EinzelhandelNeue Front im Bäckerkrieg

Kleine Bäckereien bangen ums Überleben. Viele haben den Preiskampf gegen Discounter verloren – die treiben nun sogar die Zulieferer in die Enge. von Sophie Schimansky

Brötchen am Fließband: Ein Mitarbeiter der Großbäckerei Kamps belegt Backbleche mit Teiglingen.

Brötchen am Fließband: Ein Mitarbeiter der Großbäckerei Kamps belegt Backbleche mit Teiglingen.  |  © Michael Urban/ddp

68 Cent. So viel kostet der "Kornknacker" von Christa Zimmermann. 68 Cent, das ist doppelt so viel wie beim Discounter . Das Weizenbrötchen gibt es bei Zimmermann zu 30 Cent, bei Aldi aus dem Backautomaten kostet es nur rund die Hälfte. Zimmermann weiß das. "Aber wenn wir den Preiskampf mitmachen würden, müssten wir bald schließen."

Die Bäckerei Zimmermann in der Kölner Altstadt gibt es in der fünften Generation. Und irgendwie ist es den Zimmermanns gelungen, eine Nische zu finden in der schönen neuen Bäckereiwelt. Zimmermann verspricht, ohne Farbstoffe, Backmischungen und andere Zusätze auszukommen. Den Teig macht die Bäckerei selbst und kauft ihn nicht von Massenproduzenten ein. Es gibt auch keinen Coffee to go, nur Filterkaffee, keinen "neumodischen Schnickschnack", wie Zimmermann sagt. Das Modell funktioniert, die Umsätze stimmen.

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Und doch sind die Zimmermanns eine Ausnahme. Eigentlich sterben in Deutschland immer mehr Bäckereien, jedes Jahr rund 400, sagt die Statistik. Gab es vor 60 Jahren noch 55.000 Bäckereien in Deutschland, sind es heute nur noch 14.000. Viele davon sind Großbäckereien, meist mit mehreren Filialen. Insgesamt gibt es 44.000 Verkaufsstellen bundesweit, im Durchschnitt hat also jeder Bäcker mehr als drei Zweigstellen. "Der Druck in der Branche ist riesig", sagt Amin Werner vom Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks . "Die wenigen Bäcker, die geblieben sind, mussten ein neues Konzept entwickeln und sich vergrößern".

Doch auch das wird den Trend nicht stoppen. Zwar konsumieren die Deutschen weiterhin viel Brot und Brötchen. Nur kaufen sie diese immer öfter beim Discounter oder bei Selbstbedienungsketten. Die Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg rechnet vor, dass der Anteil der traditionellen Bäckereien zuletzt nur noch bei 35,5 Prozent lag. Die meisten Deutschen gehen heute lieber zu Lidl, Aldi oder Backwerk statt zu ihrem Bäcker um die Ecke.

Die Backwaren sind dort nicht nur billiger. Es gibt auch am Abend noch warme Brötchen und frisches Brot. Die Ketten backen nicht selbst, sondern nutzen tiefgefrorene Teiglinge, die aufgebacken werden müssen, meist nur zehn Minuten lang. Das entlastet sie auch von der Frage, wie viel Teig in der Nacht produziert werden muss, damit er am nächsten Tag reicht. In den neuen Backautomaten von Aldi geht das Backen sogar noch schneller. Per Knopfdruck erhält der Kunde nach Sekunden Brezeln oder Brötchen. Der genaue Vorgang ist geheim. Das Prinzip dahinter ist jedoch immer gleich: In der Filiale wird aufgebacken, was andere liefern.

Enzyme machen die Teiglinge haltbarer

Diese Zulieferer sind Industriebäckereien. Sie stellen Teiglinge am Fließband her und beliefern anschließend Discounter, SB-Ketten und Tankstellen in ganz Deutschland. Aus Katalogen und in Onlineshops können die Kunden die Produkte bestellen – von Brezeln über Mini-Windbeutel bis hin zu Torten. Eines dieser Unternehmen ist DeWiBack aus Berlin . Es bietet seinen Kunden rund 600 verschiedene Backwaren an, teilweise selbst hergestellt, teilweise aus anderen Großbäckereien in Polen hinzugekauft. Einmal tiefgefroren, können die Teiglinge quer durch die Republik transportiert werden.

