FinanzsektorUS-Großbanken erzielen wieder Milliardengewinne

Ausgerechnet mit Immobilien machen US-Banken wieder satte Gewinne – JP Morgan verdiente im dritten Quartal 5,7 Milliarden Dollar. Die US-Notenbank hilft dabei. von reuters

Der Hauptsitz von JP Morgan Chase in New York

Der Hauptsitz von JP Morgan Chase in New York  |  © Spencer Platt/Getty Images

US-Großbanken verdienen wieder soviel wie vor der Krise – und erneut ist das Hypothekengeschäft Gewinnbringer Nummer eins. Sowohl Branchenprimus JPMorgan Chase als auch das viertgrößte US-Geldhaus Wells Fargo profitieren von der überraschend starken Erholung des Häusermarktes dank historisch niedriger Zinsen.

JP Morgan verdiente im dritten Quartal netto 5,7 Milliarden Dollar, der kleinere Konkurrent fünf Milliarden Dollar. Von solchen Ergebnissen sind europäische Geldhäuser noch weit entfernt . Die besser als erwartet ausgefallenen Zahlen der US-Banken stimmten Anleger aber optimistisch, dass sich die Krise nach fünf Jahren langsam dem Ende zuneigt.

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Bei JP Morgan stieg der Nettogewinn im Jahresvergleich um ein Drittel, teilte das Institut mit. "Der Häusermarkt hat die Talsohle durchschritten", sagte Bankchef Jamie Dimon, der wegen eines Handelsskandals in seinem Haus zuletzt massiv unter Druck geraten war. Allein im Hypothekengeschäft nahm das Geldhaus 1,8 Milliarden Dollar ein – 36 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Gut 50 Prozent mehr als vor einem Jahr

Der Mini-Boom bei den Immobilienfinanzierungen beruht auf niedrigen Zinsen. Viele US-Immobilienkäufer wollen aktuell ihre alten Hypotheken umschulden, um davon zu profitieren. Auch Wells Fargo – der größte Immobilienfinanzierer in den USA – profitiert von dem Trend. Der Nettogewinn stieg um fast ein Viertel. Im Hypothekengeschäft nahm die Bank mit 2,8 Milliarden Dollar gut 50 Prozent mehr ein als vor einem Jahr.

Die reine Vergabe der Häuserdarlehen ist für die Banken nicht besonders lukrativ. Im Gegenteil: Die Konditionen der neuen Hypotheken sind für sie in der Regel schlechter, was das Zinsergebnis schmälert. Das war bei Wells Fargo der Fall. Auch JP Morgan rechnet in den nächsten Quartalen mit weiterem Druck auf die Margen.

Die Gewinne kommen aber durch die Weitergabe der Kredite an den Kapitalmarkt: Die Banken legen Wertpapiere auf, mit den Hypotheken als Sicherheiten – der Markt für ähnliche Finanzprodukte war vor fünf Jahren im Zuge des Preisverfalls am Häusermarkt zusammengebrochen, woraufhin die Finanzkrise ihren Lauf nahm.

Trotz dieses bekannten Risikos ist das Interesse der Investoren wieder groß, weil die US-Notenbank als garantierter Abnehmer der Papiere feststeht: Die Federal Reserve hat angekündigt, zur Stützung der Konjunktur pro Monat bis zu 40 Milliarden Dollar an Hypothekenpapieren aufzukaufen.

Leserkommentare
    • keibe
    • 12. Oktober 2012 20:48 Uhr

    "Ausgerechnet mit Immobilien machen US-Banken wieder satte Gewinne – JP Morgan verdiente im dritten Quartal 5,7 Milliarden Dollar."

    Wo kann man denn diese Milliarden-schweren Papiere erwerben?

    Eine Leserempfehlung
  1. .
    Nichts gelernt, alles wieder vergessen und schon reitet man in die nächste Runde ....

