FinanzindustrieDie UBS lässt das Zocken sein

Ende einer verlustreichen Epoche: Als erste europäische Bank trennt sich die Schweizer UBS vom Investmentbanking – und kehrt zurück zu ihren Ursprüngen. von Lukas Hässig

Als Sergio Ermotti vor rund einem Jahr an die Spitze der UBS rückte, galt er als Zauderer. Vor Investoren verkündete der frisch gewählte Chef, das Investmentbanking mit seinem riskanten Handelsgeschäft nur leicht verkleinern zu wollen. 2.000 Stellen wollte Ermotti damals streichen. Es war ein zaghafter Schritt, der die Anleger kaum beeindruckte.

Heute präsentiert sich Ermotti fast als Revolutionär. Gemeinsam mit dem Deutschen Axel Weber, der seit Mai dem Verwaltungsrat vorsteht, hat er einen Umbauplan entwickelt, der über alles hinausgeht, was die Konkurrenz bisher vorgelegt hat. Die UBS spaltet die Hälfte ihrer stolzen Investmentbank ab und versieht sie mit einer neuen Führung. In wenigen Jahren will die Bank das Investmentgeschäft ganz einstellen. Rund 10.000 Stellen fallen dadurch weg, bald arbeiten nur noch 54.000 Mitarbeiter für die Bank. Auch die Aktionäre sollen zahlen. Die Bank verkündet eine Wertberichtigung in Milliardenhöhe. Im dritten Quartal fällt sogar ein Verlust von mehr als zwei Milliarden Franken an.

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Der Verzicht zeigt zweierlei. Zum einen reagiert die größte Bank der Schweiz auf die verschärften internationalen Aufsichtsregeln. Die Regulierer schreiben vor, dass die Geldhäuser mehr Eigenkapital vorhalten müssen, wenn sie mit festverzinslichen Anleihen und komplexen Finanzderivaten handeln. Nun trennt sich die UBS von diesen Geschäftsmodellen. Andererseits zieht das Geldhaus die Lehre aus dem eigenen Versagen. Dem Anspruch, eine führende Mitspielerin im Handel mit Zinsprodukten zu sein, ist die Bank nie gerecht geworden. Nach mehreren Anläufen seit Anfang der neunziger Jahre streichen die Schweizer nun die Segel.

Die Geschichte begann 1993. Eine kleine Truppe unter Führung des legendären Marcel Ospel blies damals zu einer im Rückblick irrwitzig anmutenden Offensive. Ospel verfolgte das Ziel, mithilfe der sprudelnden Gewinne aus dem hochlukrativen Vermögensverwaltungsgeschäft ein weltweit führendes Wall-Street-Handelshaus aufzubauen. Nichts weniger als eine zweite Goldman Sachs sollte die UBS werden. Riskante Wetten und Handelsgeschäfte sollten Milliarden einspielen.

Grübel kam und schob die Schuld auf seine Vorgänger

Ospel kaufte hierfür ein Sammelsurium von Finanzboutiquen und angelsächsischen Investmentbanken ein. Diese legte er unter dem Schlagwort "One Bank" im scheinbar straff geführten UBS-Konzern zusammen. Doch das Ganze blieb ein lose verbundenes Konstrukt, die hinzugekauften Investmenthäuser konnten unkontrolliert ihre Eigengeschäfte betreiben. Erst die Subprime-Krise zeigte, wie missglückt das Werk war. Die UBS schrieb Verluste von mehr als 50 Milliarden Dollar und stand vor der Pleite. Ospel, der einstmals übermächtige Chef, musste gehen.

Doch auch jetzt steuerte die Bank nicht um. Die UBS wollte eine große Nummer im angelsächsisch dominierten Geschäft mit Wertpapieren und der Beratung von Kunden für Börsengänge oder Übernahmen bleiben. Nach einer kurzen Übergangsphase holte der Verwaltungsrat der UBS einen Deutschen aus der Pensionierung, der zuvor die zweite große Schweizer Bank, die Credit Suisse, geführt hatte.