Damit die Backwaren auf dem Weg frisch bleiben, braucht es Zusatzstoffe. Die Industriebäckereien verwenden vor allem Enzyme. Diese verstärken die Eigenschaften des Teiges, sie machen ihn lockerer und die Kruste knuspriger. Emulgatoren binden das Wasser im Teig und verhindern, dass es beim Aufbacken verloren geht und das Brot austrocknet. Eines der Unternehmen, das die Enzyme erforscht und herstellt, ist die dänische Firma Novozymes. Die Firma gewinnt die Mikroorganismen etwa aus Pilzen, bevor sie dann dem Teig beigemischt werden. Traditionelle Bäckereien wie jene von Christa Zimmermann halten das Verfahren für Chemie. Firmen wie Novozymes widersprechen. "Wir alle haben Enzyme in unserem Körper, sie stecken in Pflanzen und anderen Rohstoffen", sagt René Tronborg von Novozymes. Das Verfahren beeinträchtige die Gesundheit nicht im Geringsten.

Leserkommentare
    • porph
    • 08. November 2012 12:37 Uhr

    Das ist nur ein kleiner Aspekt dieses "Kampfes" (polemisch ausgedrückt) der in praktisch jedem produzierenden Gewerbe geführt wird (oder wurde, denn in vielen Branchen ist der "Kampf" längst vorbei).

    Der Kunde ist meist rational. Vielleicht gibt es auch den ein oder anderen emotionalen Brötchenkäufer, aber die Mehrheit orientiert sich wohl an den Fakten: Geschmack, Inhalt, Preis. Wenn der Geschmack stimmt, der Inhalt unbedenklich ist und der Preis günstiger, warum sollte man dann dem "handwerklichen" Brötchen den Zuschlag geben und nicht dem Industriebrötchen? Zumal das Einkaufen des Industriebrötchens mit all den anderen Einkäufen zusammen erledigt werden kann.

    Wer im kleinen Maßstab produziert (egal was) und dabei naturgemäß nicht mit den Großproduzenten mithalten kann, muss sich eben um eine Nische sorgen. Es wird immer einige Leute geben, die halt "alles wie früher" haben wollen und schätzen, dass bei ihnen um die Ecke ein Bäcker ist, den sie vielleicht persönlich kennen, mit dem sie beim Brötchenkauf einen Plausch halten können, oder was auch immer. Oder der Bäcker muss sich ein anderes Alleinstellungsmerkmal verschaffen, dass es so noch nicht gibt; er BRAUCHT aber diese Nische weil er im normalen Wettbewerb nicht wird mithalten können.

    Ob man das jetzt traurig findet oder nicht, ist Geschmackssache. Ein Bäcker sollte sich aber nicht beschweren, wenn die Kunden woanders kaufen, weil dort die Eckdaten besser stimmen; dies ist nur logisch.

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    dass Geschmack und Qualität von Billigware und Qualitätsware gleich sind ist eine fromme Selbstberuhigung der Käufer um nicht zugeben zu müssen, dass "Geiz geil ist".
    Es gibt eine Produktqualität beim guten Handwerksbäcker von der können Sie bei Billigback&Co. noch nichtmal träumen.

    "emotionalen Brötchenkäufern" und bin ein Fan guter Backwaren. In Berlin gibt es gottlob noch genügend alte Handwerksbäcker, auch wenn man eben fünf Minuten weiter fahren muss. Bei einer längeren Europareise im vergangenen Jahr durfte ich feststellen, dass es außerhalb Deutschlands kaum so etwas wie einen "Backshop" gibt. In den allermeisten europ. Ländern gibt es nach wie vor anständiges Brot, frisch gebacken und lecker. Aufgebackene "Teiglinge" habe ich nirgends essen müssen, die Franzosen oder Italiener würden sich auch verwahren gegen einen solchen Dreck.
    Fazit: Der Niedergang der Backkultur ist kein Naturereignis, sondern hausgemacht!

