Autoindustrie : Daimler kann Jahresziel nicht halten

Daimler hat nach einem Gewinnrückgang seine Ergebnisprognose für 2012 um knapp eine Milliarde Euro reduziert. Nun soll gespart werden, auch bei den Arbeitsplätzen.
Daimler-Chef Dieter Zetsche (Archivbild) © Uli Deck/dpa

Der Autohersteller Daimler kann seine Jahresprognose nicht halten. Daimler rechne angesichts der Zahlen des dritten Quartals für 2012 nur noch mit einem operativen Ergebnis vor Zinsen und Steuern von acht Milliarden Euro, teilte der Stuttgarter Dax-Konzern mit. Das wären knapp neun Prozent unter Vorjahresniveau.

Daimler-Chef Dieter Zetsche sagte, angesichts des schwierigen Marktumfeldes sei Daimler zufrieden mit dem Ergebnis im dritten Quartal. "Angesichts der deutlichen Verschlechterung des Marktumfelds in wichtigen Märkten in den vergangenen Monaten sowie einer Intensivierung des Wettbewerbs" sei das Jahresziel jedoch außer Reichweite gerückt. Daimler sei noch nicht da, wo der Konzern mittel- bis langfristig hin wolle, sagte Zetsche. Das Unternehmen habe Maßnahmen in allen Bereichen eingeleitet, um auf das schwierige Marktumfeld zu reagieren.

An seiner Dividendenpolitik will der Konzern dennoch festhalten. "Unsere Dividendenfähigkeit ist voll gegeben", sagte Finanzvorstand Bodo Uebber. Von dem 2012 erwarteten Nettoergebnis her könne Daimler die Auszahlung an die Aktionäre stabil halten.

Der Konzern gab weitere Details seines Sparprogramms bekannt: Unter anderem soll die Größe der Belegschaften auf den Prüfstand gestellt werden. Entlassungen seien aber kein Thema, sagte Uebber. Stattdessen könnten etwa frei werdende Stellen wegfallen. Der Konzern will mit dem Programm ab 2014 zwei Milliarden Euro einsparen.

Daimler-Chef Zetsche hatte bereits Ende September angekündigt, dass in der wichtigen Autosparte mit den Marken Mercedes-Benz , Smart und AMG, der operative Gewinn des Vorjahres 2012 nicht erreicht werde. Auch für das kommende Jahr zeigte sich Zetsche vorsichtig: Die für 2013 gesetzten Renditeziele könnten erst später erreicht werden.

Panne ließ Zahlen früher bekannt werden

2011 waren Daimler aus dem laufenden Geschäft rund 8,75 Milliarden Euro geblieben, was diesmal zunächst wieder das erklärte Ziel war. Unter dem Strich verdiente Daimler im dritten Quartal 11 Prozent weniger und kam auf 1,2 Milliarden Euro. Operativ blieben 1,9 Milliarden, was ein leichtes Minus von zwei Prozent ist. Die Umsätze kletterten dagegen merklich um 8 Prozent auf 28,6 Milliarden Euro.

Ursprünglich wollte der Autobauer seine aktuellen Zahlen erst am Donnerstag präsentieren. Eine Panne in der US-Zentrale in New York ließ die Zahlen schon früher bekannt werden. Erst vor einer Woche hatte Google mit einer versehentlich zu früh veröffentlichten Bilanz für Aufsehen gesorgt.

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Kommentare

18 Kommentare Seite 1 von 3 Kommentieren

Das Design ist auch schuld

Die Sterne gefallen einfach nicht so gut. Statt klare schicke Linien - BMW und vor allem Audi machens vor - schnörkelige Knickoptik. Keine klare Strategie mit Zweit- und Dritt-Marken. Jetzt baut man den Golf nach. Fragwürdige Strategie.

Außerdem leidet die Firma wohl noch unter den Vorhaben der Vorsitzenden Reuter und Schrempp. Der Eine wollte lieber einen integrierten Technologiekonzern und der Andere eine Weltfirma. Die hätten einfach weiter gute Autos bauen sollen.

Angesichts der bereits vor 20 Jahren absehbaren Marktsättigung

waren die Ideen Richtung Technologie- und Weltkonzern nicht falsch. Allerdings glaubte man, die Umstrukturierung mit ein paar hastigen Firmenzukäufen umsetzung zu können, von denen viele ein Griff ins Klo waren. Nicht zuletzt hat auch das Ende des kalten Krieges mit dem Einbruch des (High-Tech) Rüstungsmarktes zum Scheitern beigetragen.

Und selbst ein Erfolg dieser Strategien hätte Daimlers deutsche Autofabriken und -arbeiter nicht vor Kurzarbeit, Werkschliessung und Entlassung bewahrt. Die neuen Produkte wären ja an neuen Standorten und in anderen Ländern hergestellt worden. Überlebt hätte nur die Marke und die Konzernzentrale.

trotz fallender

Zahlen in Europa verkauft sich der Stern doch im Rest der Welt ganz gut, zudem haben wir hier Kurzarbeit und in den USA und anderen Ländern nicht.
Schade eigentlich, das im deutschen Konzern die deutschen MA zuerst die Kurzarbeit spüren.
Ob es solche Subventionsschübe auch in den ausländischen Betrieben von den jeweiligen Regierungen gibt?
Und das Spitzengehalt vom neuen Mitarbeiter Hamilton ist ja auch noch drin nebst seiner Teambetreuung.

Schade dass im deutschen Konzern...

Da schreiben Sie selbst, wo der Markt schwächelt und erwarten trotzdem, dass genau dort die Arbeitsplätze am sichersten sind.
Das ist menschlich verständlich aber ökonomisch kaum zu erwarten.
Zeit sich daran zu gewöhnen, dass in Zukunft immer mehr Sachen dort produziert werden, wo sie auch verkauft werden.
China macht es z.B. gern und immer wieder vor.