruppen.
Eine Minderheit hat Apple zu einem der wertvollsten Konzerne der Welt gemacht, natürlich. Apple wird von allen gekauft: Hartz 4 bis Millionär, Schüler bis Rentner (okay, bei 70 Jahren beginnt es deutlich weniger zu werden)

Das war wirklich der unsinnigste und weltfremdeste Kommentar, den ich seit langem im Internet gelesen habe.

Relativ...

Im Reinraum? Da werden doch keine Festplatten auseinandergenommen! Dass man bei den Geräten nicht viel selber machen kann, stimmt wohl. Dennoch gibt es natürlich Reparaturmöglichkeiten. Und zum Thema "Wer will den Müll dann haben?": Es gibt wohl nur wenige Geräte, die sich teilweise auch nach Jahren noch so gut verkaufen lassen wie die von Apple. Teilweise werden die sogar zu gesuchten Sammlerstücken (Cube, "Lampen-iMac"). Die stehen dann in der Vitrine und liegen nicht auf irgendeinem Müllberg in Afrika. Wobei man natürlich dennoch genug bei Apple kritisieren kann, z.B. die bereits erwähnte Update-Politik.