Deutsche BahnEisenbahnbundesamt will 22 Züge nicht zulassen

Ein weiterer Hersteller enttäuscht die Bahn: Bombardier kann 22 seiner "Talent"-Züge nicht pünktlich ausliefern. Das Eisenbahnbundesamt verweigert bisher die Zulassung. von dpa und dapd

Ein "Talent 2"-Zug der Firma Bombardier bei einer Präsentation in Berlin

Ein "Talent 2"-Zug der Firma Bombardier bei einer Präsentation in Berlin  |  ©Matthias Balk/dpa

Die Deutsche Bahn muss in ihrem Regionalverkehr vorerst auf 22 neue Züge verzichten. Ihr Einsatz war für Dezember geplant. Eine Bahn-Sprecherin sagte der Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag, die beim Hersteller Bombardier bestellten Züge könnten nicht wie geplant mit dem Winterfahrplan am 9. Dezember in Hessen eingesetzt werden. Ein neuer Termin stehe noch nicht fest. Hintergrund sind offenbar Schwierigkeiten bei der Zulassung durch das Eisenbahnbundesamt.

Wie die Bild am Sonntag unter Berufung auf das Amt berichtet, habe es zu den Zügen vom Typ Talent 2 "Daten-Widersprüche" gegeben. Die Behörde verlangte daraufhin eine "kurzfristige Aufklärung von Bombardier". Ein Sprecher des Unternehmens kritisierte hingegen, man habe vom Eisenbahnbundesamt bisher keine offizielle Mitteilung erhalten: "Wir Hersteller brauchen dringend ein klares und zuverlässiges Zulassungsverfahren. Sonst stapfen wir im Nebel." Die Behörde habe schon mehr als 100 Züge der Talent -Reihe zugelassen.

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Die Deutsche Bahn hatte 2007 bei Bombardier 320 Züge im Wert von einer Milliarde Euro bestellt. Wie beim ICE-3, den Siemens baut, kam es zu erheblichen Verzögerungen bei der Lieferung; erst 119 der roten Züge sind im Regionalverkehr im Einsatz.

Siemens hat Software-Probleme bei den Bremsen

Für die Deutsche Bahn ist die Nachricht bereits die zweite Hiobsbotschaft innerhalb weniger Tage. Am Mittwoch hatte Siemens mitgeteilt, dass acht neue ICE 3 des Typs Velaro nicht wie geplant ab Dezember eingesetzt werden können. Nach Einschätzung der Bahn werden sie frühestens in zwei Monaten einsatzbereit sein. Siemens nannte keine Auslieferungstermine.

Die Lieferprobleme des Siemens-Konzerns bei den neuen ICE-Zügen gehen dem Spiegel zufolge auf Probleme bei der Software für die Steuerung der Bremsen zurück. Das Kommando zum Anhalten des ICE-Zuges "irre" etwa eine Sekunde lang durch den Rechner, bevor es umgesetzt werde. Bei einer Geschwindigkeit von 250 Kilometern pro Stunde komme der Zug bei einer Vollbremsung deshalb erst rund 70 Meter später zum Stehen. Trotzdem habe Siemens die Zulassung des ICE 3 angestrebt; doch nachdem sich ein Gutachter sperrte, habe das Eisenbahnbundesamt die Freigabe verweigert.

Wie lange Siemens brauchen wird, um das Problem zu beheben, sei ungewiss, berichtet der Spiegel . Der Hersteller kämpfe schon länger mit der Software. Sie müsse mit verschiedenen Signalsystemen europäischer Länder kompatibel sein, in denen der Zug verkehren soll.

ICE-Flotte wird ab 2017 in Köln gewartet

Gleichzeitig strukturiert der Bahn-Konzern seine ICE-Wartungsabteilung um. Das Unternehmen will in Köln für 200 Millionen Euro das bundesweit modernste Werk zur Instandhaltung seiner Hochgeschwindigkeitszüge bauen. "Der Vorstand der DB Fernverkehr hat entschieden, alle Planungen für ein neues ICE-Werk auf den Standort Köln-Nippes zu konzentrieren", sagte der Vorstandsvorsitzende DB Fernverkehr, Berthold Huber.

Ausschlaggebend für die Entscheidung sei die gute Lage der Stadt im Fernverkehrsnetz der Bahn gewesen. Mit der Entscheidung bekenne sich die Bahn ganz klar zu dem Eisenbahnknoten Köln, sagte Huber.

Im kommenden Frühjahr solle das Baufeld freigemacht werden, die Baugenehmigung wird für 2014 erwartet. Die Bahn erwartet, dass 300 bis 400 Arbeitsplätze in Köln geschaffen werden. Nach derzeitiger Planung sollen 2017 die ersten Züge zur Instandhaltung in das Werk einfahren. Auch die neueste Fahrzeug-Generation ICx soll dort gewartet werden.

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Leserkommentare
    • michati
    • 25. November 2012 22:02 Uhr

    früher gab es für grossprojekte eine kompetente bauleitung.
    zu teuer-weg damit. s. auch flughafen berlin (wobei dort schon vorher einiges schiefging).
    früher gab es für eine entwicklung von schienenfahrzeugen die gemeinsame frühzeitige erprobung zwischen bahn und hersteller.
    zu teuer-weg damit. jetzt wird es halt der bahn (die wollte es ja so) zum stichtag vor die füsse gekippt.
    dann grosses erstaunen. vielleicht sollte man sich bei solch komplexen produkten doch mal etwas eher reinhängen.
    im interesse der fahrgäste und aus betriebswirtschaftlicher vernunft.

