Die Unternehmen EADS und BAE Systems haben inzwischen bestätigt, was bereits mehrfach an die Öffentlichkeit gedrungen war: Der Zusammenschluss zum weltgrößten Luftfahrt- und Rüstungskonzern kommt nicht zustande. Die Hauptschuld am Scheitern trägt laut EADS die Bundesregierung .

"Es war in erster Linie die deutsche Regierung, die das hat scheitern lassen", sagte ein EADS-Sprecher. Die Gespräche waren zuletzt von einem Streit zwischen Deutschland, Frankreich und Großbritannien über staatliche Beteiligungen an dem neuen Unternehmen blockiert worden. Während Deutschland und Frankreich Anteile an dem neuen Unternehmen halten wollten, plädierten EADS-Chef Tom Enders und Großbritannien dafür, den Einfluss der Regierungen zu senken.

Beide Unternehmen bedauerten das Aus der Fusion in einer gemeinsamen Erklärung. "Es ist natürlich schade, dass wir keinen Erfolg hatten, aber ich bin froh, dass wir es versucht haben", schrieb Enders in der Mitteilung. Er sei zuversichtlich, dass EADS seinen internationalen Wachstumskurs fortsetzen werde. BAE-Chef Ian King schrieb, er sei enttäuscht, dass die Fusion nicht komme.

Regierung will weiter Daimler-Anteile an EADS übernehmen

Der deutsche Koordinator für Luft- und Raumfahrt, Peter Hintze ( CDU ), begrüßte das Scheitern der Pläne. "Ich bin davon überzeugt, dass EADS seine Stärken am besten selbstständig auf dem Weltmarkt zur Geltung bringen kann", sagte er. "Davon profitieren auch die deutschen EADS-Standorte und die mittelständischen Zulieferer. Die Technologienation Deutschland hat ein originäres Interesse daran, dass Forschung, Entwicklung und industrielle Produktion bei uns stark bleiben."

Die Bundesregierung kündigte an, ungeachtet der geplatzten Fusion die Anteile des Automobilkonzerns Daimler an EADS zu übernehmen. Die Bundesregierung werde die Verhandlungen zur Übernahme von Anteilen von Daimler durch die KfW fortsetzen, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert . Für die Regierung stehe im Vordergrund, dass sich EADS auf allen Geschäftsfeldern weiter positiv entwickele. Der Stuttgarter Autokonzern hält direkt und indirekt rund 22,5 Prozent an EADS, möchte seinen direkten Anteil in Höhe von 15 Prozent jedoch halbieren und an den Bund beziehungsweise an die Förderbank KfW veräußern. Daimler nimmt in dem internationalen Konzern die deutschen Interessen wahr.

Bundesregierung stellt sich hinter EADS-Führung

Seibert sicherte der EADS-Führung den Rückhalt der Bundesregierung zu: "Die Bundesregierung hat (...) volles Vertrauen in die unternehmerische Führung von EADS", sagte er. Enders hatte die Fusion maßgeblich vorangetrieben, war aber an den widersprüchlichen Interessen der drei Regierungen von Frankreich, Großbritannien und Deutschland gescheitert.

Wiederholt hatten Medien in den vergangenen Tagen über ein mögliches Aus des Milliarden-Deals berichtet . Politiker hatten massive Bedenken gegen eine Fusion der beiden Konzerne zum weltgrößten Branchenunternehmen geäußert. Streitpunkt war unter anderem der staatliche Einfluss, den sich die beteiligten Staaten Deutschland, Frankreich und Großbritannien sichern wollten. Kritik an der geplanten Rüstungsehe war zuletzt auch vom BAE-Großaktionär Invesco gekommen.