    • the_cat
    • 08. November 2012 13:35 Uhr

    Moin,

    mal abgesehen davon, dass Massenbäckereiware NIE so gut sein wird wie die eines Bäckers der das ganze mit Engagement, Liebe und "Berufung" macht, finde ich es schade, dass Sie denken alle Leute sollten ihre Entscheidungen nur am Kaufpreis des Produkts und dessen Qualität orientieren. Der Verlust der kleinen Bäckereien, bedeutet auf Dauer auch mehr Arbeitslose, denn in großen Fabriken arbeiten bekanntlich immer weniger Leute und was mehr Arbeitslose für eine Gesellschaft bedeuten muss ich Ihnen ja nicht erklären.

    Ich denke, dass kleine Bäckereien den Kampf gegen die Großbäckerfirmen durchaus gewinnen können, wenn Sie sich eine gute Nische suchen, bzw. innovative Produkte anbieten. Die Mehlwurm-Bäckerei in Berlin Neukölln läuft z.B. sehr gut, weil viele Leute Bock auf gutes Vollkorn-Brot haben und auf das trockene weiße Zeug aus türkischen Bäckerein keine Lust mehr haben (Außer Fladenbrot und Sesam- und Butterring).

    Gruß,

    The_Cat

    Aber nicht jeder Bäcker ist ein super Bäcker und nicht jedes Handwerks Brötchen so wahnsinnig lecker wie sie glauben. Wir haben hier um die Ecke nen tollen Bäcker, der hat die besten Bretzeln, die leckersten Kuchen, aber die Brötchen taugen gar nichts. Da gehe ich dann eben doch zum Sparbäcker. Das Geld ist mir egal.

    So leicht ist es eben doch nicht. Aber viele glauben auch das Bio per se besser schmeckt.

  1. verschwunden sind sehnen sich die Deutschen nach dem Bäcker um die Ecke und schimpfen auf die Billiglöhne und schlechte Warenqualität der Discounter.

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    > verschwunden sind sehnen sich die Deutschen nach dem Bäcker
    > um die Ecke und schimpfen auf die Billiglöhne und schlechte
    > Warenqualität der Discounter.

    Genau so ist es. Und das geht mir persönlich jetzt schon so! Nichtmal in Großstädten in bester (Wohn-)Lage findet man noch einen gescheiten handwerklichen Bäcker. Alles nur noch gepanschter Einheitsbrei, geliefert von den drei Großbäckern die es für eine 2 Mio Stadt noch gibt und die überall ihre Filialen haben. Egal wo man hingeht: es ist nichts mehr richtig frisch, es schmeckt oft genug nicht aber die Preise sind dieselben wie beim Handwerksbetrieb.
    Da kann man dann sein Brot auch beim Aldi kaufen - schmeckt genauso besch.. und hält maximal drei Tage, aber kostet wenigstens nur ein drittel.

    Wir sind an einer Kette von so genannten Backshops beteiligt die über 200 Outlets mit Teiglingen und TK Ware beliefert und trotz des mörderischen Preiskampfs zu den am schnellsten Wachsenden gehört. Discounter haben die gleichen Lieferanten und sind eigentlich kleine eigene Shopketten. Es ist ein absolutes Märchen, dass traditionelle Bäckereien bessere Qualität liefern und ich sage das, obwohl familiär viele Bäcker sind.

    Die Qualität ist weit über der, die viel Bäckereien bieten können und es sind gar keine oder weit weniger Zusatzstoffe in den Produkten, was durch das Sortiment von ca. 6000 verschiedenen Produkten unabdingbar ist. Der Shop kann also von traditionell bis Ethno sein eigenes Konzept aufbauen.

    Alleine die Möglichkeit zwischen z.B. 10 unterschiedlichen Croissants zu wählen, übersteigt schon die Möglichkeit jedes traditionellen Bäckers. Ob nun eines von einfacherer Qualität oder ein hochklassiges vom Outlet ausgewählt wird, ist alleine in dessen Entscheidung. Der Preis ist durch die industrielle Fertigung jedoch immer so günstig, dass unser VK meist noch unter dem EK des Bäckers liegt. Auch die gleichbleibende Qualität ist vom Bäcker nicht, oder nur unter erhöhtem Aufwand zu gewährleisten.

    Das sieht man ja schon daran, dass er in der Regel nur einmal backt (Frische).

