Rosneft : Russischer Staatskonzern überholt Exxon

Rosneft kauft alle Anteile am russisch-britischen Joint-Venture TNK-BP und wird damit zum größten Ölkonzern der Welt. Präsident Putin jubelt über das "gute Geschäft".
Eine Ölraffinerie von Rosneft nahe Achinsk © Ilya Naymushin/Reuters

Der staatliche russische Ölriese Rosneft übernimmt den Konkurrenten TNK-BP und steigt damit zum größten börsennotierten Ölkonzern der Welt auf. So verkauft zum einen der britische Öl-Multi BP seine 50 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen an Rosneft, zum anderen ist sich Rosneft mit den restlichen Anteilseignern, vier russischen Milliardären, handelseinig.

BP erhält nach eigenen Angaben rund 17 Milliarden Dollar in bar und knapp 13 Prozent der Rosneft-Aktien. Zusätzlich kaufen die Briten für 4,8 Milliarden Dollar weitere 5,66 Prozent an dem Konzern. BP steigt damit hinter dem russischen Staat zum zweitgrößten Aktionär bei Rosneft auf. Die Briten hoffen, zwei Posten im Aufsichtsrat des Staatskonzerns zu übernehmen.

Rosneft wiederum bezahlt dem russischen Oligarchenkonsortium AAR für die andere TNK-BP-Hälfte 28 Milliarden Dollar. Nun sind alle Anteile in Rosneft-Besitz, und der Konzern fördert mehr Öl und Gas als der derzeitige Weltmarktführer Exxon .

Putin-Vetrauter Setschin obsiegt

Die Übernahme wird unterstützt vom russischen Präsidenten Wladimir Putin , der eine Rückverstaatlichung der Ölindustrie in Russland anstrebt. Putin sagte, Rosnefts Kauf sei "ein gutes Geschäft zu einem guten Preis". Er dürfte Rosneft-Chef Igor Setschin persönlich gratuliert haben, gilt dieser doch als ein langjähriger und einflussreicher Vertrauter Putins und war zu dessen Zeit als Regierungschef einer seiner Stellvertreter.

Rosnefts Aufstieg begann Mitte des vergangenen Jahrzehnts, als der Konzern den Großteil des Ölkonzerns Yukos von Putin-Kritiker Michail Chodorkowski übernahm. Dieser wurde in spektakulären Prozessen wegen Unterschlagung, Geldwäsche und Steuerhinterziehung zu langjähriger Haft verurteilt. Yukos musste in die Insolvenz und wurde zerschlagen.

Rosneft-Aufstieg auf Yukos Kosten

Chodorkowski gehörte zu einer kleinen Gruppe russischer Unternehmer, die in den Zeiten der Privatisierung durch den günstigen Erwerb von Staatsbetrieben reich wurden. Er hat das Vorgehen gegen ihn stets als politisch motiviert bezeichnet und vermutet das Präsidialamt im Kreml als Drahtzieher dahinter. Dort war der heutige Rosneft-Chef Setschin damals unter Putin Vizestabschef.

Brisant ist das Geschäft vor allem wegen des noch wachsenden Einflusses des russischen Staates. Moskau kontrolliert nun 40 Prozent der Ölfördermenge des Landes und hat damit wieder eine so große Kontrolle über die russische Ölproduktion wie zu Sowjetzeiten.

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Kommentare

8 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

Irgendwie scheint Ihnen nicht so recht klar zu sein

wer sich in Russland die Taschen füllt. Der Staat ist es nicht. Der Staat kann noch nicht einmal auf die Gewinne, die ihm als Mehrheitsaktionär eigentlich zustehen zugreifen. Als Medwedjew jüngst Gewinne der Rosneft für den Staatshaushalt reklamierte wurde ihm mitgeteilt, dass er darüber nicht bestimmen könne.
Erstaunlich ist immer wieder wie wenig Gewinn diese russischen Staatskonzerne machen. Die Kosten werden künstlich in die Höhe getrieben. Wer in den erlauchten Kreis der Lieferanten aufrückt, hat ausgesorgt. Beispiel: bei der Ostseepipeline "kostete" jeder Kilometer auf der russischen Seite dreimal so viel wie auf der deutschen.
Transparenz? Jedes westliche Energieunternehmen ist ein offenes Buch gegenüber den russischen Staatskonzernen. Wer Mauscheleien und Unregelmäßigkeiten bei russischen Staatskonzernen aufdeckt, ist seines Lebens nicht mehr sicher.
Mich verblüfft immer wieder die Blauäugigkeit mit der man im Westen diesen staatsähnlichen Gebilden begegnet, die sich jeder Kontrolle entziehen und mittlerweile auch über eigene Privatarmeen verfügen. Niemand verlangt, dass diese Betriebe nach westlicher Art geführt werden, aber die Distanz, die man so gerne gegenüber westlichen Unternehmen pflegt. sollte man gegenüber Staatsunternehmen doch nicht ganz aus den Augen verlieren.

Brauen wir neue Abzocker oder ein staatliches Energiekonzept?

..eine Neuordnung des Energiemarktes ist längst auch in Deutschland überfällig, Energiebeschaffung gehört zu den Grundaufgaben, zu den Grundlagen staatlicher Fürsorge, d.h. der Staat muss zumindestens die Rahmenbedingungen schaffen.

Das durcheinander deutscher Interessenkonflikte bis hin zum völlig irrsinnigen Ausbau von Windkraftanlagen, die höchstens komplementär von Bedeutung sind, muss aufhören endlich aufhören.

Was Deutschland braucht ist ein Energiekonzept das langfristig angelegt ist und den Egoismen und Begehrlichkeiten Einzelner Gruppen einen Riegel vorschiebt.

Man sollte ...

... Putin nicht unterschätzen. Das ist alles strategisch gedacht. Im Falle eines "bewaffneten Konflikts", sei es mit der erstarkenden Macht China (Millionen Männer "Überschuß" wegen der Ein-Kind-Politik), sei es mit einem sich fanatisierenden Islam oder mit einem aggressiven Präsidenten der USA (Falke statt Taube) ist Rußland in der Energie- bzw. Öl- bzw. Benzinfrage (für Fahrzeuge aller Art, ob LKW oder Panzer) praktisch unabhängig.
Und ein "starkes" und "allzeit abwehrbereites" Rußland liegt im Interesse Putins und auch der Mehrheit seiner Landsleute.
Das ist kein einfacher wirtschaftlicher/ökonomischer Deal, das ist Vorsorge, was da betrieben wird.