Zukunft der ZeitungWer sterben und wer überleben wird
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Die Finanzkrise ging, die Werbeeinnahmen kamen nicht zurück

Dennoch verlieren die Tageszeitungen an Lesern, und das macht es für sie schwieriger zu erklären, warum die Werbewirtschaft noch Anzeigen schalten sollte. Die Werbekunden sind das größte Problem für die Zeitungsbranche. Während der Wirtschaftskrise zwischen 2007 und 2009 brach der weltweite Markt für Werbung um 44 Milliarden Euro ein. Seitdem hat sich die Lage nur leicht verbessert.

Deutschland kam mit einem Minus von rund einer Milliarde in dieser Zeit noch recht glimpflich davon. "Für den Werbemarkt waren es trotzdem die härtesten Jahre seit Bestehen der Bundesrepublik", sagt Volker Nickel , Sprecher des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft. Die Tageszeitungen wurden von der Werbekrise besonders schwer getroffen. Im vergangenen Jahr verdienten die Tageszeitungen nur noch 3,6 Milliarden Euro mit Anzeigen. Zum Vergleich: Anfang des Jahrtausends waren es noch rund 6,6 Milliarden Euro.

Zwar bekommen Zeitungen noch immer einen großen Teil der gesamten Werbeausgaben – jeder dritte Euro, der 2011 in Deutschland für Werbung ausgegeben worden ist, floss in Zeitungswerbung. Das Internet aber holt auf: Schon im kommenden Jahr wird es das Fernsehen als zweitwichtigsten Werbeträger ablösen und auch den Tageszeitungen weiter Marktanteile abnehmen.

Vor allem kleinere Unternehmen investieren inzwischen lieber in Direkt- oder Internetwerbung. Das Problem dabei: Im Netz verdienen die Verlage mit Anzeigen noch viel weniger als in der gedruckten Zeitung. "Eine Online-Anzeige ist bis zu zehnmal billiger als eine gedruckte", sagt Michael Geffken, Medienforscher und Direktor der Leipzig School of Media.

"Die alten Zeiten werden nicht wiederkommen"

Für defizitäre Zeitungen wie die Frankfurter Rundschau und die Financial Times Deutschland war die Abwanderung der Werbekunden am Ende zu viel. Bisher haben die Eigentümer die Verluste der Blätter einfach ausgeglichen. Nun, so scheint es, fehlt ihnen die Kraft – und vielleicht auch die Geduld.

Auch die Überlebenden auf dem Tageszeitungsmarkt müssen lernen, mit geringeren Erlösen aus dem Anzeigengeschäft auszukommen. "Die alten Zeiten der hohen Werbeeinnahmen werden nicht wiederkommen", sagt Anja Pasquay, Sprecherin beim Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV). Den Verlagen bleiben daher zwei Möglichkeiten: Kosten sparen oder neue Einnahmequellen finden.

"Die Einsparpotenziale sind in vielen Verlagen erschöpft", sagt Pasquay. Gerade die Frankfurter Rundschau und Financial Times Deutschland haben in den vergangenen Jahren alles versucht, um ihre Kosten zu drücken. Mehr sparen geht nicht, wenn die Verlage ihr wertvollstes Gut nicht aufgeben wollen: die journalistische Qualität.

Leserkommentare
  1. Die Print-Zeitung wird nie aussterben. Digitale Nachrichten entpuppen sich zunehmend als maßgeschneiderte individualisierte algorithmische Nachrichten, die ganz leicht manipuliert werden können und sich als nicht vertrauenswürdig erweisen. Vertrauen ist der höchste Wert, der in unserer Gesellschaft zunehmend durch mathematische Mechanisierung verloren geht. Egal ob in Politik, Wirtschaft oder Medien. Das soziale Lebewesen Mensch funktioniert aber ausschließlich nach diesem Wert.

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    In diesem Artikel ging es hauptsächlich um Tageszeitungen. Und dass Printmedien NIE aussterben, naja, wir werden sehen, was in 100 Jahren hier so los ist.
    Und manipulativ kann ein Printmedium genauso sein, wie ein Online-Magazin...Axel-Springer macht es vor, mit der Bild-Zeitung und dem Spiegel. Selbe manipulative Inhalte, einmal für die "normal-gebildeten" Bürger und einmal für die "intellektuelle" Schicht. (Die Anführungszeichen erfüllen hierbei einen Zweck).

