EnergiekonzernRWE stoppt Bau neuer Atomkraftwerke

Unter RWE-Chef Peter Terium bricht eine neue Ära an: Der Energiekonzern beendet den Pro-Atom-Kurs und setzt künftig auch auf Solarenergie. von dpa

Das Atomkraftwerk Gundremmingen

Das Atomkraftwerk Gundremmingen  |  © Joerg Koch/ddp

Der Energiekonzern RWE wird künftig keine Atomkraftwerke mehr bauen. Der neue Konzernchef Peter Terium beendet nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung den Pro-Atom-Kurs seines Vorgängers Jürgen Großmann .

RWE steht nach Teriums Angaben kurz vor dem Verkauf der britischen Atomtochter Horizon, die der Konzern mit E.on gemeinsam betreibt. Die beiden deutschen Energieriesen hatten ihre Pläne zum Bau neuer Atomkraftwerke in Großbritannien Ende März zu den Akten gelegt, Horizon zum Verkauf gestellt und dies unter anderem mit den hohen Kosten begründet. Ursprünglich wollten die Unternehmen mit dem zu gleichen Teilen gehaltenen Joint Venture bis 2025 neue Kernkraftwerke mit einer Leistung von rund 6.000 Megawatt errichten.

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Nach Informationen aus RWE-Aufsichtsratskreisen soll der Verkauf bereits in den nächsten Tagen über die Bühne gehen. Als Favorit gelte ein Konsortium um den japanischen Hitachi-Konzern. Eine RWE-Sprecherin sagte, die Gespräche seien weit fortgeschritten.

"Jetzt holen wir auf"

Damit verabschiede sich RWE nach dem national beschleunigten Atomausstieg auch international vom Neubau von Kernkraftwerken und setzt künftig auch auf grüne Energie. RWE sei mit Verspätung in dieses Geschäft gestartet. "Aber jetzt holen wir auf", sagte Terium.

Das Geschäft mit Solarparks will Terium in den nächsten Jahren ausbauen. "Dass wir die Solar-Technik lange komplett abgelehnt haben, war aus heutiger Sicht ein Fehler", sagte Terium ein. Sein Vorgänger hatte Solaranlagen in Deutschland als so sinnvoll wie "Ananas züchten in Alaska " bezeichnet.
 

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Leserkommentare
  1. Schön, dass sich langsam auch die etablierten (Energie)konzerne ernsthaft zu engagieren beginnen, und ihre alten Standpunkte einer kritischen Prüfung unterziehen.
    Nicht gegeneinander, nur gemeinsam ist eine nachhaltige, unseren Lebensraum schonende (Energie)versorgung zu schaffen.

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    • Wupert
    • 25. Oktober 2012 23:47 Uhr

    Das Geschäftsmodell von EON, RWE und EnBW war der Bau und Betrieb von Großkraftwerken mit anschließender Verteilung des erzeugten Stromes. Gerade auch zu diesem Zweck wurden die besagten Unternehmen mal gegründet, weil die Kommunen alleine eben nicht die finanziellen Mittel zum Bau besagter Kraftwerke hatten.

    Nun hat sich der Markt radikal geändert und diesen Großen wird das Geschäftsmodell politisch motiviert entzogen.

    Die Reaktion kann zum einen sein, sein Geschäftsmodell anzupassen oder den Markt zu verlassen und Märkte außerhalb Deutschland zu erschließen.

    Wenn RWE nun Solarparks bauen will oder Panele auf das Dach von Hänschen Schmitz bauen will muß man doch fragen ob dieses noch in das Geschäftsmodell des Konzerns paßt. Ich denke nicht.

    Es wäre besser RWE und EON würden Ihr know-how nutzen um im Ausland zu investieren auch und gerade in Kernkraft. Nur leider haben sie dafür offenbar kein Geld mehr und vielleicht werden sie auch politisch unter Druck gesetzt.

    Nur der Versuch nun in einem Markt aktiv zu werden, der überhaupt nicht zu diesen Großkonzeren paßt, ist total verfehlt.

    Wenn ein Elefant versucht als Hamster zu überleben kann das nur schiefgehen, weil er eben kein Hamster ist.

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    • Hadl
    • 26. Oktober 2012 8:33 Uhr

    Wer bei Sonne und Wind von "Zufallstrom" spricht hat noch niemals einen Blick auf die Strombörse geworfen, sonst wüsste er mit welcher erstaunlichen Genauigkeit die Tagesgeschäfte prognostiziert werden.

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    • ChriHai
    • 26. Oktober 2012 10:06 Uhr

    Prognostizieren und planen sind zwei verschiedene Dinge. Wenn ich prognostiziere, dass morgen 30% weniger Energie produziert wird ist das was anderes, als wenn ich planen kann, dass jeden Tag eine bestimmte Menge Energie zur Verfügung steht.

    Außerdem ist der Planungshorizont für Stromverbrauch meist etwas weiter weg als 1-2 Tage. Sie können ja mal BMW nachfragen, ob sie die Einsatzplanung ihrer Produktionsanlagen auf Tagesbasis anhand des Stromangebots machen oder machen wollen.

