Zukunft der Zeitung : Wer sterben und wer überleben wird

"Frankfurter Rundschau", "Financial Times Deutschland": Zwei wichtige Tageszeitungen stehen vor dem Aus. Hat das große Zeitungssterben begonnen?
Tageszeitungen in einem Kiosk in Berlin © Johannes Eisele/AFP/Getty Images

Diese Woche könnte eine Woche des Zeitungssterbens werden. Am Montag, nur sechs Tage nach der Insolvenz der Frankfurter Rundschau , rief Steffen Klusmann seine Mitarbeiter zusammen. Wieder einmal hieß es bei einer großen deutschen Tageszeitung: Krisensitzung statt Redaktionskonferenz.

Klusmann, Chefredakteur der Financial Times Deutschland , hatte keine guten Nachrichten. Wenn sich an diesem Mittwoch der Aufsichtsrat des Verlags Gruner+Jahr trifft, dürfte er das Ende der lachsfarbenen Wirtschaftszeitung besiegeln. Es wäre das zweite Aus einer großen überregionalen Tageszeitung innerhalb nur einer Woche. Nach Recherchen von Spiegel Online und der FAZ steht die Entscheidung so gut wie fest.

Für Tageszeitungen wird es nun endgültig ernst. Die jahrelange Medienkrise könnte sich zu einem großen Zeitungssterben auswachsen. Wen trifft es als Nächstes? Welche Zeitung hat die besten Überlebenschancen? Liegt schon bald gar keine Tageszeitung mehr auf dem Frühstückstisch?

Schlecht ist die Stimmung in den Chefetagen der Verlage seit Jahren. Die Auflagen sinken, auch renommierte Blätter schreiben rote Zahlen. Der große Knall blieb jedoch aus. Die Frankfurter Rundschau wurschtelte sich viele Jahre irgendwie durch, die Financial Times Deutschland konnte zuletzt den jährlichen Verlust zumindest halbieren. Selbst die notorisch klamme taz liegt noch an den Kiosken.

Und das, obwohl in anderen Ländern die Tageszeitungen schon lange ums Überleben kämpfen. In Frankreich verdient keine einzige Zeitung mehr Geld. Viele Blätter haben aufgegeben oder sind ins Netz abgewandert, zuletzt die Wirtschaftszeitung La Tribune . Bei der spanischen El País muss ein Drittel der Belegschaft gehen. Und in den USA mussten allein in den den vergangenen fünf Jahren 14 große Tageszeitungen schließen, darunter traditionsreiche Blätter wie die Oakland Tribune . Andere wie die L.A. Times oder die Chicago Tribune meldeten Insolvenz an. Nun scheint es, als erreiche die Existenzkrise der Tageszeitungen auch Deutschland.

Die Auflage schrumpft, doch es gibt ein größeres Problem

Dabei sind aktuelle Nachrichten noch immer gefragt. Rund 47 Millionen Deutsche lesen jeden Tag eine Tageszeitung. Rechnet man die Besucher der Online-Seiten der Zeitungen hinzu, erreichen deren Artikel täglich sogar mehr als 50 Millionen Menschen. "Die Reichweiten der Zeitungen sind so groß wie nie zuvor", sagt Horst Röper, Zeitungsforscher und Geschäftsführer des Formatt-Instituts in Dortmund.

Selbst die Auflagenzahlen sind nicht so schlecht, wie die miese Stimmung vermuten lässt. Zwar sind die Einzelverkäufe und Abonnements in den vergangenen zehn Jahren um rund sechs Millionen Exemplare gesunken. Trotzdem verkaufen große Tageszeitungen wie die Süddeutsche Zeitung und die Frankfurter Allgemeine Zeitung noch immer fast eine halbe Million Exemplare täglich. Sogar die Frankfurter Rundschau setzt momentan noch rund 150.000 Exemplare pro Tag ab. Die Financial Times Deutschland kommt immerhin auf eine Auflage von rund 120.000.

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Kommentare

144 Kommentare Seite 1 von 20 Kommentieren

"Qualität"

Was wohl allgemein "Qualität" heißt!? - sind es doch gerade "linke" Zeitungen mit einem pluralistischen Meinungsbild, die in der Krise stecken (Beispiel: taz, Frankfurter Rundschau).

Selbst der Spiegel hat sich schon vom linken Spektrum verabschiedet und ist mehr schlecht als recht konservativ.