    • brean
    • 21. November 2012 23:37 Uhr

    Springer betritt keine "neuen Geschäftsfelder", wenn sie Online-Platformen kauft und damit dreistellige Millionen Gewinne machen.

    Immobilien-, Auto- und Jobportale sind der Ort für die digitale Form der klassischen Kleinanzeige. Kleinanzeigen machten in prä-digitalen Zeiten bis zu 25% der Umsätze einer Zeitung aus.

    Journalismus musste schon immer querfinanziert werden. Wenn Menschen im Lokalen nur noch Anzeigenblätter lesen, dann sollte man sich mehr nach der allgemeinen Info-Kultur völlig unabhängig von der digitalen Entwicklung fragen.

    Die Verführung und Manipulation hat nichts mit Algorithmen oder Websiten zu tun, sondern mit dem allgemeinen Zerfall einer aufgeklärten Öffentlichkeit. Stattdessen haben wir eine Konsumwelt, die sich halt eben ungern von diesem "Journalismus" in die Suppe spucken lässt. Es hat ruhig zu sein und selbst das Chaos wird zu einem Aufmerksamkeits-Event.

    Die echten Probleme eines vertrauenswürdigen pluralistischen Journalismus liegen nicht im Digitalen.

  2. gerade Wirtschaftszeitungen leben von der Geschwindigkeit und welcher Boss liest gerne am nächsten Tag was gestern schon aktuell war?

    Internet ersetzt Papierausgaben. Aber die Zeit hemmungsloser Gratis-News online sind wahrscheinlich auch bald vorbei.

    Das Hamburger Abendblatt oder die New York Times oder die Times.co.uk verlangen bereits Geld für Content. Und mit Smartphones und iPads lassen sich eher Kunden dazu bringen, für Apps und Content zu zahlen.

    Das bedeutet, dass für Special Interests (z.B. Börsen und Finanzen) wird es eher immer Kunden geben, die bereit sind dafür zu zahlen. Hoffentlich. Der Wettbewerb, die Qualität der Nachrichten und die Geschwindigkeit von Redaktionen werden es entscheiden.

  3. Na wenn ich mir die Berichterstattung mancher Zeitungen anschaue, ist es vielleicht besser so! Was Politik angeht immer an der seite der USA und Israel, egal welche Kriegsverbrechen begangen werden.
    Oder seit neuestem einfach wegschauen und über Erdogans Aussagen aufregen.

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    Sehen Sie, darum benötigen wir eine breitgefächerte Presselandschaft.
    Eine Presse die nur Ihre Einstellung verbreitet wäre sterbenslangweilig.
    Ob nun die FR in den letzten Jahren der Leuchtturm der Erkenntnis war wollen wir hier nicht diskutieren.
    Aber jede eingestellte Zeitung ist für den Bürger ein fehlendes Puzzleteil der Meinungsfindung.
    Ist man allerdings wie Sie "festgemauert in der Erde" reicht schon eine Zeitung, die wie die Glocke auch sehr laut tönt.

  4. Eine Tageszeitung ist entbehrlich. Die Nachrichtenlage bekommt man gewollt oder ungewollt allenortens um die Ohren gehauen, da braucht es das Tagesblatt nicht mehr.

    Die Online-Jünger brauchen den stündlichen Wechsel der Headline, für die ist eine gedruckte Tageszeitung immer veraltet.

    Die papierlesende Generation (geratene 40+) schwenken lieber auf Wochenblätter und Magazine, die der hektischen Aktualität die Spitze nehmen und eher in die Tiefe gehend berichten.

    Werbung wandert in die vielen überflüssigen Psyeudo-Zeitungen, die den Briefkasten verstopfen.

    All das zusammen zeigt Wirkung, schleichend aber effektiv.

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    sehe das aber ganz ähnlich.

    Die Tageszeitung wird über kurz oder lang vollkommen durch E-Reader-kompatible Online-Ausgaben und Smart-Phone-Newsfeeds ersetzt. Wenn nicht gleich durch Twitter und dergleichen.

    Journalistische Qualität findet entsprechend schon länger eher in Wochenzeitungen und Sparten-Magazinen statt und deren Online-Präsenzen statt.

    Finde ich nicht zwingend schlecht, eher logisch, diese Entwicklung...

    Lieber Forist, Sie Schreiben dass eine Tageszeitung entbehrlich ist...
    ja, ist sie.

    Ist ein interessant geschriebenes Buch entbehrlich ?
    Ja, ist es.