Das war Oswald Grübel. Der tat ab Frühling 2009 das, was er in seiner ganzen langen Karriere immer und meist höchst erfolgreich getan hatte. Grübel spekulierte. Ausgerechnet im Zinsengeschäft, wo die UBS kurz zuvor beinahe ihre Existenz verloren hatte, setzte Grübel auf ein fulminantes Comeback. Der Banker war überzeugt, dass nicht das Nebeneinander von konservativer Vermögensverwaltung und riskanter Investmentbank das Problem der Bank sei. Er betrachtete vor allem seine Vorgänger als Fehlbesetzungen. Er wisse schon, wie das Wettgeschäft erfolgreich betrieben werden könnte, meinte Grübel. Der Verwaltungsrat erteilte ihm hierfür eine "Carte Blanche".

Erst Anfang 2011 dämmerte dem Gremium, dass die guten alten Zeiten nicht wiederkehren würden. Da hatte sich Grübel mit seinem riesigen Obligationen- und Zinsderivate-Geschäft bereits hoffnungslos verrannt. Ursprünglich sollte diese Sparte fast die Hälfte vom Gesamtgewinn der Finanzgruppe beisteuern. Davon konnte jedoch längst keine Rede mehr sein. Grübel, einst scheinbar unfehlbar, wusste nicht mehr weiter.

Leserkommentare
  1. bezieht sich auch auf 10.000 Mitarbeiter und ist nur "Fake" da die nun übernehmenden Investmentbanken, also nicht die nun zu entlassenen Mitarbeter, sondern die Geschäfte, haben ja dann nichts mehr mit der UBS zu tuen.

    Für wie blöd halten auch schweizer Banken denn die denen sie das erzählen wollen?

  2. ...vollständige Haftung der Eigentümer und Zerschlagung der "Lügenbuden" auf eine systemunschädliche Größe ist zu fordern, da müsste sich die UBS und alle anderen nochmal um mindestens 50% reduzieren, Steinbrück wird´s sicher richten mit seinen guten Kontakten, so wie er bereits HRE,-IKB,-Deutsch-und Commerzbank gerichtet hat auf unser aller Kosten.

    • Ahato
    • 30. Oktober 2012 16:02 Uhr

    Richtig, alles Zocker, also Glücksspieler!

    Damals bin ich jeden Morgen ins Büro gekommen, habe mir per Zufall und frei nach eigenem Gutdünken und Bauchgefühl ein paar Papiere ausgesucht, habe sie gekauft, feste die Augen zugedrückt und gehofft, dass die Kurse steigen werden.
    Ich hatte fast immer "Glück" und wenn ich mal keines hatte, dann habe ich den Schund überteuert an Kleinanleger und Kunden des Hauses abgestoßen, denn schließlich sind wir neben "üblen Zockern" bekanntlich auch noch ganz "üble Betrüger".

    Natürlich habe ich nie basierend auf Wissen, Erkenntnis und Erfahrung gehandelt (Wer käme denn auf die Idee, dass es sowas in diesem Geschäftsfeld überhaupt gibt? Absurd!) und da das Glück bekanntlich über die Zeit alle nahezu gleich behandelt gab es auch keine Kollegen, die besser oder schlechter waren.

    Theoretisch könnte jeder den Job machen. Da es aber nicht genug Arbeitsplätze in diesem Bereich für "jeden" gibt, haben die Banken ausgemacht einen solchen Platz nur jenen zu überlassen, die es wenigstens irgendwie durch ein BWL-Studium gebracht haben, gleichzeitig extrem egoistisch und gierig sind und einen starken Hang zum kriminellen Treiben aufweisen.
    (Ich hoffe kein Vorurteil ausgelassen zu haben)

    Ach ja. Ein bestimmtes Maß an Selbstironie gehört heute einfach dazu.
    Dennoch, liebe Zeit.de, wäre mir die Überschrift "Die UBS trennt sich vom Investmentbanking" irgendwie seriöser erschienen.

    • Askay
    • 30. Oktober 2012 16:08 Uhr

    Der Markt wird zeigen, ob sich diese Idee durchsetzt.