    • ChriHai
    • 26. Oktober 2012 10:06 Uhr

    Prognostizieren und planen sind zwei verschiedene Dinge. Wenn ich prognostiziere, dass morgen 30% weniger Energie produziert wird ist das was anderes, als wenn ich planen kann, dass jeden Tag eine bestimmte Menge Energie zur Verfügung steht.

    Außerdem ist der Planungshorizont für Stromverbrauch meist etwas weiter weg als 1-2 Tage. Sie können ja mal BMW nachfragen, ob sie die Einsatzplanung ihrer Produktionsanlagen auf Tagesbasis anhand des Stromangebots machen oder machen wollen.

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    Antwort auf "Zufallstrom"
    • ChriHai
    • 26. Oktober 2012 10:14 Uhr

    Was soll das sein? Der genannte Ausgleich mit anderen Produktionsarten muss bei jeder Art von Solarstrom geschehen. Dabei gibt es keine Zuordnung, ob der Strom von Ihrem Dach oder vom RWE-Panel kommt.

    Und zu Ihren heimischen Verbrauchern: ihr Vorschlag würde dazu führen, dass ihre Haushaltselektronik nur bei Sonne funktioniert. Andernfalls müssen sie eben genau wieder einen Ausgleich aus anderen Stromquellen schaffen.

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    Antwort auf "Werter Time24 (7),..."
  2. „Nun hat sich der Markt radikal geändert und diesen Großen wird das Geschäftsmodell politisch motiviert entzogen.“

    …das ist doch verdammt richtig und verdammt bitter, was Sie da schreiben. Aber warum gehen die meist kluge Menschen in DE eben bis zu dieser roten Linie, warum fragt man einfach nicht-ist das eine „Politik“ oder Staats-Sabotage?! Der Euroenergie-Kommissar, für mich keine Sonne im Energiehimmel, hat sich doch verplappert, dass unsere 4 Stromriesen nur die 3-te Fußballliga sind und wenn sie die Konkurrenz in Europa überstehen wollen, müssen sie sich zusammenschmelzen. Und was…(?!). Man kann doch mit dem Finger zeigen, wer die deutsche Energetik und Industrie mit dem Boden gleichmachen würde, aber das wird wieder gelöscht. Jeder normaler Mensch sieht, was für ein riesiges Stück dreckiger Arbeit dran war und ist, wenn ein Elefant sich in einen Hamster umwandeln bereit stellt… Habe geschrieben, dass bei den Amerikanern würden da die richtige Konsequenzen gezogen…

    • Hadl
    • 26. Oktober 2012 14:48 Uhr

    ChriHi hat geschrieben.
    Prognostizieren und planen sind zwei verschiedene Dinge. Wenn ich prognostiziere, dass morgen 30% weniger Energie produziert wird ist das was anderes, als wenn ich planen kann, dass jeden Tag eine bestimmte Menge Energie zur Verfügung steht.

    @ChriHi
    Das Problem der Energiewende Kritiker ist, dass sie sich viel zu wenig mit der Materie beschäftigen .Tatsache ist, dass an der Strombörse ( Spotmarkt ) im Stundenraster zu unterschiedlichen Preisen Strom gehandelt wird. Wenn nun für den nächsten Tag wegen eines Hochdruckgebietes, X, GW
    Sonnenstrom prognostiziert werden, greift das sehr wohl in die Bedarfsplanung der Stromhändler an der Börse. BMW wird dabei von „Prognosen“ nicht berührt. Die bekommen ihren Bedarf auf jeden Fall. Möglicherweise in jeder Stunde in einem anderen Mix, und dem entsprechend auch zu einem anderen Preis, denn je mehr Sonne und Windstrom in der jeweiligen Stunde dabei ist, desto billiger ist das Angebot in der betreffenden Stunde. Sonne und Wind schicken keine Rechnung für Rohstoffe, und fallen an der Strombörse zum „Nulltarif“ an. Die Vergütung wird an anderer Stelle, der EEG Umlage verrechnet.Das Paradoxon dabei ist, dass je niedriger der Börsenpreis, gleich „Schnäppchen“ für Großabnehmer, desto höher wird die Umlage, die von den restlichen Verbrauchern bezahlt werden muss.

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    • wb99
    • 26. Oktober 2012 16:21 Uhr

    Was ist daran paradox? Wenn die Umlage = fixer Vergütungssatz - Marktpreis ist, dann steigt die Umlage logischerweise mit sinkendem Marktpreis.

    • Time24
    • 26. Oktober 2012 23:08 Uhr

    Wo kommt der Strom her, wenn keine Sonne scheint(soll gelegentlich Nachts vorkommen)und kein Wind weht? Da kann die Börse machen was sie will. Wenn kein Strom zum Handeln ansteht, wird auch nichts gehandelt. Aber bei uns wird es finster!
    Aber Sie haben recht, eine rechnung bekommen wir dann nicht geschickt. Denn wenn kein Strom geliefert wird, braucht man auch nicht bezahlen!

    • wb99
    • 26. Oktober 2012 16:21 Uhr

    Was ist daran paradox? Wenn die Umlage = fixer Vergütungssatz - Marktpreis ist, dann steigt die Umlage logischerweise mit sinkendem Marktpreis.

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, sk
  • Schlagworte RWE | E.on | Ananas | Atomausstieg | Atomkraftwerk | Energie
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