Soll heißen: Die meisten Leser wollen keine Qualität in dem Sinne, sondern Einseitigkeit und Stammtischparolen...

Selbstverständlich "sterben" Zeitungen,

gerade Wirtschaftszeitungen leben von der Geschwindigkeit und welcher Boss liest gerne am nächsten Tag was gestern schon aktuell war?

Internet ersetzt Papierausgaben. Aber die Zeit hemmungsloser Gratis-News online sind wahrscheinlich auch bald vorbei.

Das Hamburger Abendblatt oder die New York Times oder die Times.co.uk verlangen bereits Geld für Content. Und mit Smartphones und iPads lassen sich eher Kunden dazu bringen, für Apps und Content zu zahlen.

Das bedeutet, dass für Special Interests (z.B. Börsen und Finanzen) wird es eher immer Kunden geben, die bereit sind dafür zu zahlen. Hoffentlich. Der Wettbewerb, die Qualität der Nachrichten und die Geschwindigkeit von Redaktionen werden es entscheiden.

festgemauert in der Erde

Sehen Sie, darum benötigen wir eine breitgefächerte Presselandschaft.
Eine Presse die nur Ihre Einstellung verbreitet wäre sterbenslangweilig.
Ob nun die FR in den letzten Jahren der Leuchtturm der Erkenntnis war wollen wir hier nicht diskutieren.
Aber jede eingestellte Zeitung ist für den Bürger ein fehlendes Puzzleteil der Meinungsfindung.
Ist man allerdings wie Sie "festgemauert in der Erde" reicht schon eine Zeitung, die wie die Glocke auch sehr laut tönt.

Bin zwar mal gerade 30,

sehe das aber ganz ähnlich.

Die Tageszeitung wird über kurz oder lang vollkommen durch E-Reader-kompatible Online-Ausgaben und Smart-Phone-Newsfeeds ersetzt. Wenn nicht gleich durch Twitter und dergleichen.

Journalistische Qualität findet entsprechend schon länger eher in Wochenzeitungen und Sparten-Magazinen statt und deren Online-Präsenzen statt.

Finde ich nicht zwingend schlecht, eher logisch, diese Entwicklung...

Die ZEIT twittert auch

Ihr Posting ist leider ein Schnellschuss. Auch dei ZEIT twittert. https://de.twitter.com/ze... und über deren Timeline hat man einen schnellen Überblick über diese Seite hier! Und wenn einem eine Schlagzeile interessiert, dann klickt man den Link und landet beim Artikel auf Zeit-online.

Twitter wird also quasi als Newsfeed "missbraucht". Wo ist also das Problem?

wg. Twitter

'Die Tageszeitung wird über kurz oder lang vollkommen durch E-Reader-kompatible Online-Ausgaben und Smart-Phone-Newsfeeds ersetzt. Wenn nicht gleich durch Twitter und dergleichen.'

Habe nur mal Ihren Satz zu Ende gedacht...Twitter ersetzt Tageszeitung. Aber ohne die Online-Ausgabe geht's natürlich dann auch nicht, oder?
Sonst führt der Tweet oder Newsfeed ja ins Leere...

eintausend Seiten ?

Lieber Forist, Sie Schreiben dass eine Tageszeitung entbehrlich ist...
ja, ist sie.

Ist ein interessant geschriebenes Buch entbehrlich ?
Ja, ist es.

Beide Beispiele lassen sich auf elektronischen Medien lesen.
Aber...
die frisch gelieferte Zeitung, vor der Wohnungstür gelegen, Reklameeinlagen rieselnd, am Frühstückstisch aufgeschlagen, dass kann und will ich nicht missen.
Stimmt, ich gehöre zu den "UHUS", also denen, die unter 100 sind.
Eine morgendliche Presseschau im Netz, quer durch die deutsche Medienlandschaft, ist aber auch immer angesagt.

Zum Buch.
Hier scheiden sich keine Geister.
Richtig verstanden "keine Geister"
Wer nicht den Mut hat einen Wälzer zu lesen, in die Gedanken eines anderen Menschen einzutauchen, diesen "Wälzer" nicht aus der Hand legen will, der hat in seinem Leben vieles versäumt.

Ich erinnere mich an den "Schwarm", eintausend Seiten, gelesen in drei Tagen.
Was für ein Erlebnis.

Ach, eines noch...
Dagobert Duck wurde am heutigen Tag "offiziell" 65, also Rentner.
Gehört auch zu meinen Lieblingen, der alte kapitalistische Racker.