    Selbst exotische Mischungen - wie das russische Chleb sind mischbar, wenn es sich denn von der Menge her rentiert und Abrbeitsplätze entstehen auch viele - vor allem für geringer Qualifizierte

    Trotzdem würde mich interessieren wie Ihre Rechnung zu den Arbeitsplätzen aussieht:

    Ich vermute mal in den von Ihnen beschriebenen Betrieben wird effizient gearbeitet. Also gehe ich davon aus Sie benötigen weniger Personal als ein traditioneller Backbetrieb der weniger effizient und mit mehr Handwerk arbeitet.

    Logische Folgerung: Sie vernichten höher bezahlte Handwerkerarbeitsplätze und schaffen schlecht bezahlte Handlanger-Jobs.

    Über Geschmack lässt sich bekanntlich streiten. Über Produktionsmethoden nicht. Deshalb rate ich Ihnen mal den Gang in eine richtige Bäckerei. Nicht in einen Backshop.

  2. "Die meisten Deutschen gehen heute lieber zu Lidl, Aldi oder Backwerk statt zu ihrem Bäcker um die Ecke."
    .
    Was bleibt den meisten Kunden heute übrig?
    Die "Großen" haben die kleinen normalen Bäckerläden mittels Dumpingpreisen vor ein, zwei Jahrzehnten regelrecht "fertig gemacht" = direkt neben dem traditionellen Bäckerladen machte ein "Kamps" (oder der andere Große) auf und die alten Läden mussten dann aufgegeben. Nun ham wa den Salat: Überall dieses chemisch aromatisierte Plastik-Fraß.
    In ganz Deutschland? Nein! Ein von unbeugsamen Bäckern (Ali Genc & zwei Freunde) und einer handvoll Verkäuferinnen & Bedienungen (Julia, Gunni, ...) bevölkerte Bäckerei in Berlin Lichterfelde hört nicht auf... (200 Meter hinter S-Bahn Licherfelde-West).

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    • klunjes
    • 08. November 2012 14:13 Uhr

    Das ist eine wunderschöne Sache und ich hoffe sehr, dass die Kundschaft von Ali und seinen Freunden viele Bekannte mitnimmt, damit die auch mal den Unterschied zwischen einem maschinell gedrehtem Brötchen und einer von Menschenhand geformten Schrippe erfahren. Keine Maschine kann Geist und Seele in die Backware kneten. Der Mensch drückt beide gefühlvoll tief in den Teig, weil er Liebe hat, gibt und empfangen kann. Und das schmeckt man.

    Wer sich für clever hält, dass er 15ct pro Brötchen sparen kann sollte nicht auf die Discounter schimpfen, die den Bäcker vertrieben haben. Er war es, der durch seinen Kauf beim Discounter den Bäcker ruinierte.

    • hairy
    • 08. November 2012 12:44 Uhr

    finde ich bei den Discountern jedenfalls kaum. Aber fuer Qualitaet bin ich bereit, mehr zu zahlen - trotz kleinem Einkommen. Aber ich weiss, dass viele Leute nicht so denken, und dass sie die Discountermonokultur nich stoert.

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    • redslug
    • 08. November 2012 12:58 Uhr

    diese leidet m.M. nach erheblich durch die Massenherstellung. Grade in den letzten zwei bis drei Jahren hat sich das bemerkbar gemacht, inzwischen kenne ich in meinem Wohnort u. Umgebung nur noch wenige Bäcker, die überhaupt noch selbst herstellen.

    Nicht persönlich gemeint, ich kenne Sie ja nicht, aber die Aussage, dass man für Qualität auch bereit ist, mehr zu zahlen, ist bei den meisten Menschen ein reines Lippenbekenntnis. Der faktische Beweis ist ja gerade das Sterben der angeblich höherwertigen, aber teureren Händler. Es sind zumindest nicht genügend Menschen, die den Preis zu zahlen bereit sind, sprich: Es gibt den Markt gar nicht, für den die Bäcker produzieren. Aber das kann man niemandem zum Vorwurf machen außer dem Bäcker selber. Regenschirme in der Sahara laufen auch nicht besonders gut, daran sind auch nicht die dummen Kunden oder die brutale Konkurrenz schuld.