    • Hainuo
    • 25. November 2012 22:23 Uhr

    So versüßt man uns die Weihnachtszeit. Jetzt wird es nicht nur enger in den ICEs, sondern auch in den Regionalzügen. Und alle Touristen kriegen einen passenden Eindruck von Deutschlands derzeitiger Zuverlässigkeit. Können wir eigentlich noch irgendwas richtig fertigstellen?

    • Hainuo
    • 25. November 2012 22:26 Uhr

    Immerhin Flugzeuge schaffen es, innerhalb der Sichtweite zu "bremsen". Es sei denn es ist nebelig, dann wird es unverantwortlich.

    • Sikasuu
    • 25. November 2012 22:44 Uhr

    NE,NE steht wirklich so in der StVO, den Ausführungsbestimmungen bzw. ist auch Standard der Rechtssprechung....
    .
    Anhalten 1/2 Sichweite mehrspurige Strasse und 1/1 Sichtweite einspurige Strasse.
    .
    Ist ja auch kein Thema auf "normalen" Strasse, wird aber HEIß auf kurvenreichen Strecken,vor Berg-/Hügelkuppen (Stau dahinter kommt gut)... und vor allen Dingen bei Nebelbänken auf der Autobahn.
    .
    Da gibt es dann immer wieder die Tiefflieger, die mit 100 durchziehen bei Sicht < 50m. Mit den entsprechenden Nachrichten:-((
    .
    Sagt
    Sikasuu
    .
    Ps. Die Gefahr auf der Strasse kommt fast immer von hinten. Was von vorn kommt, dem kann man meist ausweichen. Die 2t mit 180Km/h oder die 40t mit nem müden Fahrer von hinten sind das Problem:-((

    Antwort auf "Nur an engen Stellen!"
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    "Anhalten 1/2 Sichweite mehrspurige Strasse und 1/1 Sichtweite einspurige Strasse."

    Macht es anders herum nicht mehr Sinn?

    Ansonsten interessieren mich noch die genauen Normen/Fundstellen der von Ihnen genannten Rechtsquellen.

  1. Ich bin ehrlich gesagt froh, dass die Regionalzüge nicht geliefert werden können, da ich nun weiß, dass das tatsächlich der komische Zug ist, der in Rostock im Sommer einmal probegefahren ist.
    Bahn-Logik: Wir haben einen alten Doppelstockzug, der chronisch überfüllt ist, insbesondere mit Fahrrädern in den Gepäckabteilen neben jeder Tür. Wir brauchen also unbedingt einen neuen einstöckigen Zug mit nur noch einem Fahrradabteil pro Zug.
    Sollten die gleichzeitig den Takt von 15 min auf 10 min ändern, nehme ich die Kritik natürlich zurück... (wers glaubt)

  2. 14. Sicher?

    "Anhalten 1/2 Sichweite mehrspurige Strasse und 1/1 Sichtweite einspurige Strasse."

    Macht es anders herum nicht mehr Sinn?

    Ansonsten interessieren mich noch die genauen Normen/Fundstellen der von Ihnen genannten Rechtsquellen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    § 3 Abs. 1 StVO:
    "(1) (...) Er darf nur so schnell fahren, daß er innerhalb der übersehbaren Strecke halten kann. Auf Fahrbahnen, die so schmal sind, daß dort entgegenkommende Fahrzeuge gefährdet werden könnten, muß er jedoch so langsam fahren, daß er mindestens innerhalb der Hälfte der übersehbaren Strecke halten kann."

    Ok, ich korrigiere mich dahingehend, dass man tatsächlich "auf Sichtweite" anhalten muss. - Ich bin ja einmal gespannt, wann mich die Polizei das erste Mal wegen "Behinderung" o. ä. anhalten wird, wenn ich diese Regel tatsächlich in der Praxis beachte.

    Aber nun genug der Offtopic-Schreiberi...

  3. § 3 Abs. 1 StVO:
    "(1) (...) Er darf nur so schnell fahren, daß er innerhalb der übersehbaren Strecke halten kann. Auf Fahrbahnen, die so schmal sind, daß dort entgegenkommende Fahrzeuge gefährdet werden könnten, muß er jedoch so langsam fahren, daß er mindestens innerhalb der Hälfte der übersehbaren Strecke halten kann."

    Ok, ich korrigiere mich dahingehend, dass man tatsächlich "auf Sichtweite" anhalten muss. - Ich bin ja einmal gespannt, wann mich die Polizei das erste Mal wegen "Behinderung" o. ä. anhalten wird, wenn ich diese Regel tatsächlich in der Praxis beachte.

    Aber nun genug der Offtopic-Schreiberi...

    Antwort auf "Sicher?"

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  • Quelle ZEIT ONLINE, dpa, dapd, sc
  • Schlagworte Bahn | Siemens AG | Deutsche Bahn | Behörde | Fernverkehr | ICE
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