    Beide Beispiele lassen sich auf elektronischen Medien lesen.
    Aber...
    die frisch gelieferte Zeitung, vor der Wohnungstür gelegen, Reklameeinlagen rieselnd, am Frühstückstisch aufgeschlagen, dass kann und will ich nicht missen.
    Stimmt, ich gehöre zu den "UHUS", also denen, die unter 100 sind.
    Eine morgendliche Presseschau im Netz, quer durch die deutsche Medienlandschaft, ist aber auch immer angesagt.

    Zum Buch.
    Hier scheiden sich keine Geister.
    Richtig verstanden "keine Geister"
    Wer nicht den Mut hat einen Wälzer zu lesen, in die Gedanken eines anderen Menschen einzutauchen, diesen "Wälzer" nicht aus der Hand legen will, der hat in seinem Leben vieles versäumt.

    Ich erinnere mich an den "Schwarm", eintausend Seiten, gelesen in drei Tagen.
    Was für ein Erlebnis.

    Ach, eines noch...
    Dagobert Duck wurde am heutigen Tag "offiziell" 65, also Rentner.
    Gehört auch zu meinen Lieblingen, der alte kapitalistische Racker.

  5. Ich kann diese Frage nur verneinen. Sie ist es auf lange Sicht einfach nicht. Auch wenn ich es schade finde, dass Zeitungen, wie die ftd verschwinden. Doch ist es eben in Zeiten von Twitter und Online-Nachrichtenmagazinen einfach unzeitgemäß noch Zeitung zu lesen. Wie der Autor auch schreibt, ist es doch ein wenig sinnlos, auf Analysen bis zum nächsten Tag zu warten, wenn man die wichtigen Informationen auch direkt im Internet erhalten kann. Zumal es hier die Möglichkeit gibt, dass man verschiedene Sichtweisen durch verschiedene Portale erhalten kann.
    Eine Tageszeitung hat für mich etwas nostalgisches, ich erhalte bereits seit 8 Jahren keine mehr und ich fühle mich besser informiert, als je zuvor.
    Allerdings habe ich bedenken, dass die journalistische Qualität auf der Strecke bleiben könnte, wenn auch informative und kritische Blätter wie die ftd es verschlafen ihr defizitäres Printgeschäft in das WWW zu retten.

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    • lxththf
    • 21. November 2012 18:32 Uhr

    denn ich habe immernoch gern eine Zeitung in der Hand. Vielleicht mag es Nostalgie sein, vielleicht ist es aber auch tatsächlich eine Frage der Qualität. Viele Onlineportale äussern oft die Meinungen der Nachrichtenagenturmeldungen, die natürlich auch untereinander in Konkurrenz stehen.
    Es gibt Tageszeitungen, die es deutlich mehr verdient hätten, von der Bildfläche zu verschwinden, aber diesen Gefallen wird uns die ... Zeitung wohl leider nicht tun.

    Tageszeitungen in Gänze nicht die Tiefe eines Wochenmagazins bieten können, erschließt sich jedem - aber das Twitter die Tagesezeitung ersetzt.. da musste ich schon (fast) lachen.

    aber immer häufiger liest man ja auch unter Beiträgen von fb, die mehr als 6 Zeilen haben: "zu lang, les ich nicht"

    von daher sind Personen, die ihre täglichen Infos ausschließlich aus Twitter posts ziehen, sowieso schon lange verloren für jedwede Nachrichten...

  6. gibt es natürlich viele Ursachen. Beispielsweise spielen die neuen Medien dabei eine große Rolle. Aber nicht nur Faktoren, die auf Verlagshäuser und Redaktionen einwirken spielen eine Rolle, sondern auch wie unterscheidbar Zeitungen sind. Früher konnte man Zeitungen auf Grund ihrer politischen Ausrichtung einschätzen und kaufen. Heute gibt es dieses Unterschiede fast gar nicht mehr (Spiegel, Zeit, Focus, etc. die Unterschiede sind sehr klein bis gar nicht vorhanden). Dass dann der Niedergang vieler Zeitungen folgt ist die logische Konsequenz.

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    vielleicht tendenziell für Spiegel und Focus.

    Wie man dazu Die Zeit dazu einordnen, kann erschliesst sich mir nicht. Wäre das trotz meiner Zweifel alles richtig, was hätte es dann mit dem Verschwinden der FTD/FR zu tun?