    Eine Bank, die, ohne Not, Ihre Kunden an die Behörden verrät, möchte sich jetzt ausgerechnet im Segment "Vermögensverwaltung" wiederfinden?

    Wieviele kleinere feinere Konkurrenten gibt es alleine in der Schweiz, geschweige denn in anderen Ländern?

    Warum vertrauen Vermögende zunehmend auf eigene Homeoffices?

    Wie war das mit dem Druck auf die Margen beim Geschäft bei Spezialfonds und Institutionellen?

    Die durch die Überregulation gestiegenen Kosten werden aber gerade von der vermögenden Kundschaft und Instis nicht mehr akzeptiert.

    Warum konnte sich die Sparte Investmentbanking zum Frust der Verwalter langsam durchsetzen, wegen der Verluste?

    Wie will man eine vermögenden Kundschaft die Fähigkeit zur Vermögensmehrung klar machen, wenn man nichts vom spekulativen Geschäft versteht und nicht einmal selbst mit eigenem Geld (Eigenhandel) Gewinn machen kann?

    Will man sein Vermögen erhalten, ist in Zeiten staatlicher Gier und Unsicherheit spekulativer Sachverstand unabdingbar.

    Und mit dem normalen Tagesgeschäft wird man ohne Möglichkeiten der Quersubventionierung sehr viel weniger flexibel und stabil werden. Es ist ja nicht so, dass Investmentbanking immer Verluste brachte - im Gegenteil. Absehbar ist, dass die Rendite sinkt und so Kostenerhöhung für das Restgeschäft erzwingt.

    Wie die UBS so gegen die Konkurrenz noch punkten will wird spannend.

    Auf jeden Fall ist diese Selbstentleibung eine Riesenchance für andere.

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    ...auch Ihren feinen, kleinen, provisionszockenden Mitbewerbern, die Privatbanken Wengelin und Julius Bär mögen warnende Beispiele dafür sein, daß Gesellschaften betrügerische Geschäftsmodelle nicht länger hinnehmen wollen.

  3. ...auch Ihren feinen, kleinen, provisionszockenden Mitbewerbern, die Privatbanken Wengelin und Julius Bär mögen warnende Beispiele dafür sein, daß Gesellschaften betrügerische Geschäftsmodelle nicht länger hinnehmen wollen.

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    • Askay
    • 30. Oktober 2012 20:09 Uhr

    Ich denke, Sie leben in einer kleinen, vermutlich linken, Traumwelt ohne Bezug zur Realität. Hier fehlt aber in der Regel Vermögen und damit der Erfahrungshorizont.

    Oder glauben Sie wirklich, jemand, der aus einem EUR zwei EUR machen kann, würde das für andere tun, wenn es sich nicht für ihn rentiert?

    Wenn Sie das können, können Sie sich die Kunden aussuchen, denn sie brauchen eigentlich keine Kunden. Umgekehrt zahlen Ihnen die Kunden gerne Ihr Honorar. Leute, die anderen den Verdienst neiden, sollten lieber auf die umlagefinanzierte Mindestversorgung bzw. Sparbuch mit Einlagensicherung setzen.

    Und gerade die USA unterstützen Unternehmen durch absolute Steuerfreiheit in mehreren Staaten, solange diese ihre Geschäfte ausserhalb der USA machen. Auch extrem diskrete Strukturen sind durch Auslandsgesellschaften als Shareholder möglich. Einfach W-8 Form ausfüllen und schon ist man als Non resident Alien in den USA 100% steuerfrei. Wegelin und JB, ebenso, wie die UK Banken und die Deutsche Bank waren eigentlich nur unliebsame Konkurrenz, die das Modell der steueroptimierten Kapitalanlage dummerweise direkt für US Bürger anboten.

    Glauben Sie nun wirklich, die USA würden gegen Firmen in Delaware vorgehen, weil die möglicherweise an anderem Ort Steuern sparen oder optimieren? Man muss nur die richtigen Standorte, Finanzierungsformen und Beneficiaries wählen, um auf legaler Basis den illegitimen Unfairteilern und Steuerverschwendern locker und auf Dauer Paroli bieten zu können.

