SpanienDie Radikalkur von El País
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Eigentümer sieht für El País die Zukunft im Netz

Zu Prisa gehören neben El País zahlreiche andere Medien, etwa die Wirtschaftszeitung Cinco Días , die Sportzeitung As und diverse Radiostationen. Cebrián gründete, er kaufte auf Kredit – teuer war vor allem Spaniens führendes Pay-TV-Unternehmen Sogecable, zuletzt erwarb er die spanische Seite der US-Onlinezeitung The Huffington Post – er übernahm sich. Der Konzern häufte zeitweise bis zu fünf Milliarden Euro Schulden an. 2010 stieg Investor Nicolas Berggruen mit seinem Fonds Liberty bei Prisa ein. Liberty ist nun Mehrheitseigner. Die Prisa-Aktie, die einmal 19 Euro wert war, liegt in den Tagen nach den Entlassungen bei rund 30 Cent. Bereits Anfang 2011 hatte der Konzern angekündigt, insgesamt 2.500 Stellen zu streichen.

Mit all dem hätten die Entlassungen bei El País aber nichts zu tun, beteuert ein Sprecher, der nicht namentlich genannt werden möchte, wegen der Kollegen. El País selbst mache gerade zum ersten Mal in seiner Geschichte Verluste.

Aus Sicht von Juan Luis Cebrián hat Print keine Zukunft. Im Netz will er El País zum weltweiten Leitmedium in spanischer Sprache machen. Sein Fokus liegt auf lateinamerikanischen Lesern und globalen Nachrichten – eine Strategie, die bislang durchaus Erfolg hat: Die Website hatte im Juli 13 Millionen Unique Users, davon fünf Millionen außerhalb Spaniens. Sie führt damit die spanischsprachigen Onlinemedien an. Neues Personal stellte das Blatt auf dem Weg zum globalen Medium aber nicht ein; Nachwuchs kam nur, wenn jemand ging. In Zukunft, so Chefredakteur Javier Moreno, solle das Blatt noch globaler werden und noch stärker im Netz agieren.

Regionalberichte an den Rand gedrängt

El País wandelt sich, auf eine für die Belegschaft äußerst schmerzhafte Weise. Regionale spanische Berichterstattung wird etwa zur Marginalie. In Andalusien müssen im Zuge der Kündigungswelle 13 von 21 Redakteuren gehen, in Galizien 8 von 12. Die insgesamt 129 geschassten Mitarbeiter bekamen die Nachricht ihrer Entlassung am Wochenende, per E-Mail – für viele eine weitere Respektlosigkeit der Unternehmensleitung. Der Betriebsrat hatte deren letztes Angebot am Freitag abgelehnt. Die Ex-Redakteure erhalten nun die minimale Abfindung nach dem Gesetz: für jedes gearbeitete Jahr 20 Tagesgehälter, maximal zwölf Monatsgehälter.

Den Kündigungen ging ein Monat voller Verhandlungen voraus, in dem eine Einigung stets fern schien. Die Redakteure streikten, verteilten einen Brief an ihre Leser, rügten Juan Luis Cebrián öffentlich, ließen bei ihren Artikeln verbotenerweise die Autorenzeilen weg. Chefredakteur Javier Moreno rief persönlich Korrespondenten an, damit sie sich nicht an dieser Aktion beteiligten. Daraufhin forderte die Redaktion seinen Rücktritt. Moreno erklärte sich in der FAZ .

Er will weitermachen, obwohl das Verhältnis der Belegschaft zu ihm ebenso zerrüttet ist wie jenes zu Cebrián. Den Mitarbeitern sei er nicht verantwortlich, sagt Moreno, sondern den Führungsgremien von El País und Prisa. Kann ein Chefredakteur, den die Redaktion derart ablehnt, noch erfolgreich arbeiten? Der anonyme Sprecher möchte nicht antworten. Zur Zukunft hingegen äußert er sich: "Natürlich beeinträchtigen 129 Personen weniger die Zeitung. Aber die Qualität wird gleich bleiben, die Seele wird gleich bleiben."

Das mit der Seele scheint unwahrscheinlich. Die Beilagenredakteurin Marta Nieto ist eine, die bleibt. "Fürchterlich" sei die Stimmung am Montag gewesen, sagt sie. "Die Zukunft wird schwierig. Die Arbeitsbeziehungen sind kaputt gegangen." Hätte etwas Ähnliches passieren können, als Jesús de Polanco noch lebte? Nieto antwortet entschieden: Nein. "Niemand bestreitet, dass Einschnitte notwendig sind. Aber man muss die Leute mit Würde behandeln", schiebt sie hinterher.

Das Gefühl, für Spaniens bedeutendste Tageszeitung zu arbeiten: Es hat für viele Redakteure mit Stolz und Würde derzeit wohl nicht mehr viel zu tun.

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Leserkommentare
  1. hätte eine höher verkaufte Anzahl der Zeitung das verhindert-
    wenn der Leser nicht mehr kauft geht eine Zeitung halt vom Markt, hatten wir doch gestern auch bei uns in dem eigentlich nicht krisengeschütteltem Frankfurt.

    2 Leserempfehlungen
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    geht es ums Geld, und nicht im Journalismus. Cebrián hat letztes Jahr 14 Millionen verdient, mehr als alle entlassenen Journalisten zusammen. Und das, obwohl er in den letzten Jahren Milliarder verzockt hat. El País muss das jetzt ausbaden. Wirklich eine Schande.

  2. geht es ums Geld, und nicht im Journalismus. Cebrián hat letztes Jahr 14 Millionen verdient, mehr als alle entlassenen Journalisten zusammen. Und das, obwohl er in den letzten Jahren Milliarder verzockt hat. El País muss das jetzt ausbaden. Wirklich eine Schande.

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