    • Garzun
    • 08. November 2012 12:47 Uhr

    Ich wohne in Berlin und im Umkreis gibts es schätzungsweise 6 oder 7 "Bäcker" oder zumindest Läden die Backwaren verkaufen(Discounter ausgeschlossen). Von diesen verkauft keiner selbst hergestelltes Brot. Ich kenne in der Umgebung keinen richtigen Bäcker.

    Die einzige Wahl die man hier treffen kann, ist die zwischen Discounter und Backshop, wobei es auch vorkommt, dass beide den gleichen Lieferanten haben.

    Es ist so gut wie unmöglich hier in der Umgebung noch "richtiges" Brot zu bekommen. Oftmals kann man das Brot in einer Hand komplett zusammen drücken, ohne sich stark anstrengen zu müssen. Die Brote haben zumeist einen sehr hohen Weizen Anteil und/oder sind extrem Luftig gebacken. Kauen braucht man nicht mehr. Satt wird man allerdings auch nicht. Und der Geschmack ist so gut wie nicht vorhanden.

    Von Zeit zu Zeit wird deshalb dann auch Brot vom richtigen Bäcker besorgt. Der Unterschied ist extrem - und das im positivsten Sinn. Der Preis ist um einiges höher, wobei man auch hier anmerken muss, dass das traditionelle Brot viel länger hält, da es mehr satt macht. Auch wird davon nichts weggeschmissen, da es viel länger genießbar ist.

    Ich würde mich sehr freuen, wenn es hier wieder richtiges Brot und Brötchen gebe. Allerdings sieht es so aus, als ob wir demnächst das gleiche Brot wie in den Niederlanden essen würden. Dieses ist im Vergleich zu den Aufbackbroten die hier momentan erhältlich sind, eigentlich nur noch eine Verpackung für Luft.

    Mal sehen was sich durch setzt...

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    Würden die Löhne steigen wie die Preise der kleinen Bäcker und Handwerksbetriebe wäre alles in Ordnung.

    Das Problem aber sind die GROSSEN Discounter, Fachmärkte und Center. Diese gehen zu den Produzenten drücken die Einkaufspreise und in Ihren Läden die Verkaufspreise.

    Der Kunde denk toll, endlich günstige Ware.

    Das aber nun der Zulieferer ebenfalls die Kosten senken muss vergisst er leicht. Dieses Kosten senken geht am leichtesten und effizientesten bei den Löhnen. Dies hängt meist mit Entlassungen zusammen.

    Die entlassenen vielleicht sogar mal Kunden beim normalen Bäcker, müssen nun auf jeden Cent achten. Sie können beim teureren Bäcker nicht mehr einkaufen. Sie müssen zum Discounter gehen. Aber auch die normalen Arbeiten machen das, ob Sie müssen oder nicht ist nicht die frage.

    Das Problem das entsteht ist einfach erklärt; der Grossmärkte und Discounter bekommen noch mehr Marktmacht und damit drücken Sie die preise bei den Zulieferern noch mehr.

    Das System ist so angelegt das für einzelne immer weniger übrig bleibt.

    Der Schaden der durch Grossmärkte und Discounter angerichtet wird ist immens. Denn tiefere Preise bedeutet auch niedrigere Wirtschaftsleistung.

    Man könnte so das bGE auch als Schadenersatz Zahlung an den einzelnen betrachten, für die verursachte Minderleistung der Wirtschaft was höhere Zinsen für den Staat bedeutet, wie auch höhere Arbeitslosen kosten.

    Ich weiß nicht, wo sie wohnen, aber die Hofpfisterei bringt ordentliches Brot zustande und "Soluna Brot und Öl" am Südstern sind hinreißend gute Brotbäcker.
    "Der Feinschmecker" brachte unlängst ein Sonderheft über die besten deutschen Bäcker raus. Das bekommen sie sicher über den Verlag.

  3. dass Geschmack und Qualität von Billigware und Qualitätsware gleich sind ist eine fromme Selbstberuhigung der Käufer um nicht zugeben zu müssen, dass "Geiz geil ist".
    Es gibt eine Produktqualität beim guten Handwerksbäcker von der können Sie bei Billigback&Co. noch nichtmal träumen.