    • Askay
    • 30. Oktober 2012 20:09 Uhr

    Ich denke, Sie leben in einer kleinen, vermutlich linken, Traumwelt ohne Bezug zur Realität. Hier fehlt aber in der Regel Vermögen und damit der Erfahrungshorizont.

    Oder glauben Sie wirklich, jemand, der aus einem EUR zwei EUR machen kann, würde das für andere tun, wenn es sich nicht für ihn rentiert?

    Wenn Sie das können, können Sie sich die Kunden aussuchen, denn sie brauchen eigentlich keine Kunden. Umgekehrt zahlen Ihnen die Kunden gerne Ihr Honorar. Leute, die anderen den Verdienst neiden, sollten lieber auf die umlagefinanzierte Mindestversorgung bzw. Sparbuch mit Einlagensicherung setzen.

    Und gerade die USA unterstützen Unternehmen durch absolute Steuerfreiheit in mehreren Staaten, solange diese ihre Geschäfte ausserhalb der USA machen. Auch extrem diskrete Strukturen sind durch Auslandsgesellschaften als Shareholder möglich. Einfach W-8 Form ausfüllen und schon ist man als Non resident Alien in den USA 100% steuerfrei. Wegelin und JB, ebenso, wie die UK Banken und die Deutsche Bank waren eigentlich nur unliebsame Konkurrenz, die das Modell der steueroptimierten Kapitalanlage dummerweise direkt für US Bürger anboten.

    Glauben Sie nun wirklich, die USA würden gegen Firmen in Delaware vorgehen, weil die möglicherweise an anderem Ort Steuern sparen oder optimieren? Man muss nur die richtigen Standorte, Finanzierungsformen und Beneficiaries wählen, um auf legaler Basis den illegitimen Unfairteilern und Steuerverschwendern locker und auf Dauer Paroli bieten zu können.

  4. Die Träume der europäischen Bankmanager an der Wall Street im globalen Monopoly mitzuspielen sind ausgeträumt und übrig blieb ein Scherbenhaufen, für welche der Steuerzahler noch lange Zeit finanziell bluten wird.
    Die Großmannsucht der Manager, von einer HypoAdria, eine HypoRealEstate, die RBS, die BayernLB, die WestLB, ...., endeten im HypoRuin Europas.
    Die überlebenden europäischen Banken, irgendwo als Pennystock unter jedem Wert, mit einem Geschäftsmodell, wo es einen nur verwundert, wie man die Gesetzgebung noch Gesetzgebung nennen kann....aber die Strafe besteht dann wohl in den von megalomanisch, zu einem provinziellen Rahmen reduzierten Eitelkeiten, welche dann der Provinz sich straflos an Unschuldigen austoben dürfen, wobei ein Ermotti von der Unikredit zur USB gewechselt ist, nach Amtsantritt offen zugab, das der Reichtum der Schweiz auf Schwarzgeld basiert und nunmehr als ein Big Player sich aus dem Investmentgeschäft zurückzieht.
    So viel Offenheit von Ermotti, gab es wohl nur, da er gesehen hat, was bei der Unikredit so an Geschäften, abseits der Öffentlichkeit dann laufen, einer europäischen Bankenbranche, wo die schlimmsten Vermutungen über deren Geschäftsgebaren, von der täglichen Realität noch mühelos übertreffen werden.
    So bald es dann nicht mehr um das Geld, denn nur noch um Eitelkeiten einzelner Manager geht, also wie es sich in der Realität dann ausformuliert, dann endet man dann auch so wie die europäische Bankenbranche, als Pennystock im Ausverkauf....

  5. 10.000 arbeitsplätze bei der UBS sind futsch, nur weil die das zocken läßt?!

    dann hätte das zocken bislang 10.000 arbeitsplätze gebracht?!

    => irgendwas läuft hier für mich 'unerklärlich' ?! ?!

    entweder habe ich einen knoten im gehirn oder benötige ein update in wirtschaftskunde.

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  • Quelle ZEIT ONLINE
  • Schlagworte UBS | Schweiz | Investmentbanking | Bank | Bad Bank
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