    Es wird wohl doch nur durch grundsätzliche Revolutionen, durch tiefgreifende und umfassende Neuverteilungen von Besitz und eine rigorose Eliminierung der erfahrungsresistenten Beharrungskräfte am oberen Ende der Verteilungspyramide gehen.

    Alles andere greift zu kurz, wie die derzeitige "Erholung" auf Kosten wieder der selben Schafe wie schon zuvor auf das Deutlichste zeigt.

    5 Leserempfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Wie heißt das Märchen noch...die Ratenempfänger von Hammeln?
    ....aber doof bleibt doof ist auch nicht schlecht.

  2. ich verkaufe meine Garage für 3 Millionen Euros, die könnt Ihr dann mit 50 Milliarden beleihen und weitere Garagen erwerben.

    Cool, wa?

    Eine Leserempfehlung
    • mores
    • 12. Oktober 2012 21:48 Uhr

    Wenn die US-Notenbank bei Nichtgefallen die wertlosen Papiere aufkauft wie hier die EZB macht Banker-Spielen wieder richtig Spaß!

    2 Leserempfehlungen
  3. Mit irgendwelchen Taschenspielertricks beim Hochfrequenzhandel oder so, die jedes Scriptkiddie drauf hätte. Aber normalerweise sitzen solche Leute in irgendwelchen anonymen Hütten in Russland und nicht in einem Glaspalast - im besten Haus am Platz und verbreiten ihren Schwachsinn nicht noch im Fernsehen. War ja klar - der Staat hilft, damit sich das Roulettespiel weiterdrehen kann. Wo kämen wir da auch hin, wenn man für sein Geld mal (selbst) arbeiten müsste. Amerika ist echt ein tolles Land. Da kann Eric T. Hansen noch so viel erzählen. Das funktioniert so nirgendwo sonst auf der Welt und das will ich auch gar nicht.

  4. Wie heißt das Märchen noch...die Ratenempfänger von Hammeln?
    ....aber doof bleibt doof ist auch nicht schlecht.

    Antwort auf "Doof bleibt doof."
    • CPUX
    • 12. Oktober 2012 23:12 Uhr

    sektor machen. Konnten sie doch 2007/2008 ihre faulen Immo-kredite nach Europa weiter reichen,damit sich hier gierige Banken sofort drauf stürzen konnten.Als der Betrug aufgefallen war,wurde direkt ein Bankenrettungsschirm aufgespannt,natürlich zu Lasten der Steuerzahler!Hat eigentlich irgendjemand mal diese Banken in den USA wegen Betrug vor Gericht gestellt?An dem Bankenrettungsschirm knabbern die europäischen Staaten noch heute!Aber es ist ja prima das wir damit viele US Banken vorm Konkurs bewahrt haben.Hat sich überhaupt schon mal eine US Bank dafür bedankt?

  5. ... gab es zwei prägende Aussagen:

    "Das Ende der Geschichte"

    "Kampf der Kulturen".

    Beide haben sich als substanziell unrichtig,
    und für die Historie in jeder Hinsicht erwiesen.

    Aber auf die Finanzindustrie angewendet haben beide Begrffe
    enorme Aussagekraft.
    Die Finanzkrisen häufen sich in immmer kürzerem Abstand!
    Die Gier der nächsten Broker-Generation möchte vor dem
    Big-Bang noch einen Guten Schnitt machen.
    Das Ende (der Finanzwirtschaft) naht mit jeder Krise in höherem Tempo, sie steuert mit immer schärferem Tempo auf den Abgrund zu.

    Im Kampf befinden sich die "systemisch-relevante" Handelnden
    1% mit den 99,9% Betroffenen die den Schaden der dann
    längst in Steuerparadiese entschwundenen ausbügeln sollen.

    Wer hätte vor nahezu 25 Jahren gedacht, dass eine solche
    Interpretation je Realität werden könnte ?

    Eine Leserempfehlung

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  • Quelle ZEIT ONLINE, Reuters
  • Schlagworte JPMorgan Chase | Deutsche Bank | Goldman Sachs | Morgan Stanley | US-Notenbank | Dollar
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