Claus Hipp"Auch der Ruder-Achter isst Babybrei"

Weil Foodwatch der Firma eine "Werbelüge" vorwarf, nimmt Hipp zuckerhaltigen Tee vom Markt. Firmenchef Claus Hipp fühlt sich zu Unrecht kritisiert, sagt er im Interview. von Heike Jahberg

Pfaffenhofen ist ein kleiner adretter Ort an der Ilm, 50 Kilometer von München entfernt. Hier steht nicht nur das größte Werk von Hipp, hier ist auch die Verwaltung. Das Gebäude wirkt wie eine Mischung aus Bauernstube und Waldorfschule. Decken und Treppen sind aus Holz, an den Wänden hängen abstrakte Bilder. Gemalt hat sie Claus Hipp persönlich. Der Firmenchef trägt einen schwarzen Janker. Er ist schwer erkältet, kann kaum sprechen. Dennoch wollte er nicht absagen, erklärt er.

Frage: Herr Hipp, in Berlin gibt es heftige Diskussionen über die Kosten und die Qualität des Schulessens. Sie produzieren jeden Tag Millionen von Bio-Menüs für Babys und Kleinkinder. Was würde es kosten, ein warmes Bio-Essen für Schulkinder zu kochen?

Claus Hipp: Es ist möglich, das zu vertretbaren Kosten zu tun, am besten in Zusammenarbeit mit bestehenden Einrichtungen. So wie hier bei uns in Pfaffenhofen. Wir haben ein Betriebsrestaurant, in dem wir für unsere Mitarbeiter Bio-Essen kochen, und versorgen damit noch etliche Kindergärten.

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Frage: Und so etwas würde auch in Berlin funktionieren?

Hipp: Ja, man muss keine neuen Küchen einrichten, sondern man sollte bestehende nutzen. Warum kann man in Restaurants, die nur abends aufhaben, nicht tagsüber für Schulkinder kochen? Man könnte für eine solche Tätigkeit dann auch Menschen einsetzen, die keine Arbeit haben oder die schon in Rente sind, aber gern noch etwas hinzu verdienen würden. Mit ein bisschen guten Willen und Planung kriegt man eine Menge hin.

Claus Hipp

Der 74-Jährige ist ein Mann mit vielen Talenten. Er hat als Stuntman gearbeitet, war Turnierreiter und wollte Schauspieler werden. Als Nikolaus Hipp hat er sich zudem einen Namen als Maler gemacht. In Tiflis unterrichtet er Studenten in Kunst und Wirtschaft – neben der Leitung seiner Firma. Den elterlichen Betrieb hatte der promovierte Jurist nach dem Tod seines Vaters Georg mit 29 Jahren übernommen. Hipp setzte früh auf bio und Rohstoffe aus heimischem Landbau. Bei der Gläschenkost hat Hipp heute einen Marktanteil von knapp 50 Prozent – vor Alete oder Milupa.

Frage: Wollen Sie mit Ihrer Firma in das Geschäft einsteigen und Schulessen anbieten?

Hipp: Wir haben schon einen Schritt in diese Richtung gemacht. Unsere Breikost im Glas, vor allem die Früchte, sind bei Kindern sehr beliebt. Wir haben daher bereits in einigen Schulen Automaten aufgestellt – mit großem Erfolg.

Frage: Wollen Sie das ausbauen?

Hipp: Wenn Interesse besteht, natürlich. Wir sind immer daran interessiert zu verkaufen.

Frage: In Berlin haben verdorbene Erdbeeren aus China, die ein Caterer verarbeitet hat, tausende Kinder krank gemacht. Woher kommen Ihre Zutaten?

Hipp: Wir haben in Deutschland und in anderen europäischen Ländern Bio-Bauern, die uns beliefern. Wir arbeiten aber auch mit Bio-Verbänden zusammen.

Frage: Hipp hat 6.000 Vertragsbauern. Wie wollen Sie die alle kontrollieren?

Hipp: Die Bio-Verbände beraten, betreuen und kontrollieren ihre Mitglieder. Bevor es diese Verbände gab, haben wir das alles selbst getan. Aber die letzte Kontrolle machen wir noch immer hier.

Frage: Was ist mit den Bananen in Ihren Obstbreis? Die wachsen ja nicht hier.

Hipp: Nein, die kommen aus Costa Rica, da arbeiten wir mit Kleinbauern im Urwald zusammen.

Leserkommentare
  1. muss man auch Kritik an foodwatc üben. Sie greifen sich gerne namhafte Gegner heraus, um mit seltsamen Anschuldigungen billig PR zu bekommen. Foodwatch ist ein unternehmen wie Hipp.

  2. Wieso ist Foodwatch ein Unternehmen wie Hipp? Sie stellen auf jeden Fall keine Lebensmittel her und der Konsument wird auch nicht veräppelt. Leider tut ja unsere sogenannte Verbraucherministerin nichts, da muss eben Foodwatch & Coll. ran.

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