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    • porph
    • 08. November 2012 12:59 Uhr

    Ob ein Qualitätsunterschied tatsächlich besteht, ist völlig egal, da es auf den gefühlten (wahrgenommenen) Qualitätsunterschied jedes einzelnen Konsumenten ankommt.

    Dies ist nicht nur bei Brötchen so, sondern überall: Nicht die absolute Qualität entscheidet, sondern die relative Qualität und der eigene Anspruch. Aufgrund dessen wird dann eine Wahl getroffen. Wenn das handwerkliche Brötchen wirklich _subjektiv_ um so viel besser wahrgenommen wird, und dem Konsumenten dieser Unterschied wichtig ist, wird man den Aufpreis zahlen.

    Das Brötchen gilt hier nur als ein Beispiel unter vielen, dies funktioniert für jede erhältliche Ware, bei der es eventuell Qualitätsunterschiede gibt. Wenn man nun die teure Ware verkaufen will, MUSS man dem Kunden verdeutlichen, wo der Mehrwert liegt. Wenn dies nicht möglich ist (z.B. weil dem Kunden das Industriebrötchen gut genug schmeckt, oder nicht offensichtlich ungesünder ist), wird er das günstigere Angebot wählen.

    Die "Bringschuld", wenn man das so ausdrücken will, liegt hier also beim Produzenten, nicht beim Konsumenten. Deswegen sprach ich von eine Nische, die besetzt werden muss; wer als kleiner Bäcker eine solche Nische findet und das auch nach außen kommuniziert, wird erfolgreich sein. Wer dem Kunden nicht plausibel darlegt, WARUM sein Brötchen besser ist als das Industriebrötchen (und den Kunden dazu bringt, ihm das wirklich zu glauben), wird den Konkurrenzkampf verlieren.

    Bei uns im Ort gibt es einen französischen Bäcker, der fleißig expandiert. Warum? Vermutlich deshalb, weil seine Brötchen ab dem Mehl und Wasser aus seiner Hand stammen. Und zwar jedes einzelne. Dadurch ist er natürlich etwas teurer als andere, aber das Geschäft läuft offenbar trotzdem super. Die Kunden zahlen gerne mehr, wenn man auch einen geschmacklichen Mehrwehrt hat.

    Dagegen gibt es viele Bäcker, die nur noch Tiefkühlzeug aufbacken. Häufig sogar 1-1 die Brötchen, die man auch im Supermarkt kaufen kann. Dann muss ich irgendwie auch nicht zum Bäcker gehen sondern kaufe mir das Zeug gleich selbst. Aber dann ist es auch kein Wunder, wenn immer mehr Bäcker pleite gehen.

    "Es gibt eine Produktqualität beim guten Handwerksbäcker von der können Sie bei Billigback&Co. noch nichtmal träumen."

    Haben Sie dafür Belege?

    [...] Gekürzt. Bitte bleiben Sie sachlich. Danke. Die Redaktion/kvk

    ...bei dem ich um 17.00 Uhr noch ein frisches Brot bekomme.

    Habe in meiner Studentenzeit in Karlsruhe immer beim Mr.Baker noch ein frisches Bauerbrot geholt am Nachmittag. Noch warm. Einen großen Mocken abreißen und einfach in ein herrlich warmes Brot reinbeißen, wunderbar.
    Ja, ein richtig gutes Bauerbrot ist anders, hält länger, und hat mehr Nuancen im Geschmack. Aber das Brot vom Mr.Baker ist trotzdem sehr gut, und kostet die Hälfte wie beim "Handwerksbetrieb", wo doch meistens genau dasselbe verkauft wird, nur wird nur morgens gebacken, und die Brötchen sind am Abend schon ungenießbar. Nein danke.

    • Infamia
    • 08. November 2012 18:59 Uhr

    "dass Geschmack und Qualität von Billigware und Qualitätsware gleich sind ist eine fromme Selbstberuhigung der Käufer um nicht zugeben zu müssen, dass "Geiz geil ist"."

    Eines muss man den "Teiglingen" lassen. Frisch aufgebacken ist der Geschmack OK. Allerdings dauert dieser Geschmack auch nur wenige Tage an. Bei Brot für mich schon entscheidend. Ich kaufe Bio-Brot beim Biobäcker. Das schmeckt selbst nach einer Woche noch gut. Da kann in der Tag kein Fertigbäcker mithalten. Und seit ich mich zu Bio-Brötchen habe hinreißen lassen, merke ich auch da einen Unterschied.

