AutoindustrieGroßaktionär Abu Dhabi zieht sich bei Daimler zurück

Gut drei Jahre nach ihrem Einstieg bei Daimler hat Abu Dhabi alle direkt gehaltenen Aktien verkauft. Den Zugriff auf die Papiere hält sich das Emirat weiter offen. von dpa und reuters

Daimlers bedeutendster Großaktionär, das Scheichtum Abu Dhabi , hat sich von seiner direkten Beteiligung an dem deutschen Autobauer getrennt. Der Staatsfonds Aabar besitze keine direkten Stimmrechte mehr an dem Dax-Konzern, heißt es in einer Mitteilung.

Ein Daimler-Sprecher sagte, dass Aabar keine physischen Aktien mehr halte, sehr wohl aber noch Zugriffsrechte auf die Papiere. Der Großaktionär habe seine Beteiligung neu geordnet. "Das respektieren wir natürlich", sagte der Sprecher. Die Motive für den Rückzug wollte er nicht kommentieren. "Wir sind mit unserer Aktionärsstruktur weiterhin sehr zufrieden."

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Wer die Anteile von Aabar übernommen hat, war zunächst nicht zu erfahren. Das Emirat hielt über den Staatsfonds Aabar Investments bisher 3,07 Prozent direkt an Daimler. Jedoch hatten sie weitere Anteile aus früher direkt gehaltenen Wertpapierpaketen an die Finanzwelt auch verliehen und besaßen dabei sogenannte Rücklieferungsansprüche. Unter dem Strich waren so damals insgesamt 9,04 Prozent Aabar zuzurechnen. Bereits im Anfang 2012 erschienenen Daimler-Geschäftsbericht ist von einer "Reihe von Finanzierungstransaktionen" die Rede, mit dem Aabar die Struktur seines Anteilsbesitzes verändert hatte.

Seit Monaten wurde über Rückzug spekuliert

Für seinen Anteil hatte das Emirat Abu Dhabi 2009 je Aktie 20,27 Euro bezahlt, insgesamt flossen 1,95 Milliarden Euro. Derzeit sind die Papiere in etwa doppelt so viel wert. Die Araber hatten sich den Einstieg bei Daimler mitten in der Autokrise günstig gesichert und dem Konzern damit eine willkommene Finanzspritze gewährt. Damals hieß es, die neue Partnerschaft solle auf Jahrzehnte angelegt sein.

Doch seit Monaten gibt es Gerüchte, der Großaktionär wolle sein Engagement bei Daimler bald beenden. Angeblich verlor der Staatsfonds zunehmend die Lust an seinem Einsatz, weil das Investment – Daimlers gestiegenem Aktienkurs zum Trotz – bilanziell auch negativ zu Buche schlug. So weist Aabar in Berichten auf langfristige Absicherungsgeschäfte für den Daimler-Kurs hin. In die Zukunft gerichtete Optionen dieser Art können Bilanzen auch belasten.

Womöglich auch Auswirkungen auf Formel-1

Nach den Änderungen ist Kuwait Daimlers größter Ankerinvestor – mit 7,6 Prozent direktem Anteilsbesitz. Andere deutsche Autobauer haben weitaus solidere Ankerinvestoren. BMW etwa hat mit der Familie Quandt, die fast die Hälfte der Papiere besitzt, einen starken finanziellen Rückhalt. Und Europas größter Autobauer Volkswagen mit seinen Daimler-Konkurrenten Porsche und Audi ist komfortabel abgesichert über den Familienclan Porsche/Piëch und das Bundesland Niedersachsen .

Der Aktionärsmix von börsennotierten Firmen lässt erahnen, wie wahrscheinlich feindliche Übernahmen sind. Sinkt ein Aktienkurs in einer Wirtschaftskrise merklich und sind genug Verkaufsinteressenten vorhanden, können Dritte unter Umständen leichter nach der Macht greifen – falls Ankerinvestoren als Rückhalt fehlen.

Inwieweit der Rückzug Aabars Einfluss auf das Alltagsgeschäft von Daimler hat, war zunächst nicht zu erfahren. Beide Partner arbeiten etwa bei der Formel-1 zusammen. Dort gibt es gesonderte Verträge. "Heute gab es nur eine Stimmrechtsmitteilung. Darüber hinaus gibt es zu den laufenden Kooperationen keinen neuen Stand", sagte der Daimler-Sprecher.

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Leserkommentare
    • tinnef
    • 12. Oktober 2012 9:14 Uhr

    Jahrzehnte laufen würde, war wohl klar und das Daimler nun wirklich nicht bei den Großen mitspielen konnte, haben sie ja mit der Chrysler Nummer bewiesen und über die Kooperation mit Renault-Nissan dürfte man sich auch wundern.

    Wäre ich Aktionär würde jedoch alle Alarmglocken klingen, denn wenn man die Araber kennt, weiß man, dass sie sich meist vor dem Platzen einer geschäftlichen Bombe zurückziehen.

    Interessant wäre nur zu erfahren, wie man weiter Zugriffsrechte auf verkaufte Aktien haben kann. Bei solchen Sachverhalten vermisst man in dt. Zeitungen immer irgendwie einen Glossar.

    Aber vlt. kann ja auch ein anderen Kommentator das Problem lösen.

    2 Leserempfehlungen
  1. ...Abu Dhabi das Geld ausgeht ! Ausser Öl, Sand und einem völlig ausser Rand und Band geratenen Imobiliensektor ist da nichts !
    Als Urlaubsland wird sich Abu Dhabi kaum etablieren, zumal es dort zuviele Einschränkungen gibt.

    2 Leserempfehlungen

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, Reuters
  • Schlagworte Autoindustrie | BMW | Volkswagen | Audi | Daimler AG | Aktie
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