Also braucht es neue Einnahmequellen. Wie das gehen kann, zeigt die Axel Springer AG . Für viel Geld hat der Verlag in den vergangenen Jahren Online-Portale gekauft, die mit Journalismus nicht mehr viel zu tun haben. Inzwischen verdient Springer rund 35 Prozent seines steigenden Umsatzes online. So gleicht der Verlag die sinkenden Einnahmen in der seit Jahren schwächelnden Tageszeitungssparte aus.

Andere Verlage versuchen mit Konferenzen für Führungskräfte, Bücher-Reihen oder edlen Wein-Paketen Geld zu verdienen. "Kofinanzierten Journalismus" nennt das BDZV-Sprecherin Pasquay. Zeitungsforscher Röper sagt: "Ein reines Zeitungsunternehmen kann heute nicht mehr erfolgreich sein."

Große Zeitungen können so einen Teil der schwindenden Werbeerlöse ausgleichen. Für Regional- und Lokalblätter ist das jedoch keine Lösung. "Kleinere Verlage haben meistens nicht das Kapital, um völlig fremde Geschäftsfelder zu erschließen", sagt Medienforscher Geffken.

Gut möglich also, dass das Zeitungssterben zuerst in den kleinen Städten beginnt. So wie in Barsinghausen, einem 34.000-Einwohner-Städtchen in Niedersachsen . Dort erschien die Deister-Leine-Zeitung – bis Ende Februar diesen Jahres. Nach 126 Jahren und zwei Monaten wurde die Zeitung eingestellt. Zu unwirtschaftlich sei sie gewesen, sagen die Eigentümer.

Es gebe in kleinen Städten nur noch wenige Geschäftsinhaber, die es sich leisten können, in Zeitungen zu inserieren, sagt die ehemalige Chefredakteurin der Deister-Leine-Zeitung , Helena Tölcke. Und wenn, dann würden sie es eher in dem Anzeigenblatt tun, das in der Region verteilt werde. In den vergangenen zehn Jahren schrumpfte die Auflage der traditionsreichen Tageszeitung von 6.200 auf 4.500 Exemplare.

Nur noch jeder dritte Jugendliche liest eine Tageszeitung

Dem Beispiel der Deister-Leine-Zeitung werden in den kommenden Jahren weitere Lokalzeitungen folgen. Ganz verschwinden wird die Tageszeitung aber so schnell nicht. Da sind sich Verlagsmanager und Medienexperten einig. "Große Zeitungen wie die Süddeutsche und die FAZ wird es auch in zehn Jahren noch gedruckt geben", sagt Geffken. "Allerdings zu deutlich höheren Preisen und vielleicht auch nicht mehr täglich, sondern nur noch zwei- bis dreimal in der Woche." Das würde die Vetriebskosten senken, die im Durchschnitt 25 Prozent der Gesamtkosten eines Zeitungsverlags ausmachen.

Auf lange Sicht müssen sich Journalisten und Verlagsmanager aber eine viel grundsätzlichere Frage stellen: Ist die Tageszeitung überhaupt noch zeitgemäß? Wer sich über aktuelle Ereignisse informieren möchte, bekommt im Netz die gleiche Nachrichtenqualität, nur schneller. Viele Nachrichtenseiten bieten darüber hinaus Analysen und Hintergrundberichte schon am Tag des Geschehens, während sie in den Tageszeitungen erst am Folgetag zu lesen sind.

Viele junge Leser haben ihre Entscheidung bereits getroffen. Nur jeder dritte Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren liest noch regelmäßig eine Tageszeitung. Vor zehn Jahren war es noch mehr als die Hälfte. Das Sterben der meisten Tageszeitungen wird sich am Ende wohl nicht aufhalten lassen. Das mag für die Beschäftigten in den Redaktionen bitter sein, aber es muss den Journalismus nicht in die Krise stürzen – wenn es den Verlagen gelingt, auch im Netz Geschäftsmodelle zu entwickeln, die guten Journalismus möglich machen.