    Der Deutsche ist schon ziemlich ambivalent. Jeder stand sicher schon mal im Ausland im Flughafen in der Schlange und jeder hat wohl schon den Satz gehört, dass das Land ja toll sei, aber nun freue man sich auf sein gutes, deutsches Brot zuhause. Nur dürfte es damit bald vorbei sein, denn die Pappware beim Discounter ist auch nicht viel besser als das Brot in Malle, Kreta oder wo auch immer. Ich hoffe, die Nische bleibt erhalten.

  4. 7. Nur...

    Nur ein weiterer kleiner Beitrag auf dem Weg zum Billiglohnland mit vielen Verlieren und wenigen Gewinnern. Die Spirale dreht sich weiter abwärts, der im Lohn gedrückte Busfahrer kann und will sich teuren Brötchen nicht mehr leisten, also wird auch in Zukunft der Bäckereimitarbeiter nichts mehr zu lachen haben. Der kann sich keinen anständig bezahlten Friseur mehr leisten - usw, usw. Selbst die Autobauer setzen hierzulande immer weniger höherpreisige Produkte an Privatpersonen ab. Und wenn mal ein Berufsstand (wie z.B. die Lufthansa Flugbegleiter) für die Bewahrung seiner anständigen Löhne kämpft, dann kommen sofort die Stimmen: wieso dürfen die eigentlich für faire Löhne kämpfen, und ich werde so schlecht bezahlt?! - es ist nicht einmal die Solidarität unter den Normal- und Geringverdienern vorhanden! Wie soll eigentlich jemals diese Entwicklung durchbrochen werden?

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    • gn42
    • 08. November 2012 18:28 Uhr

    Solange die Leute CDU, SPD, Grüne und FDP wählen, wird sich nichts ändern. Es wird Zeit, massenhaft die Linke zu wählen.

    • hairy
    • 08. November 2012 12:53 Uhr

    fuer Baecker, die nach einem neuen Betaetigungsort suchen: geht nach Holland! Da ist die Baeckerdichte weit geringer als in D, und ein gutes Brot zu bekommen, ist enorm schwierig. Selbst in Grossstaedten hat man allenfalls zwei drei Baecker, die was Gutes produzieren...

    Und auch in Kanada ist es aehnlich, kann ich mich erinnern.

    2 Leserempfehlungen
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    Bloß: Es gibt auch nicht die Nachfrage oder Kunden, die das zu schätzen wissen. Es gibt dort nicht die fast schon kultische Verehrung des Brotes, die man in Deutschland manchmal findet, und damit eben auch nicht die Anbieter. Man begibt sich dort in die Zukunft, der man hier entfliehen will. Nicht sehr erfolgversprechend.

    Das gute Brot gibt es dort natürlich genauso wie hier. Man muss nur entsprechend zahlen - diejenigen, die hier dem guten Brot das Wort reden, wollen das nicht alleine zahlen, sondern erwarten im Endeffekt, dass jeder, für den Brot nur ein Nahrungsmittel ist, diesen Luxus, die Produktion, die Filialen, mitfanziert. Nö. Wer das will, soll selber dafür bezahlen. Ich zahle nicht mehr für normalen Kram, der sich in der Qualität nicht unterscheidet, nur damit sich ein Bäcker hält, den jemand anders für seine persönliche Entdeckung hält.

    Wer Handwerk als Kunst begreift, muss auch Kunstpreise zahlen.

    • jui1901
    • 09. November 2012 15:51 Uhr

    Viele der alteingesessenen Bäcker haben leider keine Nachfolger und geben ( auch) deshalb ihre Geschäfte auf. Ich wohne in Braunschweig , Niedersachsen, und hier gibt es nur noch DREI alteingesessene Bäckereien, ohne Schnickschnack, aber ursprünglich und geschmacklich genial gut.
    Nur: ich kann die Läden nicht retten.
    Und: die sollen mal hier bleiben, denn altersmäßig kommen die auch nicht für die Niederlande oder Kanada in frage!

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  • Schlagworte Einzelhandel | Aldi | Backware | Brot | Discounter | Edeka
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