LuftfahrtDie Fusion von EADS und BAE ist gescheitert

Es sollte der weltgrößte Luftfahrt- und Rüstungskonzern werden: Jetzt ist die Fusion von EADS und BAE Systems geplatzt. Schuld daran trägt laut EADS die Bundesregierung. von dpa

Ein Rumpfteil eines Airbus A320 wird vor einer Flugzeughalle der EADS aus einem Transportflugzeug entladen.

Ein Rumpfteil eines Airbus A320 wird vor einer Flugzeughalle der EADS aus einem Transportflugzeug entladen.  |  © Norbert Millauer/dapd

Die Unternehmen EADS und BAE Systems haben inzwischen bestätigt, was bereits mehrfach an die Öffentlichkeit gedrungen war: Der Zusammenschluss zum weltgrößten Luftfahrt- und Rüstungskonzern kommt nicht zustande. Die Hauptschuld am Scheitern trägt laut EADS die Bundesregierung .

"Es war in erster Linie die deutsche Regierung, die das hat scheitern lassen", sagte ein EADS-Sprecher. Die Gespräche waren zuletzt von einem Streit zwischen Deutschland, Frankreich und Großbritannien über staatliche Beteiligungen an dem neuen Unternehmen blockiert worden. Während Deutschland und Frankreich Anteile an dem neuen Unternehmen halten wollten, plädierten EADS-Chef Tom Enders und Großbritannien dafür, den Einfluss der Regierungen zu senken.

Anzeige

Beide Unternehmen bedauerten das Aus der Fusion in einer gemeinsamen Erklärung. "Es ist natürlich schade, dass wir keinen Erfolg hatten, aber ich bin froh, dass wir es versucht haben", schrieb Enders in der Mitteilung. Er sei zuversichtlich, dass EADS seinen internationalen Wachstumskurs fortsetzen werde. BAE-Chef Ian King schrieb, er sei enttäuscht, dass die Fusion nicht komme.

Regierung will weiter Daimler-Anteile an EADS übernehmen

Der deutsche Koordinator für Luft- und Raumfahrt, Peter Hintze ( CDU ), begrüßte das Scheitern der Pläne. "Ich bin davon überzeugt, dass EADS seine Stärken am besten selbstständig auf dem Weltmarkt zur Geltung bringen kann", sagte er. "Davon profitieren auch die deutschen EADS-Standorte und die mittelständischen Zulieferer. Die Technologienation Deutschland hat ein originäres Interesse daran, dass Forschung, Entwicklung und industrielle Produktion bei uns stark bleiben."

Die Bundesregierung kündigte an, ungeachtet der geplatzten Fusion die Anteile des Automobilkonzerns Daimler an EADS zu übernehmen. Die Bundesregierung werde die Verhandlungen zur Übernahme von Anteilen von Daimler durch die KfW fortsetzen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert . Für die Regierung stehe im Vordergrund, dass sich EADS auf allen Geschäftsfeldern weiter positiv entwickele. Der Stuttgarter Autokonzern hält direkt und indirekt rund 22,5 Prozent an EADS, möchte seinen direkten Anteil in Höhe von 15 Prozent jedoch halbieren und an den Bund beziehungsweise an die Förderbank KfW veräußern. Daimler nimmt in dem internationalen Konzern die deutschen Interessen wahr.

Bundesregierung stellt sich hinter EADS-Führung

Seibert sicherte der EADS-Führung den Rückhalt der Bundesregierung zu: "Die Bundesregierung hat (...) volles Vertrauen in die unternehmerische Führung von EADS", sagte er. Enders hatte die Fusion maßgeblich vorangetrieben, war aber an den widersprüchlichen Interessen der drei Regierungen von Frankreich, Großbritannien und Deutschland gescheitert.

Wiederholt hatten Medien in den vergangenen Tagen über ein mögliches Aus des Milliarden-Deals berichtet . Politiker hatten massive Bedenken gegen eine Fusion der beiden Konzerne zum weltgrößten Branchenunternehmen geäußert. Streitpunkt war unter anderem der staatliche Einfluss, den sich die beteiligten Staaten Deutschland, Frankreich und Großbritannien sichern wollten. Kritik an der geplanten Rüstungsehe war zuletzt auch vom BAE-Großaktionär Invesco gekommen.

Zur Startseite
 
Leserkommentare
  1. Eine solche Fusion wäre ein wichtiger Schritt hin zu mehr Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Verteidigungsindustrie insbesondere gegenüber der Konkurrenz aus den USA gewesen. Aber die Zeit war wohl noch nicht reif dafür. Langfristig wird allerdings an einer Konsolidierung europäischer Stakeholder kein Weg vorbei führen.

    • Moika
    • 10. Oktober 2012 14:41 Uhr

    Zitat: "BAE-Chef Ian King schrieb, er sei enttäuscht, dass die Fusion nicht komme."