  7. Viele Leser lesen "ihre" Zeiutung nur noch aus liebgewordener Gewohnheit, die Bereitschaft zum "abbestellen" aber wächst - nicht nur wegen der Konkurrenz des Internet, sondern weit mehr noch, wel man mhr und mehr den Eindruck gewinnt, als UNTERTAN (!) einer Art Staatskonsensismus gegenüberzustehen. Nicht nur vermeiden die Parteien selbst abweichende Meinungen mit dem Ergenis, dass die Unterschiede zwischen ihnen so belanglos gewordee sind, dasws man als Wähler gar nicht mehr weiß, zwischen welchen "Optionen" man eigentlich unterschieden kann - dasselbe gilt für die Presse.

    Fatal dabei ist, dass man als UNTERTAN immer wieder mit EINHEITLICH verkündetewn Haltungen konfrontiert ist, die angeblich diejenigen der Mehrheit sind, ohne dass man je in einer Wahl dazu befragt worden wäre. DAS IST fast schon KRIMINELL.

    Nicht nur finden sich immer mehr Menschen immer weniger von irgendeiner Partei oder rgendeinem Medium repreäsentiert, alös denkender Mensch missfällt der EINHEITSBREI auch aufgrund mangelnder Auseinandersetztung. Wo ist denn noch - außer in den streng zensierten Foren, auf die die OBRIGKEITLICHE PRESSE so gerne schimpft ("shitstorm") - ein GEGENEINANDER unterschiedlicher Standpunkte möglich? Für ausgiebige Diskussion taugen ja auch die Foren nicht. Wo gibt es denn noch UNTERSCHIEDLICHE und KÄMPFERISCH AUSDEBATTIERTE Standpunkte zu Energiepolitik, Bildungspolitik, Familienpolitik, Europapolitik, Finanzpolitik etc.

    WO GIBT ES NOCH EINE PRESSE?

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    • lxththf
    • 21. November 2012 18:52 Uhr

    es ist sehr beeindruckend, wie man in einen einzigen Kommentar so viel Polemik vereinen kann.
    Fangen wir bei den Parteien an. Natürlich führte die große Koalition zu einer Annäherung der beiden Großen. Das nennt sich Kompromiss und ist notwendig, wenn man irgendwann Ergebnisse erzielen möchte, oder muss. Da die große Koalition noch nicht so lang zurückliegt, ist es klar, dass noch nicht so intensiv gestritten wird, wie zuvor. Vielleicht muss man aber auch einfach in Krisenzeiten enger zusammenrücken, zum Wohle aller. Oder aber der dritte Punkt, der mir am plausibelsten erscheint: Die Parteien streiten immernoch nach wie vor. GrünGelb streiten intensiv und die Opposition macht auch fleißig ihre Arbeit. Ihre Kritik ist darum völlig überzogen und entbehrt einer Grundlage. Im Zweifelsfall lohnte es sich heute Phoenix zu schauen.
    Und nun noch kurz zur Presse. Jedes größere Presseorgan hat auch eine Onlineseite auf der man intensiv diskutieren kann. Darum versteh ich Ihren Vorwurf nicht. Auch das immer gleiche: "Mainstream". Natürlich müssen die Nachrichten etwas reißerisch sein und sogar etwas polarisieren. Vielleicht sogar auch der Meinung der User entgegenlaufen, denn so erzielt man zum einen Auflage und vor allem bringt man die Leute dazu, zu diskutieren und sich mit Themen intensiver zu beschäftigen. Auch inhaltlich gibt es große Unterschiede, sowie auch qualitativ.
    Ihre Vorwürfe haben einen wahren Kern, aber Sie ziehen m.M.n. die falschen Rückschlüsse.

    • Chris79
    • 21. November 2012 19:10 Uhr

    Mit hastiger Wut in den Computer gehackte Beschuldigungen und Verschwörungstheorien von einem Möchtegern-"Dr.", der auffällig viel Zeit damit verbringt, seinem Drang zur Selbstdarstellung mit populistischen Floskeln nachzugeben. Und das Volk klatscht...

    • Glik
    • 21. November 2012 19:41 Uhr

    Bitte verzichten Sie auf die Verbreitung von Verschwörungstheorien. Danke, die Redaktion/fk.

    abgesehen von dem Punkt, dass es früher so viel besser gewesen sei; ich würde von einer Verherrlichung der Zeiten Wehners et al. Abstand nehmen.
    Auch damals waren sie allesamt überzeugte Kapitalisten und vieles wurde aus dem Diskurs ausgespart, nur trat dies nicht so offen und gleichsam dreist zutage wie in heutigen Zeiten.

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