    Da soll er sich bei seinem Chef Cameron bedanken. Dem war es ja schon zu viel, den Verhandlungszeitraum nur um weitere zwei Wochen auszudehnen. Abgesehen davon, daß er die Fusion persönlich nicht wollte. Dann bekämen ja die Franzosen und die Deutschen ein klein wenig Einfluß auf sein Paradeunternehmen. Um Gottes Willen!!

    Das Scheitern jetzt Frau Merkel in die Schuhe schieben zu wollen, ist einfach eine politische Frechheit.

  2. Es ist nichts als die Fortsetzung der Vergangenheit.
    England gehört nicht wirklich zu Europa, mehr zu den USA.
    Geheimdienste arbeiteten doch früher(immernoch? ka) auch mit den USA zusammen, nicht mit denen Frankreichs oder Deutschlands.
    Dann ist es nur ein logischer Schritt, dass die Verteidigung auch nicht mit uns zusamengelegt wird.
    Zumindest nicht dermaßen eng, denn ein Rüstungskonzern ist schließlich direkt als Lieferer militärischer Waren an der Verteidigung unserer Länder beteiligt.

  3. ... denn Kriege werden angezettelt und passieren nicht einfach, es geht um Kohle, wie immer. Bei EADS/BAE geht es um Kriege. Hut ab vor der Bundesregierung!

    Und wenn trotz der enormen Reibungen zwischen D und F ein ziviles Produkt entsteht, das auf dem Weltmarkt fuehrend ist, wie koennte das erst laufen, wenn man die Deutschen alleine das machen laesst was sie immer gemacht haben: die besten Flugzeuge der Welt zu bauen.

    Vielleicht sollte man ueber eine Rueck-Abwicklung hin zur zivilen Messerschmitt und Dornier nachdenken, ohne Grosskotz-Unsinn wie A-380 etc., sondern vernuenftige gewinnbringende Produkte "that make the world a better place".

    Wenn Frankreich an diesem Erfolg teilhaben moechte, koennte es die Produkte in Deutschland kaufen.

    Und wenn der deutsche Waehler der Meinung ist, dem Nachbarn Nachhilfe oder Gesicht geben zu muessen, dann koennte er die Bundesregierung beauftragen diesen Kaufpreis je nach politischer Lage zu diskontieren, eine ehrliche Loesung.

    Ach ja, einen deutschen Vertreter brauchen wir bei EADS derzeit, Tom Enders vertritt sicherlich nicht unsere Interessen ... deshalb ist er wohl auch CEO geworden.

  4. "Schmiergeld Affaire" bei EADS, die Mafiösen Strukturen", gedeckt durch Regierungsorgane im In- und Ausland, ist es eher erfreulich wenn es nicht zu einem Zusammenschluß kommt.

    Solange die Behörden in GB noch ermitteln, was auch immer, könnte ein Zusammenschluß für manche Beteiligte, auch hier bei uns ziemlich unangenehm werden.

  5. Richtige Entscheidung der Bundesregierung!! Erinnerte mich irgendwie an die Mannesmann Mobilfunk D2 Affäre!!! Ich vermute es ging hier nicht um Rüstung sondern um den Versuch der feindlichen Übernahme des Airbusprojekts und der Innovationen.

    • Alskie
    • 10. Oktober 2012 15:49 Uhr

    Lob an die Bundesregierung. Eine Fusion wäre aus vielerlei Gründen schlecht gewesen. Schlecht für den europäischen Wettbewerb, schlecht für die deutschen Beschäftigten und langfristig wohl auch schlecht für EADS. Zu glauben nur mit der Fusion mit BAE könne man sich Aufträge auf dem US-Rüstungmarkt sichern und gleichzeitig die Geschäftsbeziehungen mit China Russland etc. aufrecht zu erhalten ist naiv.

    • Chilly
    • 10. Oktober 2012 15:55 Uhr

    die "too big to fail" sind, wirklich gut für eine Gesellschaft sind. Ein solches Mammutunternehmen hätte für viele Rüstungsbereich fast eine Monopolstellung gehabt und die ohnehin hohen Preise fast nach belieben diktieren können.

    Schon bei EADS streiten sich D und F heftig, wenn wieder Sparrunden anstehen, wo den die Arbeitsplätze gestrichen werden und wer den "Hut" auf hat. So sieht F Airbus immer noch als "französisches Produkt" an. Wenn nun neben dem kleinen Spanien noch die stolzen Briten hinzugekommen wären, drohte in Krisenzeiten, die es bei solchen Unternehmen immer wieder gibt, zu fast unlösbaren Streitigkeiten zu kommen. Eine reine Kapitalmarktorientierung hätte nie und nimmer funktioniert, jedenfalls nicht mit Franzosen. Daher: Das Scheitern ist als Chance zu sehen.

    CHILLY

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa
  • Schlagworte Bundesregierung | Fusion | CDU | Steffen Seibert | EADS | Luftfahrt
Service